Neustadt / Westheim
Motorsport: Formel-4-Saison für Catalano vorzeitig beendet
Eigentlich wollte Valentino Catalano durchstarten. Formel 4, Formel 3, Formel 2 und als Krönung in die Formel 1. Mit Vollgas. Stattdessen wurde der 15-jährige Westheimer ausgebremst. Nach sechs Rennen in der deutschen Formel-4-Meisterschaft kam das Aus. Ausgerechnet vor dem Auftritt bei seinem Heimrennen Mitte September auf dem Hockenheimring. Wegen finanzieller Ungereimtheiten, ließ sein Team wissen. Der Rennstall BWR aus Neustadt, seinen Monoposto im Transporter, packte nur den von Teamkollege Taylor Barnard aus.
„Mir tut’s wahnsinnig leid für Valentino“, sagt Erich Baumgärtner. Aber der BWR-Teamchef erklärt auch, dass er sich weitere Einsätze nicht leisten könne. Schließlich hat der langjährige Renningenieur des Neustadter DTM-Teams Rosberg seine neue Firma erst zu Beginn des Jahres gegründet. Und hat entsprechend noch keine Rücklagen. „Ganz im Gegenteil“, erklärt Baumgärtner. Trotzdem hat er den Kontakt zur Familie Catalano nicht abgebrochen.
Eltern können Budget nicht aufbringen
„Mir tut’s wahnsinnig leid für Valentino“, sagt auch Ingo Breuer, der von der Familie Catalano als Manager engagiert worden war. Er erklärt, dass Valentino Catalano ein Opfer der Corona-Pandemie geworden sei. „Nicht das einzige“, wie er ergänzt. Im November des vergangenen Jahres habe er ein großes Sponsorenevent geplant, das dann wegen des Veranstaltungsverbots habe ausfallen müssen. Trotzdem habe er Zusagen von verschiedenen Geldgebern gehabt. Doch mehr als vage Versprechen waren das nicht. „Wären alle Zusagen gekommen“, sagt er, „hätten wir mehr Geld gehabt, als wir benötigt hätten.“ Für eine Formel-4-Saison werden mindestens 250.000 Euro veranschlagt, Spitzenteams rufen etwa eine Million Euro auf. Dann können die Nachwuchspiloten an fast jedem Wochenende in unterschiedlichen Meisterschaften Rennen bestreiten. Für Valentino Catalano war nur die Teilnahme an der deutschen Formel-4-Serie geplant.
„Für Valentino ist es ein ganz schwerer Schlag“, sagt Daniel Catalano. Denn der Vater weiß nicht, wie es mit der Karriere seines Sohnes weitergeht. „Es gibt viele Angebote von Teams, dass Valentino gerne für sie fahren könne“, sagt er. Denn dass er über Talent verfügt, hat er im vergangenen Jahr bewiesen, als er Junior-Meister in der französischen Formel 4 geworden war. Voraussetzung für weitere Renneinsätze ist allerdings, dass der Pilot das entsprechende Budget mitbringt. Und das können die Valentinos – Vater Daniel ist als Elektrotechniker angestellt, Mutter Anita arbeitet im Krankenhaus – nicht aufbringen.
Geld entscheidet über Karriere
Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten entscheidet im Motorsport nicht nur das Talent über den Karriereweg, sondern auch Geld. Viel Geld. „Wie ist ein Rennfahrer finanziert?“, fragt Manager Breuer und gibt umgehend die Antwort: „Entweder sind seine Eltern Millionäre, er hat eine Gönner oder er findet Sponsoren.“ Valentino Catalano benötigt Geldgeber, die allerdings einen langen Atem haben müssen. Denn zu Beginn der Karriere bekommen sie noch fast keinen Gegenwert für ihr Engagement. Da hatten es die Formel-1-Fahrer Lance Stroll oder Nikita Mazepin, die Teamkollegen von Sebastian Vettel und Mick Schumacher bei Aston Martin oder Haas, einfacher. Deren Väter unterstützen die Karrieren ihrer Sprösslinge bis zum heutigen Tag. Vater Stroll hat zur Absicherung des weiteren Engagements seines Sohnes sogar den Rennstall Force India gekauft und in Aston Martin umgewidmet.
Träume geplatzt
„Ich möchte einfach so viel wie möglich lernen, damit ich am Ende der Saison sagen kann, dass ich den nächsten Schritt in die Formel 3 wagen kann“, hatte Valentino Catalano im Sommer im Gespräch mit der RHEINPFALZ gesagt. Dass dieser Lernprozess ein so jähes Ende nehmen würde, daran hatte er keinen Gedanken verschwendet.
Catalano regelmäßig im Simulator
Nicht nur für Filius Valentino, auch für die Familie Catalano waren die vergangenen Wochen sehr lehrreich und schmerzhaft. Inzwischen ist ihnen bewusst, dass sie bei der Planung der Motorsport-Laufbahn ihres Sohnes auf die falsche Karte gesetzt haben und denken über eine Trennung von Manager Breuer nach. „Alles, was nicht mit Geld zu tun hat, haben wir versucht“, sagt Daniel Catalano. Valentino sei, so bestätigt auch Erich Baumgärtner, regelmäßig in die BWR-Zentrale in der Nachtweide in Neustadt gekommen, um im Simulator zu trainieren.
Regelmäßige Übung ist nur ein Teil, der andere sind die Finanzen. Der Westheimer Valentino Catalano ist der einzige Mandant von Ingo Breuer aus dem Motorsport. Ansonsten betreut er Ringer. Deshalb verfügt Breuer im Motorsport über keinerlei Verbindungen. Trotzdem hat er im Frühjahr BWR-Teamchef Erich Baumgärtner zusammen mit einem Anwalt garantiert, dass sie das nötige Geld zusammenbrächten. Was dann nicht geklappt hat. In der Folge ist die hoffnungsvolle Karriere von Valentino Catalano mächtig unter die Räder gekommen.
Kommentar: Talent, aber kein Geld
Auf jeder Eintrittskarte zu einem Autorennen steht: „Motorsport is dangerous.“ Motorsport ist gefährlich. Die Gefahr fährt zwar noch immer mit, aber wirklich gefährlich ist Motorsport nicht mehr. Was allerdings auf keiner Eintrittskarte steht: Motorsport ist teuer. Und das nicht nur in der Formel 1, in der die Teams darüber streiten, ob künftig zwei Autos mit einem Etat von 120 Millionen Dollar im Kreis herumfahren können. Die Kosten sind längst auch in den Nachwuchsklassen explodiert.
Minimum 250 000 Euro muss Vater oder Mutter hinblättern, wenn die Tochter oder der Sohn Gas geben will. Nur wenige Eltern können sich diesen Spaß leisten. Wer keinen Gönner oder Sponsor hat, ist schnell raus. Selbst die kleinen Rennwagen sind technisch so hochgezüchtete Hightech-Sportgeräte, dass immer mehr Ingenieure nötig sind, um diese flott zum Fahren zu bringen. Einfacher ginge es nicht, so verteidigen die Regelhüter ihren eingeschlagenen Kurs. Denn die jungen Rennfahrer sollen schon früh den Umgang mit der Technik lernen, mit der sie, wenn sie es bis nach oben schaffen sollten, arbeiten müssen.
Doch auf dem Weg dahin müssen zu viele Nachwuchspiloten vorzeitig aussteigen. Zwangsweise. Nicht weil ihnen das Talent fehlt, sondern das Geld.