Neustadt Stände-Check vor Festbeginn
KIRRWEILER. Der freundliche Herr mit Schnurrbart schaut sich den Stand auf dem Biosphären-Bauernmarkt in Kirrweiler genau an, ganz genau. Gibt es Preisauszeichnungen? Sind sie korrekt? Sind die Allergene angegeben? Auf den Gläsern mit der selbstgemachten Marmelade steht „Fruchtaufstrich“. Kontrolleur Karl-Heinz Kirsch lobt den Aufdruck. Für die Bezeichnungen „Marmelade“ und „Konfitüre“ gibt es Vorgaben, die eingehalten werden müssen, bei Fruchtaufstrichen nicht. „Da haben Sie uns drauf hingewiesen“, sagt Andreas Schwögler vom Stand des Kürbishofs Birkenhördt. An diesem Stand gibt es nichts zu verbessern, Kirsch verabschiedet sich von Schwögler und seinem Kollegen Karl Ludwig Kolb und sucht sich den nächsten Stand aus. Ehe er nicht alle gesehen hat, geht er nicht nach Hause. Kirsch ist beim Veterinäramt des Kreises Südliche Weinstraße als Abteilungsleiter zuständig für die Lebensmittelüberwachung. Am Wochenende kontrolliert der 60-Jährige die Stände auf den Festen im Kreis. Er stellt sicher, dass die Auszeichnungen korrekt sind und alles hygienisch zugeht. Kirsch beendet seinen Dienst nicht am Freitagabend, weil „ich es wichtig finde zu kontrollieren. Ein ordentlicher Standard ist nicht nur für die Besucher gut, er dient auch dem Tourismus in der Region allgemein“. Einer der ersten Stände, die Kirsch begutachtet, ist ein Wein-Ausschank. „Kann ich mal die Gläser sehen?“, fragt er den französischen Anbieter. Das Eichmaß fehlt. Kirsch findet noch weitere Mängel. Auf der Preistafel fehlt der gesetzlich vorgeschriebene Hinweis auf Allergene, bei Wein sind es in der Regel Sulfide, und die Menge wird als „Ein Glas“ angegeben. „Wie viel ist ein Glas?“, hakt der Kontrolleur nach. „100 Milliliter“, lautet die Antwort. „Dann schreiben Sie das bitte auch noch auf die Tafel.“ So ist Kirsch, immer freundlich, aber bestimmt. Sein Ziel ist es nicht etwa, möglichst viele Fehler der Aussteller zu erkennen, nur um Bußgelder einzutreiben. Er hilft und gibt Ratschläge, wie die Leute es besser machen können. Dafür ist er unter den Marktbeschickern bekannt. „Ah, der Herr Dokter“, ist immer wieder mit Pfälzer Zungenschlag zu hören. Sobald Kirsch an einen Stand herantritt: „Ist alles in Ordnung oder geht’s besser?“ Oft ist alles in Ordnung. Die Aussteller aus der Region wissen, was gefordert wird. „Problematisch sind meist die, die zum ersten Mal hier sind“, weiß Kirsch aus Erfahrung. Weiter geht’s zum Räucherfisch-Stand von Willi Vogel. „Der ist eigentlich auf jedem Fest“, sagt Kirsch, „und macht’s ordentlich.“ Nach der Kontrolle lobt Vogel die Arbeit der Kontrolleure. „Sie sind wichtig, viele Teilnehmer schauen nicht so auf Hygiene, richtige Abfallentsorgung und so weiter.“ Bei Vogel gibt es keine Beanstandungen, die Ware ist im Kühlschrank in Kisten gelagert. Waschbecken, Seife und Papier-Handtücher sind da. Die Auszeichnungen sind korrekt. Der Esslinger Kirsch hat die lokalen Beschicker in seinen 30 Dienstjahren gut gezogen. „Eigentlich studiert man nicht Tiermedizin, um zur Lebensmittelüberwachung zu gehen“, sagt er. Ursprünglich wollte der Pferdefan seine eigene Praxis als Tierarzt führen, doch die Bundeswehr kam ihm in die Quere. Dort arbeitete er in der Lebensmittelüberwachung, die Stelle beim Kreis „hat sich dann einfach ergeben. Ich habe mich reingefunden, eigentlich mache ich es auch gerne“. Nächster Stand, hier gibt es etwas zu essen. Kirsch prüft mit geübtem Blick alles. Stimmt die Hygiene? Gibt es eine Möglichkeit, die Hände zu waschen? Ist das Essen vor Umwelteinflüssen geschützt, gibt es ein Dach und ist der Boden abgedeckt? Ein genereller Schwachpunkt ist die Allergen-Auszeichnung. Das Gesetz trat 2014 in Kraft, überall angekommen ist es noch nicht. Dieser Lebensmittel-Anbieter hat eine Liste aller Stoffe, die Allergien auslösen können, auf die Tafel geschrieben. Kirsch fragt: „Ist Ei in ihren Speisen?“ Die Antwort lautet „Nein“. Wieso wird dann davor gewarnt, hakt Kirsch nach: „So leicht kann man es sich nicht machen.“ In Kirrweiler werden auch Zuchtschafe präsentiert. „Das macht einen Bauernmarkt aus, so was wird zu selten gemacht“, freut sich Kirsch über die Abwechslung. Er prüft, ob die Tiere ordentlich untergebracht sind, ausreichend Futter und Wasser haben. Unter den Schafen sind auch „graue gehörnte Heidschnucken“, Kirschs Lieblingsrasse. Er verweilt kurz, um die Hörner zu bewundern. Kirsch ist zu allen verbindlich. Nur einmal wird er ein wenig böse. Ein lokaler Verein hat Hygieneregeln missachtet. „Das hat mit Hygiene nichts zu tun, es ist ein Ticken zu viel des Schlechten“, reagiert er sauer. „Entweder sie beheben die Mängel sofort, oder ich breche das hier ab.“ Die Leute spuren. Es bricht hektische Betriebsamkeit aus, das Problem wird behoben. Der Bauernmarkt, so Kirschs Fazit, war aus Sicht der Lebensmittelüberwachung „insgesamt nicht schlecht. Es gab aber einen Querschläger“. Nächstes Jahr kommt er bestimmt wieder.