Neustadt Neustadt: Janosch-Tigerente wird 40
Ihre Räder tragen sie jetzt schon vier Jahrzehnte durch die Welt. Sie sagt kein Wort, verzieht keine Miene und transportiert doch eine große Botschaft: Janoschs schwarz-gelbe Tigerente feiert heute 40. Geburtstag. Ihr erstes Abenteuer erlebte sie im illustrierten Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“, durch das sie seit dem 15. März 1978 rollt. Eine Reise auf ihrer Spur, von Neustadt nach Panama und zurück.
«NEUSTADT»«/Hassloch». Alles beginnt mit einem Wegweiser. Paradoxerweise ist der selbst gebastelt und zeigt, trotzdem und trotzig, exakt in Richtung Panama. Von dem Tiger, Bär und die gesteifte Tigerente bis dahin gar nicht wissen, wo es liegt. Und kein Lebewesen auf dem Weg, weder Maus noch Fuchs, kann ihnen die Reise zu sich selbst verkürzen. Eine solche Reise nach Panama hat auch Melanie Völker schon hinter sich. Sie wurde 1979 in Neustadt geboren, dem Jahr, in dem Janosch alias Horst Eckert für „Oh wie schön ist Panama“ den Deutschen Kinderbuchpreis erhielt, und wohnte während ihrer Kinder- und Jugendzeit auch in Frankeneck. Nach dem Abitur 1998 am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium machte sie sich auf ihren eigenen Weg und studierte Erziehungswissenschaften, Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik. 2006 fand sie dann ihr persönliches Panama mit Tigerente: Die Mutter zweier Söhne arbeitet seither als Redakteurin beim Südwestrundfunk in Stuttgart für die Sendung „Tigerenten Club“, die in einem Studio in Göppingen gedreht wird.
Neugier fördern
„Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen“, sagt die 38-Jährige: „Kinder stehen bei uns im Mittelpunkt. Wir wollen ihre Neugier fördern, spannendes Wissen vermitteln, sie zum Lachen, Nachdenken und Mitmachen bewegen.“ Dafür entwickeln Völker und über 20 Kollegen kindgerechte Reportagen, ein weiterführendes Angebot fürs Internet und Drehbücher für die Show. Unter Leitung der Moderatoren Muschda Sherzada und Johannes Zenglein treten zwei Schulklassen bei lustigen Spielen als „Tigerenten“ und „Frösche“ gegeneinander an, um die „Rodeoente“ zu bezwingen oder Lehrer baden zu schicken. Die Tigerente rollt also sehr munter durch das Leben der gebürtigen Neustadterin und tritt auch bei ihr daheim als Nachziehtier für ihre Kinder immer noch in Erscheinung. Sogar Janosch selbst hat Melanie Völker einmal getroffen: „Das war vor etwa zehn Jahren auf einer Preisverleihung“, erzählt sie und ergänzt: „Das war schon etwas Besonderes und Seltenes, da er sonst ja sehr zurückgezogen auf Teneriffa lebt und die Öffentlichkeit scheut.“ Kennen die Kinder, die sich für die Fernsehshow bewerben, eigentlich noch die Bücher? „Ich denke schon“, sagt Filmautorin Völker. So hofft sie, „dass viele Kinder schon vor dem Gucken in den Genuss kommen, die Bücher vorgelesen zu bekommen“. Sie selbst habe das bei ihren Jungs getan: „Nichts sonst zaubert so eine wohlige Wärme, herzliches Lachen, Überraschendes, Gedankenschätze und Einsichten zum Weiterspinnen ins Kinderzimmer.“ Janosch ist für sie „einer der originellsten, phantasievollsten, tiefgründigsten und klügsten Kinderbuchautoren überhaupt“, denn seine Figuren seien „authentisch, zeitlos und Freigeister, unabhängig von Konventionen“. Den Kindern zeige das, „dass alles möglich ist, wenn man nur daran glaubt“. Die Redakteurin findet: „Kinder müssen gar nichts – außer glücklich sein!“
Diplomarbeit über Janosch
Zu Völkers Lieblingen im großen Tigerenten-Kosmos zählen noch Günter Kastenfrosch, der ebenfalls im mittlerweile weit über 1000 Folgen umfassenden „Tigerenten Club“ mitmischt, sowie Kasper Mütze und Papa Löwe, der seit 20 Jahren vorbildlich seiner berufstätigen Frau den Rücken frei hält. Beeindruckt haben sie auch Schüler, die ein Tigerentenfloß nachgebaut und dem Club davon geschrieben haben. Melanie Völker hat zudem ihr persönliches „Panama“ gefunden: „Wer immer nur will, will, will, vergisst darüber manchmal, was ihm das Leben schon geschenkt hat. Ich möchte gelassen und dankbar sein, ohne dabei stillzustehen.“ In „Panama“ zu Gast war auch schon Gabi Pfadt, Leiterin der Gemeindebücherei in Haßloch: An der Fachhochschule für Bibliothekswesen Stuttgart, heutige Hochschule der Medien, hat sie 1988 ihre Diplomarbeit über „Pädagogische Aspekte in ausgewählten Kinderbüchern von Janosch“ geschrieben. Damals musste sich die heute 52-Jährige im Fach Erziehungswissenschaft extra eine Schreibmaschine mit Korrekturtaste leihen und die selbst fotografierten Bilder noch wie in einem Album einkleben. Darum schlummert das Original wahrscheinlich noch heute in den Archiven der Hochschule, aber: „Ich war ein Fan von Tiger, Bär und Tigerente, finde ihre Träume von der Bananenkiste und Panama noch immer berührend“, sagt Pfadt. In der Haßlocher Bücherei kommen die kleinen Leser in den Genuss, den immer wieder ersetzten Einzelband, eine französische Ausgabe, einen Janosch-Sammelband und allerlei elektronische Medien zum Thema wie DVDs ausleihen zu können. Gern denkt Pfadt auch an eine Janosch-Postkarte aus ihrer Studienzeit zurück: „Was ein Mund dir verspricht, das bleibt alles nicht, doch was eine Pfote dir schreibt, das bleibt.“
Ein Hauch von "Panama"
Auch in Neustadt ist ein Hauch Panama beständig. Als „Superbuch“ mit digitaler Gratis-App werde das Janosch-Buch in der Stadtbücherei extra für das Jubiläum neu angeschafft, sagt die neue Leiterin Diana Wagner: „Dann bewegt sich die Figur, oder es gibt ein Geräusch.“ Außerdem hat sie eine pfälzische Ausgabe und ein Pappbilderbuch für die Jüngsten bestellt. Es wird vorgelesen, und der bunte „Medienturm“ wird zum Jubiläum von Mitarbeiterin Kathrin Schulz thematisch befüllt. Die aktuelle Janosch-Biographie „Wer fast nichts braucht, hat alles“ ist laut Wagner „quasi immer unterwegs“, also ständig ausgeliehen. Der „Hype“ um die Tigerente aus den 80ern und 90er sei abgeflaut, schüttet Annette Penn, die mit Sabine Brandenburger die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Neustadter Buchhandlung Quodlibet betreut, allerdings etwas Wasser in den Wein. Dennoch würden Janoschs Werke immer noch bestellt, „oft durch Großeltern oder Eltern“, die sich noch aus ihrer Kinder- oder Elternzeit an das Buch erinnern, so ihre Beobachtung. Penn ist außerdem an der „Betreuenden Grundschule“ an der Schillerschule Haßloch und ehrenamtlich in der Schulbücherei tätig: „Auch dort sind Janoschs Klassiker zu finden, und ich lese zum Entspannen gern daraus vor.“ Als Jugendbetreuerin einer Freizeit habe sie vor 20 Jahren auch einmal eine Holz-Tigerente gebastelt bekommen, lacht sie, und die stehe immer noch bei ihr daheim im Regal. Dass häufig die Eltern den Weg nach „Panama“ weisen, hat auch Buchhändlerin Ramona Pape festgestellt. Für die Kinderbuchabteilung von Osiander Neustadt hat sie interaktive „Tonies“-Figuren im Angebot, die auf einen elektronischen Würfel gesetzt werden und dann die entsprechenden Janosch-Hörbücher „erzählen“. Aber auch Bücher mit Tiger und Bär zum Straßenverkehr und übers Radfahren hält die Mutter einer fünfjährigen Tochter immer auf Vorrat. Und bei ihr zuhause rollt natürlich ebenfalls eine Nachzieh-Tigerente durchs Kinderzimmer: Panama ist eben überall, wo man zuhause ist. NOCH FRAGEN? —„Oh, wie schön ist Panama“ gibt es in zahlreichen Varianten im Verlag Beltz&Gelberg; Mundarteditionen sind beim Verlag Edition Tintenfaß erschienen. —Der „Tigerenten Club“ läuft sonntags 7.10 Uhr im Ersten (ARD) und samstags um 10.45 Uhr im Kika. Details zur Bewerbung unter www.tigerentenclub.de. —Janoschs Biographie „Wer fast nichts braucht, hat alles“ von Angela Bajorek erschien 2016 im Ullstein-Verlag, hat 320 Seiten und kostet gebunden 22 Euro, als Taschenbuch (2017) 10 Euro. —Auch das nächste Samstagsvorlesen am 17. März in der Neustadter Stadtbücherei steht ganz im Zeichen des Janosch-Jubiläums. Saskia Matuszewski wird den Kindern zwischen 11 und 12 Uhr verschiedene Janosch-Geschichten vorlesen und hat auch etwas zum Basteln vorbereitet.