Wachenheim
Serenade: Konzert in der Edith-Stein-Kirche
Meistens reicht es völlig aus, die Musik einfach nur zu hören. Denn auf der Bühne passiert oft nicht viel, was den Eindruck der Töne verstärken könnte. Anders ist das bei Auftritten von Laurent Albrecht Breuninger. Der Violinist, als Solist bei weiteren namhaften Veranstaltungen wie dem Schleswig-Holstein Musik-Festival und den Schwetzinger Festspielen gefragt, beeindruckt nicht nur durch seine ausdrucksstarke Mimik. Er geht beim Spielen auch häufig zwischen den Cellistinnen und den Geigerinnen hin und her, kommuniziert so die Einsätze der Gruppen.
Nötig hätte Breuninger, Professor für Kammermusik und Violine an der Musikhochschule Karlsruhe, sein derart expressives Auftreten freilich nicht. Auch wenn der Besucher des Konzerts in der fast voll besetzten Edith-Stein-Kirche die Augen schließt, nimmt er regen Anteil an den Emotionen, die in Joseph Haydns Konzert für Violine und Streichorchester C-Dur Hob VIIa:1 und in Stücken aus George Gershwins Oper Porgy & Bess angelegt sind. Kristallklar und ausdrucksstark ist das Spiel des Solisten, ob es sich nun um atemberaubend schnelle Passagen oder um flüsterleise Abschnitte handelt.
Tolle Akustik
Der Ausnahmegeiger geht dabei nicht den ganz sicheren, risikoscheuen Weg. So spielt Breuninger schnelle Abschnitte mit höchstem Tempo und führt leise Töne so zart aus, dass die Saiten kaum weniger Druck erhalten dürften, um überhaupt noch in Schwingung zu geraten. Wobei darin der besondere Reiz eines Kammerkonzerts wie diesem liegt: Näher kommen die Besucher den Musikern nicht als hier. Zumal bei der tollen Akustik in der Edith-Stein-Kirche die Töne direkt zu deren Ohren dringen und nicht den Umweg über Lautsprecher nehmen müssen.
Schön gestaltet Breuninger die zahlreichen Übergänge zwischen den sehr flotten und den getragenen Passagen in Haydns Violin-Konzert. Und in den Auskopplungen aus Gershwins Oper Porgy & Bess wie „Summertime“, „It ain’t necessarily so“ und „I loves you Porgy“ kommt die melancholische Grundstimmung überzeugend zum Ausdruck. Beim Finale furioso beweist der Solist schließlich Mut, indem er die nun schräge Musik genauso bis in die feinsten Nuancen ausführt wie zuvor die schönsten Harmonien. Die Konzertbesucher applaudieren jedenfalls kräftig und ausdauernd vor der Pause.
Fabelhaftes Zusammenspiel
Für das Impromptu für Streichorchester von Jan Sibelius und Edvard Griegs „Aus Holbergs Zeit“, opus 40, Suite im alten Stil, kommt Breuninger dann wie die Orchestermitglieder ganz schwarz gekleidet auf die Bühne. In Teil eins trat er in grauer Hose, Weste und weißem Hemd auf – und hob sich als Solist so auch optisch von dem Ensemble ab. Das Zusammenspiel der Orchestermusiker mit dem Solisten, die schon mehrmals zusammen aufgetreten sind, ist fabelhaft. Ob am Cello, bei den Violinen und den Bratschen – Hörgenuss ist gegeben. Gut, ein bisschen ausdrucksstärker hätte die eine oder andere Einlage sein können. Doch dienten die weniger emotional berührenden Passagen so dem Atemholen vor dem nächsten Höhenflug. Wobei auch die Zugabe mit „Plink, Plank, Plunk!“ von Leroy Anderson eindeutig dazu zählte.