Handball
Oberliga-Frauen der TSG Haßloch ohne Biss, aber mit viel Selbstgebackenem
„Die wollten’s mehr.“ Marc-Robin Eisel, Trainer der Haßlocher Oberliga-Handballerinnen, spricht den entscheidenden Faktor an, warum der Gast SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam die TSG Haßloch im Endeffekt ungefährdet mit 30:24 (14:12) besiegt. Enttäuscht sitzt er nach dem Spiel mit dem zweiten Haßlocher Coach Benedikt Hettich zusammen. Beide versuchen, die schwache TSG-Vorstellung zu verarbeiten. „Verschlafen. Die einfachsten Situationen verpennt. Die Abwehr. Der Kopf.“ Eisel listet niedergeschlagen die Gründe für das Scheitern der TSG gegen einen in Angriff und vor allem in der Abwehr bissig wie aggressiv agierenden Gast. Hettich ergänzt: „Auf jeder Position war die Leistung zu wenig.“
Vor 250 Zuschauern laufen die Haßlocherinnen von Beginn an einem Rückstand hinterher, bekommen fast nie die wurfstarke SG-Rückraumspielerin Larissa Freund in den Griff. Sie trifft insgesamt siebenmal. Oder glänzt mit Anspielen an den Kreis: Meike Silaghi erzielt das 3:2 (6.).
Gute Gästetorhüter
Von Anfang an tut sich die TSG zudem schwer gegen SG-Torfrau Catherine Borger, die das Torhüter-Duell klar für sich entscheidet. Erst pariert sie den Wurf aus der Rückraummitte von Katharina Scheid. Dann ist sie beim Nachwurf von Julia Spieß mit dem linken Fuß zur Stelle (7.). Und Borgers Torfraukollegin Linda Schmidt schafft es gar, einen schlecht geworfenen Siebenmeter von Lucie Krein zu meistern, indem sie schnell auf den Boden geht und sich auf den Ball setzt (47.). „Die wusste gar nicht, wie sie den Ball gehalten hat“, sagt Hettich zu dieser Situation. Einen Strafwurf von Ina Bühl pariert Schmidt mit dem rechten Fuß (56.).
Im Pfalzderby kämpfen sich die Haßlocherinnen nur in Hälfte eins zurück. Linksaußen Imke Paul verkürzt auf 5:6 (12.), 6:7 (14.) und 7:8 (16.). Mona Illy ist die einzige im TSG-Rückraum, die mit hohem Tempo das SG-Tor ansteuert. Sie verkürzt auf 4:5 (11.), gleicht zum 8:8 aus (17.) und bringt Haßloch sogar mit 10:8 in Führung. „Fünf gute Minuten pro Hälfte reichen aber nicht“, stellt Hettich klar. „In der zweiten Hälfte hatten wir keine guten fünf Minuten“, ergänzt Eisel.
Kein Aufbäumen
In der zweiten Hälfte bäumen sich die Gastgeber nie gegen eine immer selbstbewusster auftretende SG auf. „Mädels, ihr müsst kämpfen – das ist nichts“, ruft ein frustrierter TSG-Fan aufs Spielfeld, als die TSG im Angriff den Ball verliert. Schnell wirft sich eine Gästespielerin auf das am Boden liegende Spielgerät, während die Haßlocherinnen nur zuschauen (38.).
SG-Spielmacherin Lisa Motz, die in der vergangenen Runde noch das Haßlocher Trikot getragen hat, wunder sich ein bisschen ob des TSG-Auftritts: „Ich dachte eher, dass es bis zum Schluss eng ist.“ Sie sei vor der Partie so nervös gewesen, dass „ich am Morgen kaum was habe essen können“. Ihr Trainer Christoph Morio
Aggressive SG-Abwehr
hatte vorher gesagt, „dass es nur über Emotionen geht“. Und die zeigen seine Spielerinnen, die sich immer wieder lautstark gegenseitig anfeuern. Er hat sein Team mit einer offensiven 6:0-Abwehr auftreten lassen. „Und da haben wir uns richtig reingekämpft.“ Motz bestätigt dies: „Unsere Aggressivität in der Abwehr hat den Haßlocherinnen nicht gepasst.“
Lebkuchen-Handballer
Einen Erfolg verzeichnet die TSG dennoch: Die Haßlocherin Sabine Gall hat einen Basar im TSG-Foyer organisiert für den Verein „Brustkrebs Deutschland“. Mit selbst gebackenen Kuchen, Plätzchen sowie Lebkuchen-Handballern und -Handballerinnen sammelt die TSG Geld für den guten Zweck. Die Einnahmen werden gespendet. Die TSG informiert zudem zum Thema Brustkrebs. „Ein Herr und seine Frau, die die Brustkrebsdiagnose bekommen hat, sind extra hierhergekommen, um sich zu informieren“, erzählt Gall. Einige Frauen hätten sie auf die Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs angesprochen. Das TSG-Frauenteam hat Geld aus der Mannschaftskasse gespendet. Und das Gästeteam hat sich nicht nur beide Punkte in Haßloch geholt, sondern auch etwas gegeben. „Die gegnerische Mannschaft hat gesammelt und Geld in die Spendendose geworfen“, erzählt Gall dankbar. „Es war kein Kleingeld.“