Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Tanz um das Fass bei der Jakobuskerwe in Hambach

Zur Kerwetradition gehört das Kettenkarussel. Foto: Linzmeier-Mehn
Zur Kerwetradition gehört das Kettenkarussel.

Die Tradition kommt bei der Hambacher Jakobuskerwe nicht zu kurz. Und für so manchen auswärtigen Besucher ist sie (noch) fremd. Beliebt sind die Ausschankstellen in den Höfen.

Groß war am Sonntagabend der Andrang bei der Vorführung des legendären Küferschlags in der Ausschankstelle „Zum Küwler Jean“ in der Weinstraße. Da hieß es wieder: „Wer trinkt den besten Wein? – Der Küfer“. Und dann tanzten die Akteure rund um das legendäre Weinfass.

„Als wir davon gehört haben, war uns klar, dieses Spektakel wollen wir uns nicht entgehen lassen“, meinte Herrmann Gessner. Der 67 Jahre alte Westfale, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Brigitte bereits zum dritten Mal in Folge an der Deutschen Weinstraße seinen Wanderurlaub verbringt, machte nach einem Besuch des Hambacher Schloss am Sonntagnachmittag einen Abstecher auf die Jakobuskerwe. „Wir kommen sehr gerne hier her, weil wir zum einen die Pfälzer Gastlichkeit mögen, aber auch ein Freund der hiesigen Weine sind“, meinte Gessner.

Wundern über das Stielglas

Nicht so angetan zeigte sich der ehemalige Wirtschaftsingenieur von dem Pfälzer Schorle im Dubbeglas. „So etwas kannten wir bisher nicht, einen Riesling im Stielglas ziehe ich eher vor“, meinte der gebürtige Dortmunder.

Das Schauspiel um den „Küferschlag“ ist nicht mehr überall zu erleben. Zum Beispiel auch noch bei der Geißbockversteigerung in Deidesheim. Da hat die „alte Reitschul“ vor dem historischen Gasthaus „Zum Engel“ noch ihren festen Platz. Dazu gehören auch die Gutselbuden und die Schießstände entlang der Kerwemeile. Da steht die Oma noch mit dem Enkel an der Bude und wirft mit ihm die Bälle auf die Dosen.

Der Mix der Ausschankstellen und Vergnügungsgeschäften stimmt. Zwischen Kettenkarussell in der alten Weinstraße und der doppelstöckigen Reitschule am alten Rathaus herrscht auf der Kerwemeile mit ihren Winzerhöfen ein besonderes Flair. Da lohnte es sich, mit dem „Schoppen durch die Gass“ zu ziehen.

Oberbürgermeister Marc Weigel nannte bei der Eröffnung am Freitagabend die Jakobuskerwe eines der schönsten Weinfeste in der Region. Da duften auch die Salutschüsse der Schützengesellschaft Hambach nicht fehlen, ehe Weinprinzessin Noelle das erste Fass Freiwein anstach.

In gemütlicher Atmosphäre die Kerwe zu feiern – das war auch das Ziel von Brigitte Leipner, die sich einen "echten Fan" der Pfälzischen Weinfeste nennt. Die 52-jährige kaufmännische Angestellte aus Kirchheimbolanden ist fast regelmäßig in den Sommermonaten an der Weinstraße unterwegs. „Unsere Vorliebe sind jene Ausschankstellen, die sich in den Winzerhöfen befinden“, erzählt die Nordpfälzerin. „Einfach gemütlich sitzen, bei einem Glas Wein über Gott und die Welt reden, das wirkt entspannend“, erzählt Leipner, die zum ersten Mal auf der Jakobuskerwe unterwegs ist: „Wir haben lange überlegt, ob wir bei diesem wechselhaften Wetter auf die Kerwe oder ins Restaurant gehen. Wenn man im Freien sitzen kann, dann ist es auf der Kerwe schon etwas gemütlicher.“ Im Weingut Hans Abel fühlte sie sich mit ihren drei Freunden wohl und genoss das festliche Treiben.

Der familiäre Charakter des Festes kam auch diesmal nicht kurz. „Auf so manche Stände entlang der Weinstraße könnte man verzichten“, sagte Sabine Baumert, die sich fragte, weshalb Piercing-Schmuck dort angeboten werden müsste. „Wenn man den weindörflichen Charakter bewahren möchte, sollte man auch bei der Vergabe der Stände etwas genauer hinsehen. Manchmal ist etwas weniger, etwas mehr“, meinte die 34-jährige.

Bis 24 Uhr

Am Dienstag, lädt der Förderverein „Die Hambacher“ die Senioren im Stadtteil zum traditionellen Kaffee (ab 15 Uhr) in die Bürgerstube ein. Da kommt auch die Live-Musik, wie in den Tagen zuvor, nicht zu kurz. Im Theatergarten gibt es handgemachte Musik für Herz von „Mr. Jones“.

Der diesjährige Abschluss folgt erst am späten Abend mit dem Einbruch der Dunkelheit gegen 22 Uhr, wenn der Ortsbeirat auf den Rathausplatz zu Freiwein und Broten mit Hausmacher ruft. Punkt 24 Uhr soll dann Schluss sein.

Zur Sache: Feuerwerk erst heute

Das Feuerwerk zur Eröffnung der Jakobuskerwe am Freitag musste abgesagt werden. Die Neustadter Feuerwehr sah wegen der Trockenheit und Hitze der vergangenen Tage eine zu große Waldbrandgefahr. Nach dem es am Samstag stark regnete und auch die Temperaturen zurückgingen, ist die Gefahr wohl gebannt. Die Feuerwehr hat nun keine Bedenken mehr. Deshalb gibt es das Lichtspiel im Nachthimmel nun am Dienstag zum Kerweausklang um 22.30 Uhr, wie Ortsvorsteherin Gerda Bolz mitteilte.

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