Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Vor finalem Heimspiel: Kapitän beendet Karriere

Der Kapitän geht von Bord: Matthias Held beendet seine Karriere als Wasserballer.
Der Kapitän geht von Bord: Matthias Held beendet seine Karriere als Wasserballer.

Matthias Held geht – und war komplett. Der Kapitän der Zweitliga-Wasserballer beendet seine Karriere, ausgerechnet vor dem finalen Heimspiel. Dafür hat er seine Gründe

Am Samstag um 20 Uhr gastiert Laatzen zum Play-Off-Rückspiel beim SC Neustadt im Stadionbad. Nach dem 13:12-Auswärtserfolg in Niedersachsen ist Aufsteiger SCN ganz nah dran, Platz fünf in der Zweiten Wasserball-Liga zu erobern. Doch ein wichtiger Akteur fehlt. Noch schlimmer, er „geht so ganz“.

Kapitän Matthias Held spielte am vergangenen Samstag in Laatzen seine letzte Partie für Neustadt. Am Rückspielwochenende ist er im Familienurlaub. Held versichert, dass er auch kein Comeback irgendwann einplane. Er hat seinen Abschied gegenüber den Mannschaftskollegen und der Wasserball-Abteilung rechtzeitig kommuniziert. Eigentlich möchte er gar nicht, dass darüber viele Worte gemacht werden.

Erst in den letzten Jahren „milder“ geworden

Held als Held? So etwas will er jedenfalls nicht hören. Bodenständig, zuverlässig, clever, heißblütig, so hat man ihn im Wasser erlebt. Die SCN-Fans werden an seine Übersicht beim Spielaufbau, seine wuchtigen Torschüsse, aber auch an seine „Rollen“ denken. Eine „Rolle“ ist eine Hinausstellung für den Rest des Spiels. Held kommentierte manche Entscheidung der Schiedsrichter lautstark und hielt auch ordentlich dagegen, wenn die Gegner ausgeteilt haben. In diesen Momenten dachte man innerlich „Matthias, bleib ruhig“. Doch wenn es in ihm brodelte, musste er Dampf ablassen. Erst in den letzten Jahren wurde er etwas milder.

Der 41-Jährige hat seinen Ausstieg bewusst jetzt gewählt. Er blickt auf eine gut aufgestellte Mannschaft, eine Mischung von Routiniers und Nachwuchsspielern, die unter dem in dieser Saison neu hinzugekommenen Cheftrainer Milos Sekulic viele neue Impulse erhalten hat. Als Aufsteiger mit Blick auf Rang fünf darf der SCN eine erfolgreiche Saison verbuchen. Für Matthias Held ist die Zeit reif, sich seiner Familie zu widmen. Seine Frau habe sehr viel zurückstecken müssen. Er verzichtete auf Familienfeiern und die Hochzeiten von Freunden, wenn eine Partie zu spielen war. Jetzt will er die Zwillinge Maja und Thea, die in die Schule kommen, bei deren Hobbys begleiten.

Seit mehr als 25 Jahren in Neustadt

Held spielt seit über 25 Jahren beim SCN Wasserball. Angefangen hatte er seine Karriere im Wasser in Ludwigshafen, zunächst auch als Schwimmer. Doch SCN-Jugendtrainer Peter Kuhn lotste den Jugendlichen nach Neustadt. Dort spielte eine erfolgreiche Jugendmannschaft. Mit Moritz Oeler, der zu dieser Zeit ebenfalls beim SCN das Wasserball-Ein-Mal-Eins lernte, wurde Held sogar in die Junioren-Nationalmannschaft berufen. „Die Europameisterschaft mit der U18 in Bari (Italien) war mein sportlicher Höhepunkt. Wir wurden Achter“, erinnert er sich.

Überhaupt bescherte ihm der Sport viele schöne Momente. „Ich war mächtig stolz, als Jugendlicher in der ersten Mannschaft zu stehen“, verrät er. Überhaupt hebt er die Gemeinschaft beim SCN hervor. Er habe sogar Angebote zum Wechseln erhalten, als er in der Nationalmannschaft spielte, aber das sei überhaupt nicht in Frage gekommen.

„Zum Leidwesen meiner Frau

„Was bleibt, sind die vielen Kontakte zu sehr netten Menschen. Mit dem Spanier Fernando Mongrell, der einige Jahre in der Bundesliga-Mannschaft mit Held spielte, verbindet ihn eine besondere Freundschaft. „Wir verbrachten schon zwei Familienurlaube zusammen, die Kontakte zählen ebenso wie die sportlichen Erfolge“, sagt er. Weniger erfreulich findet er, wenn Teamkollegen nicht zuverlässig dabei waren, und „Geburtstage der Oma“ vorgeschoben hatten, wenn sie nicht an Training oder Spielen teilnahmen. Held betont: „So etwas gab es bei mir nicht. Wenn ich mich engagiere, dann steht Zuverlässigkeit an erster Stelle, zum Leidwesen meiner Frau.“

Als Mannschaftsführer füllte er zeitweise auch die Funktion des „Mädchens für alles“ aus. „Es gab mal eine Zeit, da war ich zuständig, die Anreise und das Hotel zu buchen. Jetzt macht das unser Manager Michael Heinz“, erklärt Held. Eine Rückkehr ins Team schließt er kategorisch aus. Die lange Anreise von Grünstadt zu Training und Spielen, das Familienleben und sein Alter sieht er als Gründe für seinen Abschied. Welchen er, bescheiden wie er ist, eben nicht beim letzten Heimspiel der Saison vor den Fans nehmen wollte.

Spekulationen um Trainer Sekulic

SCN-Coach Milos Sekulic lässt noch offen, ob er beim SCN weiter am Beckenrand stehen wird. Er meint: „Das entscheidet sich erst in den nächsten Wochen. Aber ich trainiere mit den Jungs noch bis Ende Juni. Das Erhaltungstraining nach der Saison ist auch wichtig.“ Er freut sich, die Spielzeit mit einem Heimspiel abschließen zu können. Es wäre schön, wenn viele Fans kämen. Es wäre eine Würdigung des Teams, aber auch der vielen Ehrenamtlichen und Helfern, die bei jeder Heimpartie entweder beim Kampfgericht oder beim Aufbau helfen, so Sekulic. Er sieht seine Mannschaft im Vorteil, denn Laatzen müsse die weite Anfahrt wegstecken, das sei sicher ein Nachteil für die Gäste. Auf der Centerposition hat Sekulic wieder mehr Auswahl, denn auch Vanja Pletikosic wird an Bord sein.

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