Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Radsport: Nick Willner mit Endurorad im Gebirge

Enduro-Disziplin: Wer wie Nick Willner den Berg schnell herunterfahren will, muss vorher nach oben strampeln.
Enduro-Disziplin: Wer wie Nick Willner den Berg schnell herunterfahren will, muss vorher nach oben strampeln.

Nick Willner hat umgesattelt. Vom ultraschnellen Downhill-Bike stieg er vor drei Jahren auf das Enduro-Fahrrad um. In der aktuellen Saison gab es zwar Corona-bedingt kaum Wettkämpfe, doch der 20-jährige Deidesheimer war vorne dabei. Zudem findet er gute Gründe, warum ihm die neue Disziplin viel Spaß bereitet.

Der Deidesheimer Nick Willner stieg aus der Downhill-Szene aus, weil die Abfahrten immer schneller und gefährlicher wurden. Um ganz vorne zu landen, müssen die Fahrer das Denken ausschalten und volles Risiko gehen. Ähnlich wie bei den Ski-Abfahrten zählen Sekundenbruchteile für die Platzierungen. Am erfolgreichsten ist dabei, wer den Faktor „Angst“ vollkommen ausknipst. „Diesen Weg wollte ich nicht gehen. Ich konnte es auch nicht“, betont Willner.

Mit der Enduro-Disziplin hat er jetzt die perfekte Kombination gefunden. Es ist eine Mischung aus dem „Cross Country“, dem Querfeldeinfahren mit dem Mountainbike mit vielen Höhenmetern, und dem schnellen Downhill, den rasanten Abfahrten. Die Fahrer müssen, anders als bei der reinen Rad-Abfahrtsdisziplin, die Höhenmeter selbst überwinden und ihre Kräfte einteilen. Auf 30 bis 50 Kilometern verteilen sich pro Rennen bergauf rund 1000 bis 2000 Höhenmeter. Dazwischen liegen einige schnelle Bergabpassagen, von den Fahrern „Stage“ genannt. Nur die Bergabstrecken werden gestoppt, die Zeiten addiert. Willner erklärt: „Man muss sich also seine Kräfte beim Hochfahren gut einteilen, damit man nicht völlig ausgepowert an die Tempostrecken kommt.“

Chip am Körper

Auch wenn die Strecken nicht mehr so halsbrecherisch gefährlich sind wie bei der reinen Abfahrt, sind doch Konzentration, Kraft und Können erforderlich. Wer dann schon von der Bergauffahrt völlig überdreht ist, kann die technisch anspruchsvollen Abfahrten nicht meistern. Die Zeitnahme erfolgt dabei über einen Chip am Körper, der beim jeweiligen Start des Rennabschnitts und der Zieldurchfahrt die Zeit stoppt.

Willner ist fasziniert von den Strecken. Er schwärmt von alpinen Wanderwegen mit Steinen und Wurzeln oder einem weiten offenen Gelände, in dem sich der Fahrer die idealen Linien suchen muss. Dann folgen extrem enge Kurven. Oft wird das Tempo aus einem vorhergehenden Sprung mitgenommen. Willner: „Man muss immer konzentriert bleiben, sich ständig auf neue Situationen einstellen.“

Training im Taunus

Dabei ist es von Wettbewerb zu Wettbewerb unterschiedlich, ob man die Strecke vorher einmal mit dem Fahrrad „besichtigen“ und sich so die wichtigen Punkte einprägen kann. Oft muss sich Willner auf seinen Instinkt verlassen. Das hilft ihm auch bei einem Sturz. Er hat nicht gezählt, wie oft es ihn komplett aus dem Sattel geworfen hat. „Bestimmt über 100-mal“, schätzt er. Doch das passiert meist im Training, wenn er neue Techniken ausprobiert oder die Hindernisse auf verschiedene Arten zu meistern versucht. Richtig schwer verletzt hat er sich dabei selten. Eine Verletzung hinderte ihn im Winter 2018/2019 am richtigen Training. „Da war das Kahnbein, ein zentraler Knochen am Handgelenk, gebrochen. Aber ich wusste gar nicht, wann es geschehen ist. Ich merkte nur, dass die Beschwerden immer stärker wurden“, erzählt er. Dabei wirkt er in voller Ausrüstung wie ein moderner Ritter, der auf einem Hightech-Pferd durch die Berge rast. Das Enduro-Fahrrad ist mit 15 Kilogramm zwei Kilo leichter als die Downhill-Maschine.

Willner trainiert inzwischen auf offiziellen Mountainbike-Strecken im Taunus. Er studiert in Kronberg (Taunus) beim Onlineversand „Hibike“ Sportökonomie im dualen Studium. Die Firma war schon vorher sein Sponsor, und so verbindet er optimal Hobby und Beruf.

Erfolg in Südtirol

Auf seinen Trainingsstrecken gibt es so auch kein Konfliktpotenzial mit Wanderern. Das sei im Pfälzerwald nicht immer so, weiß er. Wobei er selbst noch nie Probleme bekommen habe. Er trainierte vor seinem Studium in der Pfalz zu Zeiten und auf Strecken, wo kaum Passanten unterwegs waren. Es komme ganz darauf an, wie man sich den Wanderern gegenüber verhalte, betont er. Dazu gehöre nett zu grüßen, anzuhalten und nicht im hohen Tempo aus dem Sattel gehend vorbeizurasen. Auch der Naturschutz gehört zu Willners Anspruch an einen sauberen Sport. Er kennt viele Regeln, wie bremsen ohne Spuren zu hinterlassen, ausgefahrene Stellen zu meiden und keine neuen „Linien“, also Pfade, in den Wald hineinzuschneisen. Als Mountainbike-Fahrtechniktrainer habe er auch eine Vorbildfunktion, betont er.

Seinen Erfolg in Südtirol feierte er mit seinem österreichischen Trainer Marcel Frey. Sie fuhren zusammen das gesamte Rennen, motivierten sich bei den Bergauffahrten und rasten mit einem Sicherheitsabstand von rund zehn Metern die Abfahrten hinunter. Dabei war Willner der Tippgeber für den Trainer und rief vom Hinterrad aus, wie die Hindernisse und Kurven zu nehmen sind. Diese Taktik ging auf, und so siegten sie unter 20 Teams. Bei der dreiteiligen Trailtrophy und Platz zwei für Willner waren insgesamt rund 200 Starter dabei, doch nicht alle kamen in die Endwertung. Jetzt hofft der Pfälzer auf mehr Rennen 2021. Denn für ihn ist der Sport mehr als nur Bewegung unter einem hohen Leistungsgedanken. „Vom Spaßfaktor und dem Erlebnis ist Enduro das Größte, was man mit dem Mountainbike machen kann. Man sieht dabei die Natur. Das ist weit mehr, als nur Rennen fahren“, schwärmt er von seinem Sport.

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