Neustadt Musik und Geschichte(n)

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Neustadt. Am 8. Dezember letzten Jahres wurde Abi Wallenstein 70 Jahre alt. Schon damals hatte der Neustadter Kulturverein Wespennest den in Hamburg lebenden Sänger und Gitarristen, der mit seinen Auftritten schon seit Jahren einen Fixpunkt im Veranstaltungskalender darstellt, dazu eingeladen, die Feier in Neustadt zu begehen. Weil das an Terminschwierigkeiten scheiterte, wurde die Geburtstagsparty eben einfach um ein Jahr verschoben: Am kommenden Wochenende ist es nun soweit.

Am Samstag wird Wallenstein, der von Insidern gerne auch als der „Pate des deutschen Blues“ bezeichnet wird, in der Alten Turnhalle des TV Gimmeldingen auf der Bühne stehen und mit weiteren illustren Partygästen jammen. Neben dem saarländischen Harpvirtuosen Gernot „Junior“ Scheerer, mit dem der in Jerusalem geborene Wallenstein schon mehrere gemeinsame Gigs gespielt hat, werden auch die Belgier Roland van Campenhout und Tiny Legs Tim & Band mit dem Jubilar die Bretter, die die Welt bedeuten, teilen. Schon während den Planungen zu dem Gig hat Wallenstein seine Freude darüber geäußert, da es sich bei diesen belgischen Bluesern um echte Hochkaräter handelt, mit denen er bisher noch nie musiziert hat. Van Campenhout war beispielsweise fünf Jahre lang, bis zu dessen Tod, in der Band von Rory Gallagher aktiv, während „Tiny Legs Tim“, dessen bürgerlicher Name Tim de Graeve lautet, ein Talent ist, dem nicht nur in seinem Heimatland noch viel zugetraut wird. Das Geburtstagsständchen für Abi Wallenstein wird der Neustadter Musiker und Gitarrenbauer Peter Wahl vortragen, der ebenfalls Grund zum feiern hat: Er wird auf den Tag genau an diesem Samstag 60 Jahre alt. Hochinteressant und wahrscheinlich sehr emotional geht es dann aber auch noch am Sonntagmorgen in der Neustadter Gedenkstätte für NS-Opfer im Quartier Hornbach weiter. Moderiert von Eberhard Dittus, dem Vorsitzenden des Fördervereins, und Rolf Raule, dem Programmverantwortlichen beim Kulturverein Wespennest, werden Abi Wallenstein und ein Nachfahre eines ehemaligen Lagerinsassen des Konzentrationslagers in der ehemaligen Turenne-Kaserne ihre Erinnerungen an die Zeit der verbrecherischen Naziherrschaft wach werden lassen. Wallensteins Großmutter, dessen deutschen Eltern sich in Jerusalem kennengelernt haben nachdem sie vor den NS-Schergen dorthin geflohen waren, fand im KZ Theresienstadt den Tod. 1957 kehrten Abis Eltern mit ihm nach Deutschland zurück. Der Vater, ein Arzt, eröffnete in Neuss eine Praxis, kehrte aber Ende der 60er Jahre, als die Neo-Nazi-Bewegung in Deutschland immer stärker wurde, wieder nach Israel zurück. Die Eingewöhnung dort fiel ihm schwer, und er verstarb viel zu früh. Trotzdem hegt Wallenstein keinen Groll. Er vertraut auf die Kraft der Musik und ihre völkerverbindende Wirkung. „Wenn man zur Musik tanzt, kommt man näher zu Gott“, lautet sein Motto, und so wird er auch im Quartier Hornbach sicher nicht darauf verzichten, zur Gitarre zu greifen und einige seiner Lieder vorzutragen. Termin Die „Abi Wallenstein Geburtstagsparty“, findet am Samstag, 26. November, um 20 Uhr in der Alten Turnhalle in Gimmeldingen statt. Karten (17 Euro) in der Buchhandlung Quodlibet (06321/88930), bei allen Rheinpfalz-Geschäftsstellen und online unter www.reservix.de. Abendkasse: 20 Euro. Die Matinee „Abi Wallenstein – Eine Geschichte“ folgt dann am Sonntag, 27. November, um 11 Uhr in der Gedenkstätte für NS-Opfer im Quartier Hornbach 13 A. Der Eintritt hierbei ist frei. Anschließend besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch die Räumlichkeiten der Gedenkstätte teilzunehmen. |hk

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