Neustadt
Neustadt: Umzug für 280 Hornbach-Arbeitsplätze nach Bornheim
Schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Neustadt: Die Hornbach Baumarkt AG verlagert 280 Arbeitsplätze nach Bornheim bei Landau. Oberbürgermeister Marc Weigel hofft, dass ein Nachmieter den Arbeitsplatzverlust ausgleicht.
Die Neustadter Mitarbeiter der Hornbach Baumarkt AG konnten sich über Pfingsten mit dem Gedanken anfreunden, künftig zum Arbeitsplatz nach Bornheim bei Landau zu pendeln. Das hat ihnen ihr Arbeitgeber am vergangenen Freitag mitgeteilt. Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel erfuhr es durch einen Anruf des Vorstandsvorsitzenden Albrecht Hornbach. Die offizielle Begründung von Hornbach-Vorstand Karsten Kühn: „Die Verschmelzung der Verwaltungsstandorte in Bornheim ist ein deutlicher Schritt in Richtung Kosteneffizienz. Wir versprechen uns davon eine jährliche Einsparung bei den zentralen Verwaltungskosten im hohen sechsstelligen Bereich.“ Für die Mitarbeiter würden künftig zeitraubende Fahrten entfallen. Überdies werde die bestehende Infrastruktur in Bornheim besser genutzt. „Am Standort befinden sich neben den Verwaltungsabteilungen unter anderem noch der größte Bau- und Gartenmarkt des Konzerns, ein Schulungszentrum, das Logistik-Zentrum Essingen sowie Einkaufsmöglichkeiten im benachbarten Fachhandelszentrum“, so Pressesprecher Florian Preuß. Neben dem Kostenfaktor spiele der Zeitfaktor eine sehr große Rolle: „Natürlich können die Kollegen im Bus den Laptop einsetzen, aber wirklich effektiv lässt sich doch so nicht arbeiten.“ Und die Fahrten nach Neustadt oder Bornheim und zurück seien an der Tagesordnung gewesen. 2006 beschäftigte Hornbach in Bornheim 600 Mitarbeiter, 2016 waren es 1200, aktuell sind es 1330. Der Aufbau der Außenstelle Neustadt sei auch eine Folge der Raumnot in Bornheim gewesen. Dort sind jüngst zwei neue Verwaltungsgebäude gebaut worden. Derzeit ist das ursprüngliche fünfstöckige Hauptgebäude für eine Generalsanierung komplett geleert. „Wenn das abgeschlossen ist im Frühjahr, dann haben wir endlich die Kapazitäten, um die gesamte Mannschaft in Bornheim zusammenzuführen“, so Preuß. Die Absichtserklärung sei auch mit dem Betriebsrat abgestimmt, so der Sprecher. Es würden nun mit den Arbeitnehmervertretern paritätisch besetze Arbeitsgruppen gebildet, um den Umzug konkret zu planen.
Weigel: Kein Weltuntergang
Oberbürgermeister Marc Weigel erklärt: „Das ist keine gute Nachricht, aber das ist auch kein Weltuntergang.“ Natürlich würde das in der Anfangsphase zu Einbußen bei der Gewerbesteuer führen. Er sei aber sehr zuversichtlich, dass ein Mieter neue Arbeitsplätze mitbringe. „Albrecht Hornbach hat betont, dass das Unternehmen die Immobilie nicht verkaufen will und bereits mit potenziellen Mietern im Kontakt steht“, berichtet Weigel vom Gespräch mit dem Hornbach-Chef. Weigel hat den Umzug nach Bornheim zwar nicht erwartet, hielt ihn aber nie für ausgeschlossen. „Es ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar und vor diesem Hintergrund müssen wir es akzeptieren und das Beste daraus machen“, so der OB.
Kommentar: Auch Hornbach gefordert
„Hornbach Baumarkt AG stärkt den Standort Bornheim.“ Mit diesen Worten ist die Pressemitteilung des Baumarkt-Konzerns überschrieben. Die Entscheidung ist aus Sicht des Unternehmens nachvollziehbar. Für die Mitarbeiter liegen 20 Kilometer weiter südlich sicherlich auch noch im Bereich der zumutbaren Anfahrt. Die Entscheidung schwächt aber den Wirtschaftsstandort Neustadt deutlich. In der Wohn- und Beamtenstadt Neustadt sind Arbeitsplätze schon fast traditionell rar. Wenn jetzt Oberbürgermeister Marc Weigel sich an den Strohhalm klammert, dass ein Nachmieter die Gewerbesteuerausfälle durch den Hornbach-Abzug schnell ausgleicht, dann ist das sehr optimistisch. Hornbach hat in den bald 20 Jahren seines Neustadter Konversionsprojektes die Akzente vor allem in den Bereichen Handel und Freizeit gesetzt – von der Forstverwaltung mit 120 Mitarbeitern einmal abgesehen. Ob eine öffentliche Gesellschaft als Vermarkter der Flächen da mehr Arbeitsplätze ausgelöst hätte, ist schwer zu beurteilen. Dass das Konversionsprojekt bislang als Erfolg gewertet wurde, hing auch mit den nahezu 300 Arbeitsplätzen der Baumarkt AG zusammen. So gesehen ist auch Hornbach mit gefordert, eine Nachfolgelösung zu finden, die Arbeitsplätze in der Stadt sichert oder ansiedelt.