Neustadt Von Schumann bis zum Swing

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«Neustadt». Unter dem Motto „Round about Klarinette“ demonstrierte Bernd Gaudera gemeinsam mit befreundeten Profimusikern am Samstagabend in der Alten Winzinger Kirche die klangliche Vielseitigkeit der Klarinette. Zu hören waren Kammermusikwerke der Romantik und Jazzstandards im Stil des „King of Swing“, Benny Goodman. Begeisterung weckten aber nicht nur die kontrastierenden Musikstile, sondern auch die virtuose Leistung aller beteiligten Musiker.

Ein Bad in den Klangfarben des Melodieinstrumentes bieten bereits die „Fantasiestykker“ für Klarinette und Klavier des Dänen Niels W. Gade, Schüler und Freund von Felix Mendelssohn. Einschmeichelnde Klänge bezaubern beim expressiven Andantino. Die darauf folgende Ballade ist elegisch und ausdrucksvoll, geprägt von Echoeffekten und dem Kontrast von tiefen, grollenden Klängen und höchsten Höhen. Rhythmisch betont dann das Allegro Vivace, bei dem Gaudera und der Pianist Andreas Reichel in einen munteren Dialog treten. Das Publikum spendet hier, wie auch nach den beiden anderen „klassischen“ Programmpunkten, den Fantasiestücken von Robert Schumann und der f-Moll-Sonate von Johannes Brahms, begeisterten Beifall. Dabei kann Reichel, der mit Gaudera unter anderem durch seine Tätigkeit an der Musikschule Haßloch verbunden ist, besonders bei der viersätzigen Sonate von Brahms seine Virtuosität am Klavier entfalten. Beim Allegro wie beim Vivace geht es im Galopp quer über die Tastatur. Empathische und tänzerische Elemente überwiegen bei den Mittelsätzen. Die Klarinette setzt zum Pianospiel synkopische Akzente in allen Lagen, greift musikalische Themen imitierend und witzig kontrastierend auf. Fulminaten Abschluss findet der Vortrag mit fanfarenartigen Staccati sowie Trillern und raschen Tonfolgen. Ein ganz anderes „Feeling“ entfaltet sich nach der Pause. Saßen die Zuhörer vorher andächtig lauschend da, kommt nun Bewegung in die Schar. Füße wippen, Schultern zucken, Köpfe wackeln, Finger trommeln bei „Stompin` at the Savoy“ von Edgar Sampson. Ganz in Jazz-Tradition hat jedes Instrument sein Solo, jeweils von den Zuhörern mit verdientem Beifall bedacht. Am Klavier brilliert Alexander Schaaf, der seinem Ruf als „virtuoser Tastenmann“ mehr als gerecht wird. Er agiert als Bühnenmusiker und unterrichtet daneben an Musikschulen in Neustadt und Haßloch. Und immer wieder bringt die Klarinette zwischen den Soli das Hauptthema in mitreißender Improvisation ins Spiel. So auch voller Empathie beim Titel „Memories of You“, einer Ballade von Eubie Blake, welche das Publikum mitswingen lässt. Stets tritt das Melodieinstrument zurück, um den anderen Instrumentalisten musikalische Entfaltung zu bieten. Auch der Evergreen „Bei mir bistu shein“ reißt das Publikum mit. So gibt es viel Applaus für die Soloeinlagen des Bassisten Martin Grohe und des Schlagzeugers Mischa Becker, die beide (unter anderem) in der von Gaudera geleiteten Neustadter „Blue Note Bigband“ spielen. Grohes Finger entlocken dem Kontrabass Töne in allen Lagen, angenehm dumpf im Magen dröhnend. Gelassen und versiert greift Becker zu unterschiedlichen Schlagstöcken und Besen, bringt die ganze Palette seiner Percussions zur Geltung. Hingebungsvoller Abschluss ist „The Man I Love“ von George Gershwin, bei dem sich ruhige Sequenzen mit spannungsvollen Passagen abwechseln. Wieder treten einzelne Instrumente mit Soli in den Vordergrund, die vom Publikum begeistert beklatscht werden. Glanzlichter setzt wieder einmal die Klarinette mit fein akzentuiertem Vortrag, der sich in der Intensität steigert und zu einem sanften Ausklang findet. Auch bei „Avalon“ (Al Jolson, Buddy DeSylva und Vincent Rose) springt der Funken über, die punktierten Rhythmen bewegen das Publikum sichtlich. Becker entwickelt wie mit Zauberstäben einen überwältigenden Sound. Auch bei der Zugabe, „Take the A-Train“ von Billy Strayhorn, zeigen die brillanten Instrumentalisten, dass sie Freude am gemeinsamen Musizieren haben. Der Pianist brilliert mit Taktwechseln, Triolen und Synkopen, der Bassist liefert chromatische Parts quer über das Griffbrett, die Percussion steigt in die Grooves ein, Gaudera an der Klarinette setzt allem Krone auf. Ein facettenreiches Konzert, das das Publikum in der Diskussion, ob der klassische oder swingende Teil besser gefallen habe, nicht spaltet. Beides war, in seinem jeweiligen Genre betrachtet, super.

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