Maikammer
Totenkopf: Vergessenen Weg freigelegt und Quelle neu gefasst
Vor etwa zwei Jahren waren Matthias Dreyer aus Maikammer-Alsterweiler und Wolfgang Mildner aus Lambrecht bei ihrer Suche nach den Grenzsteinen des Jahres 1822 der 5. Haingeraide auf die Totenkopfquelle gestoßen, die im Dornröschenschlaf lag. „Am Rand lagen die Reste einer verfallenen Bank“, sagt Dreyer. Gleichwohl erinnerte der Ort den Aktiven des Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler) an historische Zeiten. Denn unverkennbar zog sich ein alter Weg von der Totenkopfhütte hinunter zur gefassten Quelle.
Vom Totenkopf ins Argenbachtal
„Der Pfad folgt dem Verlauf der Grenze zwischen Maikammer und Diedesfeld entlang der Grenzsteine 164, 163 und 162“, klärt Dreyer auf. Zweifelsohne sei der Weg aber viel älter: Bildete er doch die direkte Verbindung vom Totenkopf hinunter ins Argenbachtal, die seit Jahrhunderten als „Alte Steige“ bezeichnet wird, so der Mann aus Alsterweiler.
Dreyer spannt den geschichtlichen Bogen bis zurück in die Römerzeit, als römische Karren von Noviomagus (das heutige Speyer) kommend hier über den alten Straßendamm in Richtung Westen bis nach Mediomatricum (heute Metz in Lothringen) zogen. „Vermutlich gab es auch noch im Mittelalter diese steile Verbindung, an der sich Menschen, Esel und Ochsen abmühten“, nimmt Dreyer an.
Im Juli dieses Jahres begannen Bernd Baumann, Matthias Dreyer, Erich Stachel und Wolfgang Mildner, den 250 Meter langen Weg wieder freizulegen. Später stießen noch Gitta Angel, Renate Wingerter, Peter Angel, Christian Boll, Willi Humm und Rainer Schäfer dazu. Es war eine Gemeinschaftsaktion von Mitgliedern des Club Sellemols und der Ortsgruppe Maikammer-Alsterweiler des Pfälzerwald-Vereins (PWV) mit Unterstützung von Förster Rainer Northoff.
Findling aufgestellt und Sandsteintreppe gebaut
Im Verlauf der Arbeiten wurde Baumaufwuchs entfernt, ein Findling als Wegweiserstein mit der Gravur „22 Schritte bis zur Totenkopfquelle“ aufgestellt, der Weg mit Sandsteinstufen versehen und ein uraltes Waschbecken aus Sandstein an der Quelle als Trog eingebaut. „Das hätten wir gleich am Anfang den Berg runtergleiten lassen sollen, dann wäre der Weg frei gewesen“, stellt Stachel, der das historische Teil gespendet hatte, schmunzelnd fest. Das schmucke Schild, das nördlich der Totenkopfhütte den Weg zur Quelle („277 Schritte“) weist, hat Christian Boll nach alten Vorbildern angefertigt. Es hängt an einer mächtigen Rotbuche. In einem honigfarbenen Ton erstrahlt die neue, nahe der Quelle aufgestellte Holzbank, die der PWV Maikammer-Alsterweiler gestiftet hat.
Am Samstag wurde der Weg eingeweiht und an der Bank eine Metallplakette angebracht – unter Verwendung eines Klappmeters, der ja 1886 in Maikammer erfunden wurde. Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach und der Erste Beigeordnete Klaus Humm lobten das Gemeinschaftswerk von Club Sellemols und PWV. Auch Ortsbürgermeister Karl Schäfer freute sich über die „immer wieder neuen Projekte des Club Sellemols“.
Video
Ein zehnminütiges Video von den Arbeiten ist auf www.clubsellemols.de/alter-grenzweg-totenkopfquelle/ zu finden.
Nils fragt Was macht ein altes Waschbecken im Wald?
„Sofas, Reifen, Fernseher, Toilettenschüsseln: Es ist unglaublich, was manche Menschen in den schönen Wald schmeißen“, regt sich meine kleine Schwester Nessy auf, als wir auf dem „Alten Grenzweg“ mit Opa Nörgel zur Totenkopfquelle wandern. „Dabei können sie doch alles in Wertstoffhöfen abgeben oder die Sperrmüllabfuhr kommen lassen!“
„Na, hier liegt aber nichts, Nessy“, beruhigt sie Opa. „Ja, das stimmt. Das ist noch ein schönes Fleckchen“, meint sie, als wir uns auf der neuen Bank nahe der Quelle niederlassen. „Der Trog an der Quelle ist eine ehemaliges Waschbecken“, weist Opa uns auf die Stelle hin, wo munter Wasser aus der Erde sprudelt. „Aber das lass’ ich mir gefallen, Opa!“, sagt Nessy und lacht. „Das alte Waschbecken wurde aus Pfälzer Sandstein, wie er hier im Wald überall zu sehen ist, hergestellt. Vielleicht kam der Stein dafür sogar aus diesem Wald. Das Becken passt wunderbar in die Landschaft und zur Quelle. Das ist kein Müll!“