Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzische Kurrende feiert Jubiläum in der Pauluskirche

Aus ganz Deutschland waren ehemalige Sängerinnen angereist, um an dem Jubiläumskonzert teilzunehmen.
Aus ganz Deutschland waren ehemalige Sängerinnen angereist, um an dem Jubiläumskonzert teilzunehmen.

Mit einem beispiellos schönen Konzertabend in der voll besetzten Hambacher Pauluskirche beging die „Pfälzische Kurrende“ ihr 40-jähriges Bestehen.

Mit den Proben zur Aufführung des „War Requiem“ von Benjamin Britten in der Speyerer Gedächtniskirche schlug einst die Geburtsstunde der „Pfälzischen Kurrende“. Was die junge Kantorin Carola Bischoff damals losgetreten und fortan mit ihrem Vermögen, junge Stimmen zu formen, Gestaltungskräfte freizusetzen und lustvoll aufs brillante Musizieren zu fokussieren zur Ensemblekunst auf höchsten Niveau erhoben hat, mündete geradezu zwangsläufig in eine beispiellose Erfolgsgeschichte.

Die Metamorphose vom Kinder- zum Jugend- und schließlich jungen weiblichen Kammerchor vollzog sich nahezu unmerklich, aber das unverwechselbare klangliche Profil schärfte sich rasant; bald heimste das Ensemble Preise bei Bundes- und internationalen Wettbewerben ein, avancierte zum musikalischen Partner literarischer Abende mit Schauspielstars, wurde auf Festivals eingeladen. Und bereiste mit seinem breitaufgestellten Repertoire die Welt.

Neustadter Herbst

Und diese wunderbare Weltläufigkeit spiegelte das Jubiläumsprogramm auf ganz eindrückliche Weise wider. Die drei Eingangswerke, „Ave Generosa“ 1975 von Ola Gjelo, auf einen Text von Hildegard von Bingen vertont, sowie zwei Madrigale von Giovanni da Palestrina und Jacobus Gallus, verorteten das Ensemble zunächst nachdrücklich in seinem ureigenen Metier, der Kirchenmusik.

Mit dem „Gloria“ (RV 589) von Antonio Vivaldi gelang auch der Schulterschluss mit dem einrahmenden „Neustadter Herbst“. Das normalerweise in üblicher Chorbesetzung musizierte Werk nämlich war mutmaßlich für den Mädchenchor des Waisenhauses in Venedig, an dem Vivaldi unterrichtete, komponiert. Und so wie jetzt in Hambach, begleitet von Mitgliedern des fabelhaften Kammerensembles 1800 auf seinen historischen Instrumenten, mochte es vielleicht geklungen haben.

Dass Carola Bischoff auch die Solo-Nummern aus der jeweiligen Register-Gruppe rekrutierte oder im Duo vorstellte, war durchaus folgerichtig. So mochte es auch Vivaldi gehandhabt haben. Und die jeweiligen Besetzungen meisterten ihre Parts ungeachtet der entlarvend trocknen Raumakustik bravourös. Berückend einfühlsam akkompagnierte das Instrumentalensemble gemeinsam mit dem Cembalisten Daniel Kaiser. Überhaupt – es war ein riesiges Familientreffen, dieses Konzert. Ehemalige Kurrende-Sängerinnen waren aus Dresden, Berlin, Freiburg oder Frankfurt angereist. Carola Bischoff hatte sie im zweiten Teil des Abends in jene Kompositionen integriert, die sie aus ihrer Kurrende-Zeit noch perfekt, teils auswendig, abrufen konnten.

China-Reise und Island-Tournee

Und das zeigte eindrücklich, wie tiefgreifend Carola Bischoff ihren musikalischen Prägestempel bei jeder Einzelnen verankert hatte. Die Damen gesellten sich wie selbstverständlich der aktuellen Besetzung zu. Und der Klang mischte sich, wurde allenfalls etwas üppiger. Aber alle Tugenden der Transparenz, rhythmischen Präzision, des dynamischen Atems, der sauberen Phrasierung blieben unangetastet präsent, versammelten sich zu einem Ensembleklang von geradezu überirdischer Schönheit.

Von der China-Reise hatte das Ensemble das Chinese Poem von Colin Mawby sowie das Volkslied „Jasmin Blüte“ aus dem Jahr 1957 mitgebracht. Und auch die letztjährige Island-Tournee hatte Souvenirs im musikalischen Gepäck verankert in Form zweier bilderreicher, sehr nordisch melancholisch anmutender Chorsätze – dem anrührenden Gebet „Heyr himnansmidur“ und einen auf Vokalisen gesungenen Hymnus aus dem Jahr 1964, bei dem Peter Tilling mit einem teils pulsierenden, teils elegischen Cello-Solo einen kurzen Auftritt als fabelhafter Dialogpartner hatte.

Exaltiert und ausgelassen

Eine Besonderheit der „Pfälzischen Kurrende“ und über Jahre Alleinstellungsmerkmal – längst vielfach nachgeahmt - ist die Art der Kontaktaufnahme mit dem Publikum. Immer schon schult Carola Bischoff ihre Truppe auch hinsichtlich Mimik und Gestik, da wo es eben angebracht ist. Etwa bei den geistvoll witzigen Arrangements zum „Adligen Fräulein Kunigund“ und dem flockigen Schlager „Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehen“ von Gunther Martin Göttsche. Da werden schon mal Requisiten bemüht, die Sonnenhüte, Badehosen, Handtücher geschwenkt. Da wird gestikuliert, sich vor Lachen gebogen, da darf es exaltiert und ausgelassen werden auf dem Podium – rund um unvermindert akkurate stimmliche Präsenz und melodiöses Geplauder. An anderer Stelle werden Wassergläser zu Glasharfen, erheben sich Vogelstimmen, Käuzchenrufe. Welch ein Abend!

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