Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Oldtimer-Weinrallye: Benzingeruch und Retro-Sound

Himmelblauer Hingucker: der 1930 gebaute Salmson S4 Spezial mit 52 PS und 1600 Kubikzentimetern Hubraum, gesteuert von Reinhold
Himmelblauer Hingucker: der 1930 gebaute Salmson S4 Spezial mit 52 PS und 1600 Kubikzentimetern Hubraum, gesteuert von Reinhold Link aus Kapellen-Drusweiler.

Maikammers Ortskern glich am Samstag einem Oldtimermuseum. Zur 24. Internationalen Weinrallye für Veteranenfahrzeuge starteten 190 historische Autos und 50 Motorräder zur Tour durch die Südpfalz. Am Nachmittag präsentierten sie sich stolz dem wartenden Publikum in Maikammer. Warum die historischen Fahrzeuge ihren Reiz nicht verlieren.

Um 9 Uhr begann die Ausfahrt auf dem Rundkurs durch die Südpfalz. Schon sehr gut besucht sei der Start gewesen, sagt Wolfgang Weigelt vom Automobil-Club Maikammer (ACM). Auf die Rückkehr der Oldtimer-Parade warteten unzählige Interessierte. Um 15.40 Uhr fuhr das erste Fahrzeug wieder in Maikammer über die Ziellinie: ein Chevrolet AE Independence, Baujahr 1931, von Robert Braun aus Haßloch. Auf dem Rücksitz saßen Noch-Bürgermeister Karl Schäfer mit seiner Frau auf ihrer halboffiziellen letzten Tour.

Rund 190 Wagen und circa 50 Motorräder waren am Samstag unterwegs. Das älteste Auto stammt aus dem Jahr 1920, das älteste Motorrad der Rallye wurde 1923 gebaut. Weigelt besprach mit Sachverstand und detailliert alle Fahrzeuge, kannte ihre Besonderheiten, wusste über den Lack zu berichten, teilte den ursprünglichen Preis dem Publikum mit und erklärte die Sonderanfertigungen.

„Großer Werkmeister“ und „Funkstreife Isar 12“

Der Rover P2 Special, Baujahr 1938, von Martin Zondler aus Philippsburg ist eine solche nach alten Skizzen als Rennwagen aufgebaute Sonderanfertigung. Ein weiteres Einzelfahrzeug auf der Strecke ist der BMW-Rennsportwagen „Großer Werkmeister“, Baujahr 1952, von Ulrich Detscher aus Großdettingen, der sogar die legendäre Formel II gefahren ist. Der weiße BMW 502 L, Baujahr 1955, von Peter Koch aus Brake blieb als „Funkstreife Isar 12“ im allgemeinen Gedächtnis. Auch warum die 1956 gebaute Opel Olympia Rekord 55 Cabrio-Limousine von Klaus Kunz aus Erkrath kein wirkliches Cabrio ist, wusste Weigelt zu erklären: Bei dem seltenen Auto konnte nämlich nur das Dach zurückgeklappt werden.

Traumhaft schönes Cabrio: Adler Trumpf RS 2 Liter, Baujahr 1933, mit Heinz Wimmer aus Monschau am Steuer.
Traumhaft schönes Cabrio: Adler Trumpf RS 2 Liter, Baujahr 1933, mit Heinz Wimmer aus Monschau am Steuer.

Die liebevoll gepflegten historischen Autos stammen aus einer Zeit, in der Eleganz weit vor der Sorge um Luftwiderstand lag. Wahre Schätzchen passierten die staunenden Zuschauer. Die wertvollsten Wagen unter ihnen lagen in einer Preisregion von etwa 1,5 Millionen Euro. „Es ist schon etwas Besonderes, dass diese Teilnehmer ihre Wagen auf die Straße bringen und der Öffentlichkeit präsentieren. Es sind Liebhaberstücke, die jedoch nicht nur in Museen oder im Privatbesitz unter Verschluss gehalten werden“, erklärte Weigelt. Schließlich sei eine solche Ausfahrt auch immer mit Risiken wie Steinschlag oder gar Unfall verbunden.

Die Teilnehmer der Internationalen Weinrallye, von denen einige seit Jahren schon mitfahren, kamen aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich. Je nach Anfahrt reisten sie mit ihren historischen Fahrzeugen auf Hängern in die Pfalz. Weigelt weiß, dass es nur wenig Spaß macht, mit Vor-Kriegsfahrzeugen auf der Autobahn zu fahren. Sie nahmen die Gelegenheit wahr, die Pfalz in einem Kurzurlaub zu erkunden. Manche waren bereits am Mittwoch angereist. Dann mit großem Gespann aus Wohnmobil plus Hänger.

In Oldtimer-Kreisen geht es familiär zu

Familiär geht es zu in den Oldtimer-Kreisen. „Wenn kurzfristig eine Reparatur ansteht, dann helfen sich die Teams gegenseitig“, so Weigelt. So seien schon viele Freundschaften geschlossen worden.

Weigelt kam 2006 in die Pfalz, trat ein Jahr später dem ACM bei und engagierte sich sofort. Er war Vorstandsmitglied und ist heute noch in die Organisation der drei internen ACM-Fahrten involviert. Im Sommer ist eine dreitägige Tour durch den Hunsrück, das Saarland, Lothringen und Luxemburg geplant. „Nicht nur das gemeinsame Fahren macht Spaß, sondern auch das touristische Programm kommt immer gut an“, sagte er. Was ihm weniger Freude bereitet, sind die Schwierigkeiten, in die Ortschaften hineinfahren zu können. Man sei aus verkehrspolitischen Aspekten nicht mehr erwünscht.

Doch in Maikammer war davon nichts zu spüren. Extra waren einige Interessierte angereist. So auch Heike und Paul Klein aus Pirmasens. Historische Fahrzeuge haben es den beiden angetan. „Unser Auto ist noch zu jung. Aber nicht mehr lange“, sagte er und verwies auf seinen Mercedes SLK aus dem Jahr 2002. „Bis zu den erforderlichen 25 Jahren, um es einen Oldtimer nennen zu dürfen, dauert es nicht mehr lange.“

Benzingeruch lag in der Luft, als die Fahrzeuge die Bühne und die Zuschauer in Maikammer passierten. Und wenn dann doch ein Motorrad nach der Passage wieder aufdrehte und sein typischer Retrosound ertönte, so ist das Musik in den Ohren vieler Oldtimer-Fans.

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