Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Satiriker Sebastian Hotz beim Fest der Demokratie

Ein Post zum Attentat auf den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bescherte Sebastian Hotz eine Anklage. Mit einer
Ein Post zum Attentat auf den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bescherte Sebastian Hotz eine Anklage. Mit einer Pappfigur spielte er bei seinem Besuch in Neustadt darauf an.

Im Rahmen des Fests der Demokratie auf dem Hambacher Schloss stellte Sebastian Hotz seinen aktuellen Roman „Sidekick“ vor.

Die Welt mit der satirischen Brille betrachten – das macht Sebastian Hotz, der als El Hotzo mit seinen humorvollen und satirischen Social-Media-Beiträgen große Bekanntheit erlangt hat. Ein Post zum Attentat auf den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bescherte ihm eine Anklage, vor Gericht wurde er allerdings freigesprochen.

Auf die Lesung in der Pfalz habe er sich schon sehr gefreut, berichtet Hotz, in dessen Freundeskreis sich ein paar Pfälzer und somit Fans des 1. FC Kaiserslautern befinden. Eine Mitteilung, die bei einigen Besuchern direkt auf Zustimmung stößt. „Mit dem FCK kriegt man die Leute“, kommentiert Hotz die begeisterten Jubelrufe, die er gekonnt zu wiederholen weiß, indem er sich „als einer von euch“ outet. Er passe sich stets dem Dialekt der Region an, in der er gerade auftrete. Doch mittlerweile habe das Pfälzische „Ajo“ sein fränkisches „Freilich“ im Alltag verdrängt.

Ehrlicher Einblick in Gerichtsverhandlung

Er macht keinen Hehl aus seiner „zweifelhaften Berühmtheit“, die er durch seinen Prozess im vergangenen Jahr erlangt hat. „Mir ist schon die Düse gegangen“, berichtet Hotz auch über die Angst, die diese Zeit begleitete. So habe er sich beim Anzugkauf etwa nicht getraut, nach einer Beratung zu fragen, weshalb der Anzug auch überhaupt nicht gut gepasst habe. Nach Prozessende sei er sogar von der Presse gefragt worden, ob der zu große Anzug satirisch gemeint war.

Was Satire darf und was nicht, ist ein zentraler Punkt seines Vortrags. Eine Anspielung auf seinen Gerichtsprozess liefert er mit einer Pappfigur von Donald Trump, auf die eine Zuschauerin mit einer Plastikwaffe, die er ihr zuvor gegeben hatte, schießen darf. „Wenn man Witze schreibt, betrachtet man die Welt sehr schnell zynisch“, berichtet Hotz, dem es dadurch schwergefallen sei, Freude in kleinen Dingen zu sehen. Aus diesem Grund habe er sich vorgenommen, ab sofort weniger zynische Betrachtungen vorzunehmen, er wolle nicht ständig „die nächste Pointe jagen“. Seine neue Betrachtungsweise habe ihm beim Freundschaftsspiel von Frankfurt gegen Bergamo zu folgender Erkenntnis gebracht: „Fußballfans sind sehr niedlich.“ Immerhin würden hartgesottene Männer zur gegenseitigen Bekundung ihrer Freundschaft für eine Choreo im Stadion füreinander basteln, was einfach niedlich sei. Vielleicht schaffe er es dank der neuen Sicht auf die Welt auch, „eines Tages ein gutes Gespräch mit einem Rennradfahrer zu führen“.

Ohne Ironie geht’s nicht

So ganz ohne Ironie kann Hotz, der unter anderem für Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ als Gagautor tätig war, einfach nicht. Sein zweiter Roman „Sidekick“ gleicht einer Mediensatire, in der Ähnlichkeiten zu bekannten Personen natürlich rein zufällig sind. Darin blickt Boris als Sidekick seines Chefs auf eine wenig ruhmreiche Karriere als unterlegener Sparringspartner und Trottel vom Dienst zurück – und Hotz hält anhand dessen Lebenslauf der Gesellschaft und den Medien den Spiegel vor. „Wer austeilt, muss auch einstecken können – ich kann beides ganz gut“, sagt Hotz, der sich bewusst ist, dass auch er Gags produziert hat, die andere „vorführen“, und sein Humor nicht bei allen auf Gegenliebe stößt. Er könne sich auch sehr gut vorstellen, sein Alter Ego „El Hotzo“ irgendwann „hinter mir zu lassen. Ein ehrliches Handwerk würde mir gut stehen“, so Hotz. Inwieweit dies ernst gemeint ist, bleibt abzuwarten, denn der satirisch veranlagte Sebastian Hotz kam beim Neustadter Publikum jedenfalls bestens an.

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