Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Waldbrandgefahr: Wie sich die Feuerwehr vorbereitet

Knapp 200 Einsatzkräfte waren beteiligt, neben der Feuerwehr die Abschnittsleitung Gesundheit und die Schnelleinsatzgruppe des D
Knapp 200 Einsatzkräfte waren beteiligt, neben der Feuerwehr die Abschnittsleitung Gesundheit und die Schnelleinsatzgruppe des DRK.

Die Aufregung in Haardt war kurz, aber heftig. Am Ende aber war es nur eine Waldbrand-Übung. Was sich Neustadts Feuerwehr-Chef Stefan Klein davon erwartet, und was die Bürger tun können, um die Gefahr zu verringern.

Herr Klein, erinnern Sie sich an den Brand am Hambacher Schloss im August 2022?
Nur zu gut.

Stefan Klein, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt.
Stefan Klein, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt.

Folglich hat die Neustadter Feuerwehr-Führung bewusst eine Jahreshauptübung unter dem Stichwort Waldbrandgefahr angesetzt?
Natürlich, zumal die Gefahr immer größer wird. Deshalb haben wir die Übung auch an den Saisonanfang gelegt. Damit jeder noch mal so ein bisschen weiß, was zu tun ist, wenn wir wieder in diese Lage kämen.

So ein bisschen?
Überwiegend sollten die Führungskräfte eingewiesen werden. Es ging um Einsatztaktik, was wann zu machen ist, bei welcher Windlage was zu beachten ist. Neben solchen Punkten ist aber die wichtigste Frage, wie wir an Löschwasser kommen, also welche Möglichkeiten wir haben, Wasser an die Einsatzstelle zu bringen. Bei der Übung im Haardter Wald haben wir lange Schlauchleitungen gelegt, selbst mit unseren Tanklöschfahrzeugen Wasser beigeschafft und ebenso mit externen. Unter anderem aus Ludwigshafen.

Haardt, Samstagnachmittag: Feuerwehrfahrzeuge auf dem Weg ins Meisental. Für Rauchentwicklung sorgten Rauchgranaten.
Haardt, Samstagnachmittag: Feuerwehrfahrzeuge auf dem Weg ins Meisental. Für Rauchentwicklung sorgten Rauchgranaten.

War für die der Weg nur wegen einer Übung nicht etwas zu weit?
Es war die städtische Berufsfeuerwehr Ludwigshafen, die vor einiger Zeit einen Sattelschlepper mit Tank angeschafft hat. Deshalb wollten wir die Zusammenarbeit mit den Kameraden mal einspielen. Die Ludwigshafener Wehr hatte übrigens auch etwas davon: Einsätze in Steillagen sind dort natürlich, gelinde gesagt, eher selten. Wie das einen Einsatz verändert, hat sie durchaus beeindruckt.

Im August 2022 waren manche davon überrascht, dass die Neustadter Wehr ein knappes Dreivierteljahr vorher schon einen Waldbrand geübt hatte, noch dazu unterhalb des Schlosses. Vor allem Wasserzufuhr durch private Dienstleister wurde gewürdigt. Wie war die Wehr darauf gekommen?
Ich wusste, dass im Neustadter Raum große Fässer vorhanden sind, und die wurden dann einfach in die Feuerwehr integriert. Dann muss man aber natürlich auch üben. Nicht nur wegen der Einsatzkräfte, sondern das hat auch technische Gründe. Und es braucht auch eine bestimmte Ausstattung, Beispiel Übergangsstücke. Das haben wir damals alles beschafft und üben das auch regelmäßig.

Unverzichtbar: Löschwasser, das auch von privaten Dienstleistern herbeigeschafft wird.
Unverzichtbar: Löschwasser, das auch von privaten Dienstleistern herbeigeschafft wird.

Um mal beim Wasser zu bleiben: Im August war ein Hubschrauber mit Wassersack im Einsatz. Danach wurde landesweit darüber diskutiert, solche Einsätze zu integrieren. Wie wichtig wäre das am Ende?
Meine persönliche Meinung lautet, dass das wenig Sinn ergibt, weil die Wassermenge, die ein Hubschrauber bringt, einfach zu gering ist. Außerdem müssen sie zu weit fliegen, um wieder aufzufüllen. Aber natürlich gehen da die Meinungen auseinander.

Kann der Forst noch etwas tun? Im Neustadter Wald soll zum Beispiel nach und nach mehr Wasser zurückgehalten werden – wie durch Gräben entlang von Wegen.
Beim Waldbrand wird uns das wenig nutzen. Um Löschwasser zu haben, müsste man schon Behälter bauen, wie Zisternen, und das wäre ein riesiger Aufwand, von den Kosten nicht zu reden. Und trotzdem bliebe das Risiko, dass dort, wo man ihn braucht, dann kein Behälter ist.

Und Löschteiche?
Im Prinzip super, aber die müssen dann auch gefüllt sein, man müsste also irgendwo vernünftige Quellen haben. Da sieht es im Wald momentan auch nicht unbedingt rosig aus. Vieles versiegt, vieles versickert. Helfen könnten Aktionen wie jene von Stadt und Forst aktuell im Kaltenbrunner Tal: Dort werden die Weiher auf Vordermann gebracht, damit die Dämme wieder halten und die Weiher auch wieder befüllt werden können. Das muss man schon sagen: Die Stadt unternimmt viel, und auch der OB war am Samstag die ganze Zeit dabei, um sich sein eigenes Bild zu machen.

Fühlen Sie sich auch vom Land unterstützt?
Wir stehen immer mit dem Innenministerium in Verbindung, aber so richtig helfen kann es uns auch nicht. Es gibt Förderzusagen für präventive Maßnahmen, aber diese müssen auch Hand und Fuß haben. Außerdem braucht es dann auch Geld von der Stadt, und mit den Haushaltsmitteln, die sie zur Verfügung hat, wird es da ziemlich eng.

Zumindest kleinere Fahrzeuge, um mobiler in schwierigem Gelände zu sein, waren nach Hambach auch landesweit in der Diskussion. Wäre das nicht eine Möglichkeit?
Schon eher, zumal wir damit bei unserem Einsatz im Ahrtal nach der Flutkatastrophe schon etwas Erfahrung sammeln konnten. At-Fire, eine ehrenamtliche Hilfsorganisation, hatte uns dort ein Quad bereitgestellt, mit dem wir unsere Ärzte zu Einsätzen im Wald transportiert hatten. Jetzt hat uns das Autohaus Fischer für die Übung im Haardter Wald mit einigen solcher Fahrzeuge versorgt, um testen zu können, was am besten wäre, bevor wir eines kaufen.

Und was hat das gebracht?
Dass die größeren Modelle gar nicht so hilfreich sind. Sondern eher das kleine für uns interessant wird.

Reicht denn eins aus?
Für einen Bringdienst oder kleine Sachen auf jeden Fall. Oder auch, um Verletzte rauszubringen, wie am Samstag, als sich ein Kamerad weh getan hatte. Das eigentliche Material aber muss schon mit großen Einsatzfahrzeugen kommen. Die brauchen wir einfach. Wie Spezialfahrzeuge für den Waldbrand, die wir auch gerade beschaffen.

Damit verbunden ist das andere große Thema beim Waldbrand: Darf Totholz im Wald sein oder nicht? Wie war das denn am Samstag? Wie hätte es da ausgesehen, wenn es wirklich gebrannt hätte?
Katastrophal. Es gab sehr viel Totholz. Ich weiß, dass es ökologisch wichtig ist, und verstehe das auch. Aber da prallen nun eben Welten aufeinander. Wenn Totholz mal am Zündeln ist, bekommt man es nur schwer in den Griff. Da sollte ein Kompromiss gefunden werden. Zum Beispiel sollte es zumindest am Rand der Wohnbebauung abgeräumt werden. Oder am Rand der größeren Fahrwege, sonst kommen wir mit unseren Fahrzeugen dort nicht mehr hin. Was schon verbessert wurde ist der Rückschnitt entlang der Wege, das haben wir deutlich gespürt. Aber das Totholz rechts und links bleibt kritisch.

War die Übung im Haardter Wald viel anders als die Übung im Hambacher Wald, nicht zu reden vom tatsächlichen Waldbrand im August?
Wir hatten den Ort wegen des hohen Bestands an Nadelbäumen ausgewählt. Diese brennen nun einmal leichter als Laubbäume – weil sie trockener sind und wegen des Harzes. Auch der Bodenbelag ist anders wegen der vielen Altnadeln. Und das alles nahe der Wohnbebauung.

Und jetzt haben Sie beziehungsweise die Neustadter Wehr alles im Griff?
Alles im Griff zu haben, das sage ich nur, wenn es wirklich so ist. Bei einem Waldbrand würde ich das also vorher nie sagen. Fakt ist: Wenn so ein Brand nahe der Wohnbebauung ausbrechen sollte und der Wind ungünstig steht, dann muss bei einem größeren Ausmaß damit gerechnet werden, dass wir auch einmal evakuieren. Das hatten wir bei der Planung mit drin – eventuell zehn, 20 oder 30 Häuser zu räumen. Das wird dann schon sportlich. Mein Fazit: Die Mannschaft hat einen tollen Job gemacht, jeden Auftrag gut umgesetzt, alle wussten, wo sie hinlaufen müssen.

Löschangriff: Philipp Salm (links) und Lukas Schanzenbächer.
Löschangriff: Philipp Salm (links) und Lukas Schanzenbächer.

Aber?
Auf Führungsebene gibt es noch ein paar Verbesserungsmöglichkeiten. Zum Beispiel war bei der Kommunikation nicht alles perfekt. Deshalb üben wir ja. Wenn man sich an den August 2022 erinnert, haben wir sehr von der Übung zuvor profitiert.

Was erhoffen Sie sich denn von den Neustadtern und Touristen mit Blick auf Waldbrandgefahr?
Dass sie absolut vorsichtig im Wald unterwegs sind, beachten, dass offenes Feuer, Grillen und Rauchen verboten sind. Damit wird aus meiner Sicht immer wieder relativ leichtsinnig umgegangen. Außerdem sollten sich Bürger, die direkt am Haardtrand wohnen, überlegen, ob wir die Bäume wirklich direkt bis an die Häuser stehen lassen oder eine baumfreie Zone von mindestens einer Baumlänge schaffen. Damit wären die Häuser einfach besser geschützt. Der Forst sieht das ebenso, aber wir haben natürlich auch viel Privatwald hinter den Grundstücken.

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