Neustadt
Schulen: Mit Frischluft gegen Aerosole
Rudolf Eyckmann, Leiter des Leibniz-Gymmnasiums in Neustadt, ist zufrieden. „Die Schüler verhalten sich äußerst diszipliniert“, berichtet er. Dieser Eindruck habe sich nach den Herbstferien sogar verstärkt. Die Masken würden brav getragen. Wie gewünscht, in den Pausen und auf den Gängen. Manche Schüler und Lehrer trügen sie auch freiwillig im Klassenzimmer. Damit kamen sie der Landesverordnung zuvor, welche am Freitag erlassen wurde. Ab Montag besteht in weiterführenden Schulen auch im Unterricht Maskenpflicht.
Was das Lüften angeht: Im Leibniz wird regelmäßig stoßgelüftet. Alle Fenster können komplett geöffnet werden. Das Querlüften mit offenen Türen habe sich dagegen als kontraproduktiv erwiesen, sagt Eyckmann. Denn dadurch gelangten die Aerosole „in den Gang“. Diese Art zu lüften sei nur dann sinnvoll, wenn sich auch auf der gegenüberliegenden Seite Fenster befänden, was im Leibniz-Gymnasium nur im Musiksaal der Fall ist.
IGS Deidesheim mit Lüftungsbeauftragten
Auch an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Deidesheim werden die Lüftungsvorgaben umgesetzt. „Das klappt gut“, berichtet Schulleiter Georg Dumont. Sogenannte Lüftungsbeauftragte in den Klassen sorgen dafür, dass alle 20 Minuten die Fenster aufgerissen werden. In den Pausen werde zusätzlich das ganze Gebäude gelüftet, berichtet der Schulleiter. Den Einsatz von Lüftungsanlagen sieht Dumont kritisch, seien sie doch umstritten. Denn mit der Installation der Geräte allein sei es nicht getan. Regelmäßige Wartung, Filterwechsel – dies alles ziehe „einen Rattenschwanz“ nach der Anschaffung der Geräte hinterher. Abgesehen von den Kosten, die dafür anfielen.
So sei auf der Sitzung des Schulelternbeirates beschlossen worden, von der Anschaffung eines Luftreinigungsgerätes abzusehen und sich stattdessen weiterhin streng an die Lüftungsvorgaben zu halten. Denn, so sagt Dumont, „die Klassen gehen diszipliniert damit um“.
Aerosolen den Kampf angesagt
Ähnliches berichtet auch Eva Hammann, Leiterin der Georg-von-Neumayer Realschule plus in Neustadt. Auch hier wird mit dem Lüften den Aerosolen, über das sich das Coronavirus übertragen soll, Einhalt geboten. Alle 20 Minuten würden die Fenster für drei Minuten weit geöffnet. Die Realschule verfüge über viele Räume mit jeweils vier großen Fenstern sowie über Fachräume mit Türen ins Freie, die sogar Querlüften ermöglichten.
Und wie geht es weiter, wenn es draußen kälter wird? „Wir können die Heizung noch zwei bis drei Grad hochdrehen“, so Hammann. Auf diese Weise sei man auch im Winter gerüstet. Vonseiten der Eltern seien bis jetzt keine Anfragen oder Beschwerden gekommen. Auch ein Luftreinigungsgerät sei kein Thema gewesen.
Einzelne Fenster werden nachgerüstet
Was ist mit den Schulen in der Region, in denen die Fenster nur gekippt werden können und somit Stoß- oder Querlüften nicht möglich ist? Der Landkreis Bad Dürkheim geht dieses Problem in einigen seiner Schulen ganz praktisch an: Er hat nach einer internen Prüfung rund 100 Fenster entdeckt, die sich nur kippen lassen und nun nachgerüstet werden sollen.
Dabei habe es einen Grund, weshalb jene Fenster nicht weit geöffnet werden können, wie es das Land wünscht. Dies siehe die sogenannte Schulbaurahmenrichtlinie vor, wie Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann anmerkt. Zur Sicherheit der Schüler sollen diese nicht komplett geöffnet werden, damit keiner aus dem Fenster fällt. Um die Corona-Vorgaben umsetzen zu können, behilft sich der Kreis DÜW mit einem Kniff.
Fördergeld vom Land investiert
In jedem Raum wird bei Bedarf das Fenster gegenüber der Tür so nachgerüstet, dass es geöffnet werden kann. Dieser Mechanismus ist mit einem Schloss gesichert. Die Lehrkraft stehe so lange dabei, bis das Fenster wieder geschlossen ist. Rund 150.000 Euro lässt sich der Kreis diese Maßnahme kosten. Getragen wird dies unter anderem mit Landesmitteln.