Maikammer / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Stoppomaten an der Kalmit abgebaut

So hat er einmal ausgesehen, der Stoppomat am Ortsausgang von Maikammer an der Kalmithöhenstraße. Karten haben dort bereitgelege
So hat er einmal ausgesehen, der Stoppomat am Ortsausgang von Maikammer an der Kalmithöhenstraße. Karten haben dort bereitgelegen. Links im Schlitz des dunklen Kastens wurde die Zeit abgestempelt.

2008 ist der Stoppomat an der Kalmit als erster in der Pfalz eingerichtet worden. Schnell wurde er zu einem Erfolg. Gleich im ersten Jahr nutzten rund 4500 Sportler die Zeitmessstrecke hinauf zur Kalmit. Inzwischen ist der Stoppomat aber abgebaut worden. Vandalismus ist nicht der einzige Grund dafür.

2010 ist die Stoppomat-Strecke in Maikammer sogar als „ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet worden. Seit Anfang Mai 2008 konnten Radsportler, Jogger, Geher und Handbiker mit dem Stoppomaten kostenlos ihre Zeit messen, die sie bis zum Kalmitgipfel brauchen. Am Ortsausgang von Maikammer stand das Startgerät, an dem man auf eine Karte Name, Verein, Alter, Sportart eingetragen hat. Sie ist dort mit der Abfahrtszeit abgestempelt worden. Dann sind die Sportler rund 5,5 Kilometer bergauf mit einer durchschnittlichen Steigung von sechs Prozent bis zum oberen Stoppomaten auf dem Parkplatz unterhalb des Kalmit-Gipfels gefahren oder gelaufen. Hier haben sie ihre Karte mit der Ankunftszeit abstempeln lassen, sie anschließend in einen Kasten geworfen. Aus der Zeitdifferenz zwischen Start- und Zieluhrzeit hat sich die Fahrzeit ergeben. Ehrenamtliche des RSC Neustadt haben den Kartenkasten regelmäßig geleert und manuell die Zeiten ins Internet eingegeben, wo sie unter www.stoppomat.de noch immer nachzulesen sind. Dort sind auch die Platzierung der Sportler zu sehen.

Oberes Gerät ständig zerstört

Doch Mitte Juni ist der Stoppomat abgebaut worden. „Der oben auf der Kalmit war ständig zerstört“, berichtet Maikammers Ortsbürgermeister Karl Schäfer. Oben habe immer jemand Grasbüschel in den Kartenschlitz gesteckt, ergänzt der Maikammerer Beigeordnete Klaus Humm. Und Daniel Roth, der bis zuletzt mit seinem Vereinskollegen vom RSC Neustadt, Simon Raabe, den Stoppomaten betreut hat, weiß, dass „der Stoppomat drei- bis fünfmal pro Saison defekt, beschmiert war oder dass etwas geklaut worden ist“.

Solarpaneel 2012 gestohlen

zum Beispiel ist gleich zweimal ein Solarpaneel gestohlen worden, mit dem die Uhr im Stoppomaten betrieben worden ist. Im besagten Jahr war die Zeitmessanlage deshalb lange außer Betrieb. Im August 2010 hatten Unbekannte gar oben auf der Kalmit mit Gewalt das Gerät aus dem Häuschen, in dem es installiert war, herausgerissen. Die BASF hatte seinerzeit 2200 Euro für die Wiederbeschaffung gespendet. 40 bis 50 Stunden hatten Ehrenamtliche des RSC Neustadt zum Reparieren gebraucht. Im Frühjahr 2010 war am oberen Gerät der Kartenschlitz mit Pappe und Eisstielen vollgestopft worden. Die Folge: Die Uhr war kaputt. Kosten: 190 Euro.

RSC hat sich als Pfleger abgemeldet

„Wir als Pfleger haben immer den ganzen Shitstorm im Internet abgekriegt“, erzählt Daniel Roth von Beschwerden der Sportler, wenn der Stoppomat mal wieder defekt war. Vandalismus machte auch vor dem unteren Stoppomaten nicht Halt. Ein Sportler hatte noch in diesem Sommer im Stoppomaten-Forum geschrieben: „Super Strecke, leider konnte man am Sonntag keine Karte ziehen, da sich im Stoppomaten zwei Steine und eine Küchenrolle befanden.“

Der Radsportclub hatte sich schon vor über einem Jahr bei der Ortsgemeinde Maikammer von der Pflege des Stoppomaten abgemeldet. Maikammer hatte die Geräte von der Tourist, Kongress und Saalbau GmbH Neustadt übernommen, der die Anlage zunächst gehört hatte. „Simon Raabe ist vor gut eineinhalb Jahren auf mich zugekommen, dass er die Pflege aus beruflichen Gründen nicht mehr übernehmen könne“, berichtet Klaus Humm. Das Tourismusbüro in Maikammer, der Gemeinderat und er hätten schließlich beschlossen, den Stoppomaten abzubauen.

Doch war dafür nicht alleine ständiger Vandalismus der Grund. „Wegen Strava und anderer Apps ist der Stoppomat kaum noch genutzt worden“, betont Michael Baum, Vorsitzender des RSC Neustadt. Strava ist nach eigenen Angaben ein soziales Netzwerk zum internetbasierten Tracking sportlicher Aktivitäten wie Radfahren, Joggen, Schwimmen, Skifahren oder Rudern. Sportler mit entsprechenden Fitnessuhren beziehungsweise Navigationsgeräten können solche sozialen Netzwerke nutzen, um ihre sportlichen Leistungen dort herunterzuladen, zu speichern und mit anderen zu teilen. „Das mit den Karten war ein bisschen überholt“, sagt Baum zum Stoppomaten. „Es war abzusehen, dass in Zeiten von Strava das alte System seinen Reiz verliert“, fügt Daniel Roth hinzu.

Stoppomat in Göllheim

Der Kalmit-Stoppomat ist übrigens nicht der einzige, der nicht mehr existiert: Die Anlage für Rennradfahrer und Mountainbiker in Hirschhorn im Landkreis Bergstraße ist laut Hirschhorner Stadtanzeiger bereits zum 1. Dezember 2017 stillgelegt und abgebaut worden. Stoppomaten gibt es in ganz Deutschland sowie in Spanien, in der Pfalz noch in Göllheim.

Als Christoph Fuhrbach am 12. Juni ein Everesting, eine Höhenmeterjagd, für Radsportler an der Kalmit anbot, gab es die Kalmit-Stoppomaten noch. „In der Woche danach haben wir sie abgebaut“, erzählt Klaus Humm. Jetzt seien sie im Bauhof in Maikammer gelagert. Humm: „Was damit passiert, wissen wir noch nicht.“

Kommentar: Ohne Sinn und Verstand

Nur zwölf Jahre lang hat es die Zeitmessstrecke von Maikammer hinauf zur Kalmit, zum höchsten Berg im Pfälzerwald, gegeben. Keine wirklich lange Zeit, mag so mancher denken. Aber die Technik hat sich seit 2008 dermaßen stark entwickelt, dass der gute alte Stoppomat nicht mehr gebraucht wird. So weit, so gut.

Was sich in diesen Jahren allerdings überhaupt nicht entwickelt hat, zumindest nicht zum Positiven, sind Verständnis und Respekt einiger Menschen. Mit blinder Zerstörungswut etwas kaputt zu machen, ohne selbst einen Nutzen davon zu haben, ist für den normalen Menschen nicht nachzuvollziehen.

Dass dieser Vandalismus an der Kalmit nicht nur Sportler, sondern auch ehrenamtlich aktive Menschen trifft, macht ihn umso schlimmer. Das Bittere ist, dass bei Letzteren Hilflosigkeit und Enttäuschung zurückbleiben: Wie lässt sich schon ein Stoppomat schützen, der an einer sehr entlegenen Stelle aufgestellt ist?

Laut Bundesministerium des Innern setzen sich in Deutschland rund 31 Millionen Menschen in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl ein. Sie machen vieles oft kostenlos möglich, was ansonsten unbezahlbar wäre. Auch der Stoppomat war ein kostenloses Angebot. Die Ehrenamtlichen leben Gemeinschaft.

Wenn die Vandalen doch nur erwischt würden: Sie könnten dazu verdonnert werden, ihre Kräfte, die sie sinn- und nutzlos verschwenden, viel besser im Ehrenamt einzusetzen. Dann erhielten sie vielleicht sogar Anerkennung für ihr Tun. Vielleicht lernten sie dann, wie wichtig Gemeinschaft ist. So aber agieren sie ohne Sinn und Verstand.

Nur die Tafel „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ von 2010 zeugt nach davon, dass am Ortsausgang von Maikammer einmal der unter
Nur die Tafel »Ausgewählter Ort im Land der Ideen« von 2010 zeugt nach davon, dass am Ortsausgang von Maikammer einmal der untere Stoppomat gestanden hat.
Die Steine waren am Parkplatz unterhalb des Kalmit-Gipfels abgelegt worden, damit Autofahrer die Zufahrt zum Stoppomaten nicht z
Die Steine waren am Parkplatz unterhalb des Kalmit-Gipfels abgelegt worden, damit Autofahrer die Zufahrt zum Stoppomaten nicht zuparken konnten.
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