Neustadt
Rosemarie Fischer gibt Gärtnerei ab
„Es fühlt sich schon sehr seltsam an“, sagt Rosemarie Fischer. Es sind nur noch wenige Tage, dann endet die Firmengeschichte von Blumen Fischer nach mehr als 120 Jahren. Rosemarie Fischer führt das Geschäft mittlerweile in vierter Generation. Sie selbst war seit 55 Jahren immer für die Kunden da.
„Sieben Tage die Woche, kaum Urlaub“, beschreibt die 69-Jährige ihr Berufsleben. Die Tür hinter sich zu schließen, falle ihr nicht leicht. Mit Wilhelm Frosch Gartenbau aus Neuhofen hat sie einen Nachfolger für den Betrieb gefunden. Frosch wird die Räume pachten. Fischer wohnt neben dem Ladengeschäft und hat ihre Mithilfe in der ersten Zeit zugesagt, sodass der Neubeginn reibungslos verläuft. Für das Unternehmen Frosch ist das Geschäft auf der Landauer Straße der vierte Standort in der Region.
Personal wird übernommen
„Mein Personal wird übernommen. Das ist mir die Hauptsache“, betont Fischer. Zurzeit beschäftige sie zwei Floristen, zwei Aushilfen und ein „Mädchen für alles“, sagt sie. Es gebe noch eine Gärtnerei am Hambacher Kreuz, die im Moment jedoch brachliege. „Die möchte ich ebenfalls verpachten“, erklärt Fischer. Der Warenbestand im Ladenlokal ist noch hoch. Dekoartikel für den Innen- und Außenbereich sind ebenso noch zahlreich vorhanden wie Pflanzen im Klein- und Großformat. Die Auswahl an Schnittblumen ist wie gewohnt üppig. Der Nachfolger übernimmt laut Fischer den Warenbestand und führt die Geschäfte erst einmal auf gewohnte Weise weiter. Ein Umbau sei ihres Wissens zumindest nicht im großen Stil geplant.
Ein wenig wehmütig schaut Rosemarie Fischer auf die Zeit im Familienbetrieb zurück. Ihr Urgroßvater begann mit einem kleinen Pflanzenhandel. Nach dem Krieg folgte der Wiederaufbau – auch für Blumen Fischer. Das Ladengeschäft in der Friedrichstraße wuchs in den 1950er-Jahren stetig. Deshalb wanderte der Firmensitz in die Landauer Straße. Die „Rosenau“-Gärtnerei gehörte zum Betrieb, die auf dem späteren „Bahama“-Gelände angesiedelt war. Ab den 1970er-Jahren war die Gärtnerei am Hambacher Weg, dem sogenannten Hambacher Kreuz. Nach und nach vergrößerte sich die Fläche auf nunmehr 20.000 Quadratmeter. In den vergangenen Jahren jedoch fehlte ein Gärtner für den Gärtnereibetrieb. „Das bringe ich wieder auf Vordermann. Ich habe ab März ja Zeit“, sagt die Floristin.
Veränderungen in der Floristik
Viel hat sich geändert in den vergangenen Jahren – auch der Trend rund um das Thema Floristik. „Heute kaufen Frauen ihre Blumensträuße häufig selbst, die sie früher von den Herren bekamen“, weiß sie aus Erfahrung. Zurzeit seien Schnittblumen in hochwertigen Sträußen gefragt, aber auch elegante Topfpflanzen wie Orchideen zählten zu den beliebten Artikeln. Dekoware hatte ihre Zeit, geht heute aber längst nicht mehr so über den Ladentisch wie noch vor einigen Jahren. „Die für uns besten Jahre waren die 1980er- und 1990er-Jahre. Manchmal kamen wir erst spät abends hundemüde aus dem Laden“, erzählt sie. Es war unter anderem die Zeit der großen Feiern und Veranstaltungen, in denen üppige Floristik zur Ausstattung gehörte.
Aber Rosemarie Fischer erinnert sich auch an Zeiten, in denen ihre Mutter 2,50 Mark als Tageseinnahme zählte. Auch das gehört zur Geschichte dazu. „Der Blumenladen läuft immer noch sehr, sehr gut“, sagt sie. Auch wenn in der Pandemie die Anzahl der Besucher im nahe gelegenen Krankenhaus fast auf Null gesunken sei und sie daher massive Umsatzeinbrüche habe hinnehmen müssen. Ihre Stammkunden seien ihr im Lockdown, wenn möglich, treu geblieben.
Ausflug nach Spanien
Bis heute stattet Blumen Fischer wichtige Familienereignisse mit Gestecken, Kränzen und Sträußen aus. Regelmäßig beliefert das alteingesessene Geschäft Firmen, Gastronomie und Ladenlokale. Sie selbst berät vor Ort, welche Pflanzen oder Blumen passend und geeignet für die jeweilige Umgebung sind.
Aber am liebsten steht Fischer noch im Laden. Viele ihrer Kunden kennt sie schon jahrelang. Um diese Kontakte trauert sie schon jetzt. Mit einigen hat sich über die Jahre ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.
Was sie nach dem 1. März für sich plane? Sie will das Haus in Ordnung bringen, ebenso wie die Gärtnerei. Fischer besitzt eine kleine Wohnung in Spanien, die sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen habe. Dort will sie in Kürze hinreisen. Ob sie an einem ihrer letzten Tage eine Abschiedsfeier plant? „Ach, ich weiß noch nicht. Ich bin nicht der Typ für Reden, Sektempfänge und Plaudereien am Stehtisch. Da fließen am Ende ja doch nur Tränen …“