Edenkoben
Neuer Roman: Gabriele Weingartners „Persilscheinparty“
Mit ihm kehrt die aus Edenkoben stammende und mittlerweile in Köln lebende Schriftstellerin und Kulturjournalistin, die regelmäßig auch für diese Zeitung schreibt, in gewisser Weise zu ihren Anfängen zurück.
„Persilscheinparty“ spielt, wie jeder unschwer erkennt, der mit dem Begriff (noch) etwas anfangen kann, in einem Sommer Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre, der Zeit, in der der Krieg und die Schrecken der NS-Zeit noch nicht lange zurückliegen, aber von fast allen geflissentlich verdrängt werden und man sich bereitwillig gegenseitig „Persilscheine“ ausstellt, um sich von den Verbrechen der Vergangenheit reinzuwaschen. Schauplatz ist eine prototypische westdeutsche Kleinstadt namens Heimstadt, von der zu erfahren ist, dass sie irgendwo im Fränkischen liegt. Erzählt wird die Geschichte von einem allwissenden Erzähler (oder Erzählerin), aber mit Fokus auf eine Handvoll Kinder, die gerade die Grundschule beendet haben und nun vor der Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium und damit der Entscheidung über ihren weiteren Bildungs- und Lebensweg stehen. Der weiße Rabe in der Stadt ist dabei Miras Familie, Ungarn, die vor den Sowjets aus ihrer Heimat geflohen sind, und noch dazu Künstler.
Gabriele Weingartner, die 1948 in Edenkoben geboren wurde und inzwischen nach Jahren in St. Martin und zuletzt Berlin mit ihrem Partner Volker Heinle nach Köln in Richtung Sohn und Enkel gezogen ist, kehrt mit „Persilscheinparty“, wie sie auch selbst in einem im Anhang abgedruckten Gespräch mit ihrer Lektorin erklärt, in gewisser Weise in ihre eigene Kindheit zurück. Nach Ausflügen in die Welt der Phantastik mit „Geisterroman“ (2016) und den beiden Büchern um den unsterblichen Léon Saint Clair (2019 und 2022) wendet sie sich dabei wieder der Nachkriegszeit zu, die sie schon 1996 in ihrem Debüt „Schneewittchensarg“ oder auch im Edenkoben-Roman „Tanzstraße“ 2010 hellsichtig beleuchtet hatte. Der wechselnde Blick auf die Kinder Mira, Franzi, Georg und Oskar und ihre Familien wiederum erinnert an ihren multiperspektivischen Roman „Villa Klestiel“ (2011), der von den Bewohnern einer Berliner Seniorenresidenz handelte.
Lesezeichen
Gabriele Weingartner: Persilscheinparty. Roman. Limbus-Verlag, gebunden, 208 Seiten, 22 Euro.