Neustadt Nicht jeder Storch ist sendertauglich

Leben am Aussiedlerhof Kropsbach und wurden nun mit einem GPS-Sender versehen: zwei Duttweilerer Storchenjunge.
Leben am Aussiedlerhof Kropsbach und wurden nun mit einem GPS-Sender versehen: zwei Duttweilerer Storchenjunge.

Es ist ein wichtiger Baustein, um dafür zu sorgen, dass der Storch in Rheinland-Pfalz langfristig überleben kann. Deshalb hat die Aktion „Pfalzstorch“ jetzt wieder viele Jungstörche mit einem GPS-Sender ausgestattet, darunter zwei Storchenkinder in Duttweiler.

Das Projekt ist nicht nur für den Neustadter Tierfreund eine schöne Sache: Über die Handy-App „Animal Tracker“, die das Robert-Koch-Institut entwickelt hat, kann fast in Echtzeit nachverfolgt werden, wo sich die Störche aus Lachen-Speyerdorf, Duttweiler und Geinsheim gerade aufhalten. Voraussetzung: Sie haben den kleinen GPS-Sender auf dem Rücken und sind in der mobilen Datenbank registriert. Die Umweltschützer der Aktion „Pfalzstorch“ wiederum wollten herausfinden, wo zum Beispiel gute Nahrungsgründe vorhanden seien und wo Gefahren lauerten, erläutert Christiane Hilsendegen, Leiterin der Storchenzentrums in Bornheim: „So können wir bei Bedarf nachbessern.“ Wissenschaftler Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte Radolfzell – bei den Besenderungen immer mit von der Partie – erforscht die Wanderbewegungen der Störche weltweit. Die Ergebnisse sollen zum Beispiel helfen, die Auswirkungen des Klimawandels zu verstehen. Am Wochenende war es wieder soweit: Unter anderem die Jungstörche am Hintergraben in Duttweiler sollten einen GPS-Sender bekommen. Vor Ort stellte sich aber schnell heraus, dass ihnen einige Federn fehlten. „Das kann genetische oder nahrungsbedingte Gründe haben und ist nicht weiter schlimm, weil die Federn sicher nachwachsen“, so Hilsendegen. Ein zusätzliches Sender-Gewicht wollte den beiden schmächtigen Storchenküken aber keiner zumuten, sodass sie es auch in Zukunft nicht mehr in das Projekt schaffen werden. Denn der Zeitpunkt, wann ein Storch einen GPS-Sender verpasst bekommt, ist überaus wichtig. „Sind sie erst mal flügge, machen sie sich aus dem Staub, sobald man sich dem Nest nähert“, erläuterte Hartwig Stein vom Storchenverein Lachen-Speyerdorf. Als noch geeignet erwiesen sich dann aber immerhin zwei weitere Jungstörche, die mit ihren Eltern im Nest am Aussiedlerhof Kropsbach leben. Auch dort näherte sich Christian Reis vom Storchenzentrum zunächst langsam auf einem 23 Meter hohen Hubsteiger an. Noch bevor er es erreicht hatte, trat dann auch Vater oder Mutter Storch die Flucht an. Die Jungen im Nest stellten sich hingegen kurzerhand tot: Reis konnte sie leicht in eine Kiste verfrachten und mit einem Tuch zudecken, während der Altvogel alles mit wachsamem Blick vom nächsten Baum aus beobachtete. Ebenso problemlos verliefen die nächsten Schritte: Behutsam zurrte Reis beiden Jungstörchen den zwischen 25 und 50 Gramm schweren Sender im Genick fest, gehalten von einem losen Seil unter den Flügeln. Gleichzeitig wurden sie gewogen: Mit drei beziehungsweise dreieinhalb Kilogramm und einer Beinlänge von rund 20 Zentimetern zeigte sich Hilsendegen zufrieden. Sorge bereitet ihr hingegen, wie lange das seit 2015 bestehende Besenderungsprojekt noch laufen kann: „Das war vielleicht das vorletzte Mal heute.“ Entscheidend für die Zukunft seien vor allem die Finanzmittel. Diesmal habe die Firma Adel aus Landau den Hubsteiger ein ganzes Wochenende lang kostenlos zur Verfügung gestellt. Genau daran war sogar die Beringung von drei Geinsheimer Jungvögeln gescheitert: „Auf den 28 Meter hohen Kirchturm muss man ja erst mal raufkommen“, so Hartwig Stein. Immerhin: Für 2019 sei man bereits mit zwei Firmen wegen eines Hubsteigers im Gespräch.

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