Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Philip Bradatsch im „Soku“: Schöne Grüße aus den Siebzigern

Stand allein und nur mit seiner Gitarre auf der Bühne in Neustadt: Philip Bradatsch.
Stand allein und nur mit seiner Gitarre auf der Bühne in Neustadt: Philip Bradatsch.

Mit dem Auftritt des Sängers und Gitarristen Philip Bradatsch ist die neue Konzertreihe im Neustadter Kulturtreff „Soku“ gestartet.

Christoph Schmid, der in der „Soku“ ehrenamtlich für die Künstlerbuchungen zuständig ist, hatte im Vorfeld erklärt, bei der Auswahl der Bands und Solisten sein Augenmerk vornehmlich auf stilistische Vielfalt zu legen. Damit erhoffe er sich, besonders junge Leute begeistern zu können. Fest steht jetzt schon, dass demnächst auch Rapper und Hip-Hopper in der ehemaligen „Suite“ ihre Chance bekommen.

Der aus Kaufbeuren im Allgäu stammende und heute in München lebende Philip Bradatsch, Jahrgang 1985, vertritt das Singer-Songwriter-Genre. 2015 veröffentlichte der Indie-Musiker mit „When I’m Cruel“ sein Debütalbum. Dem Nachfolger „Ghost On A String“, 2018, ließ er mit „Jesus von Haidhausen“ und „Die Bar zur guten Hoffnung“ zwei deutschsprachige Langspielplatten folgen. Sein aktuelles Werk „Philip Bradatsch“ entstand im Nachklang der Coronazeit und enthält ebenfalls nur Lieder in seiner Muttersprache. Im Unterschied zu den vorherigen Alben, auf denen er sich von seiner Band Cola Rum Boys unterstützen ließ, ist diese Scheibe ein Soloalbum, auf dem sich der Bayer nur mit der Akustikgitarre begleitet.

Corona und die Folgen

Entstanden ist sie, nachdem das Studio eines befreundeten Produzenten Opfer einer Explosion geworden war. Um ihn zu unterstützen, bot Bradatsch an, die Platte aus übrig gebliebenen Fördergeldern für einen Neustart nach Covid zu finanzieren und zusammen aufzunehmen. „Corona hat vieles durcheinander gewirbelt“, berichtet Bradatsch, „vorher war ich fast ausschließlich mit meiner Band unterwegs und habe meist auf der E-Gitarre gespielt, jetzt trete ich verstärkt solo und mit Akustikgitarre auf.“ So auch in Neustadt. Die neue Rolle steht ihm aber. Bradatsch ist sicher kein einfacher Mensch. Auch abseits der Bühne gibt er sich introvertiert und nachdenklich. Zu seinen Texten mag er keine Erklärungen geben: „Jeder soll hineininterpretieren, was er möchte, ich halte mich da raus.“ In der Nummer „Alte Gebäude“ wird er dazu noch deutlicher. „Ich will lieber schweigen als mich ewig zu erklären“, singt er da.

Bradatsch hat einen spürbaren Hang zu bekannten Singer-Songwritern aus den Siebzigern. Wer sich seinen Liedern aufmerksam widmet, hört sie irgendwann alle heraus – Jim Croce, Billy Joel, Tom Waits. Ihm ist das vielleicht gar nicht bewusst. Er kopiert nicht, kann aber die Inspiration, die sie ihm gegeben haben, nicht verleugnen. Mit Mütze und Schnurrbart ähnelt er optisch dem amerikanischen Protestsänger Tom Paxton, seine Gitarre spielt er wie Hannes Wader. Philip Bradatsch ist die Inkarnation der größten Folkmusiker vergangener Tage. Aber auch im Countryrock fühlt er sich zu Hause, wie er mit „Down By The Gallows“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Auffällig wird außerdem immer wieder, was für ein hervorragender Gitarrist er ist. „Wenn ich mit der Band auftrete sind die Soundmöglichkeiten natürlich umfangreicher. Als Solist sehe ich mich daher gezwungen, nicht nur Akkorde auf der Gitarre zu spielen, sondern das Ganze auch noch ein bisschen zu verzieren, um keine Langeweile aufkommen zu lassen“, meint er dazu bescheiden.

Spontane Setlist

Einem vorher festgelegten Programmfahrplan folgt Bradatsch bei der Auswahl seiner Lieder nicht. Gespielt wird, was gerade zur Stimmung passt. In der „Soku“ sind das hauptsächlich Stücke aus seinen ersten beiden Alben, darunter die Titelsongs „When I’m Cruel“ und „Ghost On A String“, aber auch wunderbar melodische Nummern wie „Radiator“, „Outsiders“ oder das großartige „This Time Around“. Von seinen deutschsprachig verfassten Werken präsentiert er unter anderem „(Ich weiß wirklich überhaupt nicht) Was du überhaupt noch von mir willst“, „Chantal Kiesinger“, „Herzen ausgebombt“ oder „Bar zur guten Hoffnung“, das er mit dem „Satisfaction“-Riff der Rolling Stones unterlegt.

„Kriege“ eröffnet er mit einer Einleitung auf der Gitarre, die seine Klasse auf dem Instrument bestätigt. Es handelte sich dabei eigentlich um ein separates Instrumentalstück, das allerdings noch keinen Namen hat und sich einfach gut als Intro eignet. Nicht nur dafür hätte Philip Bradatsch wahrhaft mehr Beachtung verdient gehabt. Bei der Besucherzahl war, gelinde gesagt, noch Luft nach oben.

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