Neustadt
So viele Musiker wie noch nie: Was das Hambacher Musikfest im Juni verspricht
Seit fast 30 Jahren bringt das 1997 gegründete Hambacher Musikfest internationale Kammermusik an die Weinstraße – ein unermesslicher Gewinn für die Region, den das weltberühmte „Mandelring Quartett“ federführend gestaltet. Wie die Ensemble-Mitglieder Nanette und Bernhard Schmidt enthüllten, wartet die 29. Edition mit einem vielfältigen Instrumentarium auf.
„2026 schöpfen wir noch mehr aus dem Vollen“, sagt Nanette Schmidt, die zweite Geigerin des Quartetts. Die renommierten Gäste des diesjährigen Hambacher Musikfests versammeln eine gemischte Gruppe aus Blas-, Streich- und Tasteninstrumenten bis hin zu Harfe – „eine Vielzahl wie noch nie“, wie Nanette Schmidts Bruder Bernhard, der Cellist des Ensembles, hervorhebt. Eine außergewöhnliche Bandbreite, fügt er hinzu, ermögliche in diesem Jahr die Aufführung von Raritäten, die man auf Grund ihrer großen, spezialisierten Besetzungen nur selten im Konzert erlebe – aus dem einfachen Grund, weil die einzelnen Teile derartig gemischter Ensembles nur unter günstigen Bedingungen alle gleichzeitig zur Verfügung stehen.
Der Harfenist Sivan Magen sorgt für neue Möglichkeiten
So wird, abgesehen von Wolfgang Amadeus Mozarts „Jagdquartett“ in B-Dur, auch die Wiener Klassik (zur Matinée im Hambacher Weingut Müller-Kern am 7, Juni) in gemischten Besetzungen erklingen. Zu den eher unüblichen Kombinationen des Repertoires zählt beispielsweise das Quintett für Harfe und Streichquartett des vor allem als Schriftsteller bedeutenden Romantikers E. T. A. Hoffmann (1766-1822). Auch „Le masque de la mort rouge“ von André Caplet aus dem Jahr 1908, komponiert auf die gleichnamige Schauergeschichte von Edgar Allan Poe, „Die Maske des Roten Todes“, schreibt eine Harfe und ein Streichquartett vor. Caplet war einer der engsten Freunde und Mitarbeiter Claude Debussys, das Stück verdankt seine Beliebtheit den „gruseligen“, quasi filmreifen Effekten.
Dem israelischen Harfenisten und Berliner Professor Sivan Magen, erklären die Schmidts, seien sie zum ersten Mal auf dem Kammermusikfestival in Kuhmo/Finnland begegnet. Generell engagieren sie ihre Gastkünstlerinnen und -künstler aus einen weitreichenden, internationalen Kreis von Bekannten. Der Pianist Oliver Triendl hat 2025 sowohl den Preis für „special achievement“ der International Classical Music Awards als auch den „Opus Klassik“ ergattert.
Beim Eröffnungskonzert am 3. Juni im Hambacher Schloss präsentiert er Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 gemeinsam mit den Gastgebern. Der Abend schließt mit einem ausgesprochen „bunten“ Höhepunkt: dem „Septett Militaire“ in C-Dur, op. 114 des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel, komponiert für Flöte, Klarinette, Trompete, Violine, Violoncello, Kontrabass und Klavier im Jahr 1832. Am Kontrabass wird das Mandelring Quartett in diesem Jahr durch den Mainzer Jens Weeser verstärkt. Der aus der Südwestpfalz stammende Flötist Pirmin Grehl, Laureat zahlreicher Wettbewerbe, bekleidet Professuren in Luzern und Karlsruhe. Die spanische Klarinettistin Laura Ruiz Ferreres unterrichtet bereits seit 2011 als Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in Frankfurt.
Auch Harpo Marx ging bei ihr in die Schule
Der Nachmittag des 4. Juni im Hambacher Weingut Naegele steht mit dem Motto „à la française“ gleichsam unter der Patenschaft Claude Debussys. Neben dessen berühmter Sonate für Flöte, Viola und Harfe und dem „Danse sacrée et profane“ für Harfe und Streichquintett werden zwei Werke der hierzulande kaum bekannten Komponistin Henriette Renié (1875-1956) erklingen. Sie wurde zu Lebzeiten primär als Harfenistin geschätzt. Zu ihren Schülern gehörte skurrilerweise sogar der Komiker Harpo Marx von den „Marx Brothers“. Sowohl Debussy als auch Maurice Ravel pflegten mit ihr Kontakt.
Den wohl sichtbarsten „ungewohnten“ Aspekt des Kammermusikfestivals liefert das „Stuttgarter Posaunen Consort“ unter der Leitung des gebürtigen Neustadters Henning Wiegräbe, Professor an der Musikhochschule der baden-württembergischen Hauptstadt. Das Publikum werde wahrscheinlich überrascht sein, wie viel an Facetten sich hinter diesem homogenen Klangkörper verbirgt, betont Bernhard Schmidt. Am Abend des 5. Juni 2026 in der Hambacher Pfarrkirche St. Jakobus konzertieren Wiegräbe und der Solotrompeter des SWR-Symphonieorchesters, Jörge Becker, u. a. gemeinsam mit dem Neustadter Bezirkskantor Simon Reichert an Orgel und Cembalo. Das Konzertmotto „Vielfalt der Farben“ steht nicht nur für unterschiedliche Besetzungen, sondern auch für den historischen Bogen, den das Programm vom Barock bis in die Moderne spannt.
Nicht nur ein „ethnisches“ Profil – etwa in Manuel de Falla „Suite populaire espagnole“ für Violine und Harfe – kennzeichnet das Festival 2026. Auch die Musik der Gegenwart ist vielseitig vertreten. So konzentriert sich das Programm „Around the World“ des „Stuttgarter Posaunen Consorts“ am Nachmittag des 6. Juni im Weingut Naegele auf Werke des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Abschlusskonzert am 7. Juni im Saalbau bringt neben Sergej Prokofjews, vom Klezmer inspirierter „Ouvertüre über hebräische Themen“ op. 34 für Klarinette, Klavier und Streichquartett auch das Quintett für Flöte, Harfe und Streichtrio op. 139 des 1959 geborenen Zeitgenossen Stefan Heucke. Dessen Name ist in Neustadt durchaus ein Begriff, schließlich war das „Mandelring Quartett“ im November 2024 im Saalbau gemeinsam mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz an einer Wiederaufführung von Heuckes „Metamorphosen eines Satzes von Schubert“ beteiligt.
Ohne viele Unterstützer im Hintergrund ginge gar nichts
Auch in diesem Jahr wird beim Podium „Junge Bühne“ am 4, Juni in der Sektkellerei Heim der musikalische Nachwuchs gefördert. Beim „Limes Quintett“ handelt es sich um ein Bläserquintett aus jungen Studierenden, die 2020 beim Meisterkurs „Epoche F“ des Frankfurter „Ensembles Modern“ erstmals aufeinandertrafen. Last but not least, verdankt das Hambacher Musikfest seine Kontinuität einer umfangreichen Förderung – von der Unterstützung durch die Stadt Neustadt bis hin zum Kultursommer Rheinland-Pfalz, zahlreichen Weingütern und Unternehmen sowie all den Privatpersonen, die die Gastkünstlerinnen und -künstler bei sich aufnehmen.
Noch Fragen?
Das Hambacher Musikfest 2026 findet vom 3. bis 7. Juni statt und bietet acht Konzerte an fünf Tagen und sechs verschiedenen Spielorten in Hambach (Schloss, Pfarrkirche St. Jakobus, Weingüter Naegele und Müller-Kern) und der Neustadter Kernstadt (Saalbau, Sektkellerei Heim). Weitere Infos und Karten unter www.hambachermusikfest.de.