Deidesheim / Maikammer
„Sliwowitz im Schoppeglas“: Pfälzer Sitcom soll fortgesetzt werden
Das Publikum hat das Experiment angenommen: Über 500 Tickets wurden verkauft, viele für Familien, und so schätzt Theaterleiter Boris Stijelja, dass um die 1300 Menschen die ersten drei Folgen von „Sliwowitz im Schoppeglas“ am Sonntag am heimischen Endgerät gesehen haben. Damit wurden die Produktionskosten eingespielt, die durch den technischen Aufwand schon relativ hoch lagen. Aber mit diesem Ergebnis sei er schon zufrieden, sagt Stijelja.
Er ist stolz auf sein Team. Der Stream startete wegen technischer Probleme zwar etwas verzögert. Die Aufzeichnung ist aber weiter zu sehen, und die Ticketkäufer sollen auch noch mal darauf hingewiesen werden. Die Leute, die es gesehen haben, hätten begeisterte Rückmeldungen gegeben, freut sich Stijelja. Und er ist stolz darauf, eine ganz neue Produktion eigens für den Stream auf die Beine gestellt zu haben. Das Stück ist auf Fortsetzungen angelegt, die sollen auch kommen, sagt er.
Die werden dann an das anknüpfen, was in den ersten Folgen geschah. Die Ausgangslage ist klar: Das Weingut läuft nicht so richtig gut und Tobias Schollinger (Tim Poschmann) ist finanziell meistens etwas klamm. Wie schön, dass ihm seine Tante ein kleines Erbe hinterlässt. Doch daran ist die Bedingung geknüpft, dass er sich um ihr Kind kümmert. Nichtsahnend akzeptiert Schollinger und erwartet ein Baby. Er staunt nicht schlecht, als ein junger Mann, Mittdreißiger wie er selbst, bei ihm eintrifft. Sein Cousin Ninoslav (Boris Stijelja) ist von seiner neuen Heimat im Weingut gleich begeistert – Schollingers Freude hält sich dagegen in Grenzen.
Waltraud und Mariechen geben richtig Vollgas
Ninoslav ist von sich selber sehr überzeugt. „Wir Kroaten kennen alle Tricks“, erklärt er seinem Winzer-Cousin und entwickelt auch gleich Pläne, das Weingut und den Weinverkauf so richtig voranzubringen. Angeblich habe er nämlich in Kroatien die besten Restaurants und Hotels beraten. Schollinger will derweil ein bisschen technisch nachrüsten und bestellt sich einen gebrauchten Tablet-Computer. Es klingelt an der Tür, und herein kommen die Verkäuferinnen, nämlich Waltraud und Mariechen, die beiden schrägen alten Schachteln, die das fränkische Komiker-Duo Volker Heißmann und Martin Rassau bekannt gemacht haben.
Sie sind als Stargäste der ersten beiden Folgen eigens in die Pfalz gekommen. Und die beiden geben auch gleich Vollgas: Mit ihren gewohnten Grimassen, ihrer Dynamik und ihrem Tempo dominieren sie jede Szene. Natürlich bringen sie jede Menge Missverständnisse, Begriffsstutzigkeiten und ähnlich typische Boulevardtheater-Elemente mit. Was Waltraud und Mariechen nicht mitbringen, ist das erhoffte Gerät, aber das war ja schon klar, als die Tür aufging. Weitere Gäste sind Dieter und Amanda Zwingenberger (Stefan Beyer und Jutta Barie-Scholl), die Ninoslav in einem eher zwielichtigen Etablissement entdeckt hat und die nach seinen Vorstellungen Küche und Service in der Weinstube Schollinger leiten sollen. Dass der künftige Koch sich in erster Linie auf die Mikrowelle verlässt und Stammkunde bei einem Lieferservice ist, gibt Winzer Tobias allerdings zu denken.
Die totale Stille nach jedem Gag irritiert etwas
Die ersten Folgen wurden im Bürgerhaus Maikammer gedreht, Regie hat Uwe von Grumbkow geführt, ein erfahrener Mann, der regelmäßig am Oststadttheater Mannheim und am Zimmertheater Speyer arbeitet. Geschrieben hat das Stück Stephan Braun, der unter anderem für Alice Hoffmann (Vanessa Backes), Angela Fischer und das SWR-Fernsehen Texte macht. Ins Bild gesetzt, aufgezeichnet und geschnitten hat das Stück Atrium 8, eine Firma aus Schifferstadt, die auch die Livestreams aus dem Mannheimer „Capitol“ macht.
Technisch ist die Produktion hervorragend, bestes Bild und bester Ton erfreuen die Zuschauer. Was zu Hause am Bildschirm etwas irritiert, ist die fehlende Zuschauerstimmung und die völlige Stille nach jedem Gag. Man merkt: Es ist doch ein Unterschied, ob man alleine vorm Computer sitzt, oder ob man erwartungsfrohe Leute um sich hat, sich mit einem Gläschen Sekt oder einem Viertel Wein in geselliger Runde locker macht und dann mit einem lachbereiten Publikum im Saal sitzt. Auf einmal versteht man, warum es üblicherweise eingespielte Lacher bei Fernseh-Sitcoms gibt.
Ohne Lacher merkt man auch stärker, wenn Gags mal eher mild lustig sind. Für die Theaterschauspieler muss es hart sein, ohne Publikum zu agieren. Tatsächlich merkt man ja manchmal an den Reaktionen, dass die Zuschauer manche Sachen mehr, andere vielleicht weniger lustig finden als man selbst und der Regisseur. „Für Waltraud und Mariechen war das natürlich kein Problem, ich selber habe auch etwas Fernseherfahrung. Tim, Stefan und Jutta mussten sich erst daran gewöhnen“, sagt Stijelja. Aber alle haben Lust, die Geschichte weiter zu spielen. Besonders freut sich der Theaterleiter, dass sich auch Fernseh- und Theaterleute gemeldet haben und sich dadurch neue Perspektiven ergeben. Und damit will sich Stijelja noch intensiv befassen.