Neustadt Neugierig auf Kultur und Sprache des Nachbarn
Die Französisch-AG der Ernst-Reuter-Schule kam in den Genuss einer ganz besonderen Unterrichtsstunde: Thomas Colin, ein junger Mann und waschechter Franzose, übte mit ihnen mit viel Freude und Bewegung ein paar wichtige Sprachmuster, erzählte ihnen ein wenig über die Verbreitung der französischen Sprache und machte ihnen Lust darauf, noch mehr zu lernen.
Thomas Colin ist einer von zwölf jungen französischen Lektoren, die im Rahmen von „FranceMobil“ in ganz Deutschland Kindergärten, Schulen und Berufsschulen besuchen, um den jungen Deutschen ein modernes Bild von Frankreich und der französischen Sprache zu vermitteln. Die Freude am Sprachenlernen und die Neugier auf andere Kulturen wird von vielen Seiten gefördert. So ist „FranceMobil“ ein Gemeinschaftsprojekt der Robert-Bosch-Stiftung, des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) und des Institut français Deutschland. Unterstützt wird es von Renault Deutschland, dem Deutsch-Französischen Institut Erlangen sowie dem Ernst Klett Verlag. Und natürlich spielen die engagierten jungen Lehrer eine wichtige Rolle. Brigitta Conrad, Leiterin der Französisch-AG, kann an diesem Nachmittag einmal einfach nur Beobachterin sein. Zunächst aber muss sie die 16 Dritt- und Viertklässler der AG bremsen, die schon vor dem Beginn der Stunde in den Klassenraum wollen. Dort bereitet sich Thomas Colin vor. Er arbeitet gern mit Kindern, macht derzeit in einem deutsch-französischen Kindergarten in Wiesbaden eine Ausbildung zum Erzieher und ist ebenso angetan von dem Projekt wie Brigitta Conrad, die Französisch auf Lehramt studiert hat und nun „sehr glücklich“ ist, „dass es diese AG gibt“ und den Besuch von „FranceMobil“, zumal Frankreich und Deutschland so nahe beieinander liegen. Voller Neugier kommen nun die Schüler herein. Colin redet munter auf Französisch, lässt die Kinder einen Stuhlkreis bilden und begrüßt sie mit „Bonjour. Ça va?“ „Bonjour“ und „Oui“ antworten die Kinder. Danach gibt es ein fröhliches Namenraten. Wie der Lehrer aus dem Burgund wohl heißen mag? Auf Französisch nennen die Kinder die Buchstaben. Was passt, wird an die Tafel geschrieben: „Thomas“. Mit der Aussprache ist dieser noch nicht ganz zufrieden, denn „das S am Ende wird nicht gesprochen“. Eine kurze Wiederholung des Alphabets auf Französisch, und weiter geht’s mit einer Vorstellung. „Je m’appelle...“ präsentieren sich die Jungen und Mädchen und antworten auf die Frage, wie es ihnen geht, bei einem Bewegungsspiel. Drei gängige Formen der Begrüßung werden mit einer Polonaise eingeübt, beim seriösen „Bonjour“ können die Kinder gemächlich gehen, auch in der Hocke, bei „Salut“ werden Wangenküsschen angedeutet, das „Coucou“ begleitet ein strahlendes Zuwinken. Bei einem Würfelspiel erzählen die Kinder mehr von sich: wo sie wohnen, was sie mögen und was nicht und welches Hobby sie haben. Viel zu schnell schreitet die Zeit voran. Doch es kann noch etwas Theorie folgen. Thomas Colin macht anhand von großen Karten Geographie mit den Kindern, zeigt Burgund, wo er aufgewachsen ist, und dessen Nähe zu Rheinland-Pfalz. Dass er Französisch spricht, fällt den Kindern gar nicht mehr auf. Erst als es darum geht, in welchen anderen Ländern Europas und auf welchen anderen Kontinenten noch Französisch gesprochen wird, greift er auf Deutsch zurück, ebenso bei der Frage der Schüler, warum Französisch so verbreitet ist. „Das ist durch die Geschichte bedingt“, muss den Kindern für diesen Nachmittag reichen. Doch bevor es heißt „adieu“, und „merci“, hat auch Thomas Colin noch Fragen: „Diese Stunde war gut?“, „Ja“, rufen die Kinder. „Und werdet ihr Französisch weitermachen?“ Auch da folgt ein kräftiges „Ja“. Darüber freut sich auch Brigitta Conrad. |hjm