Neustadt Mitten ins Herz

Der Kinderchor Cantus Cordis – „Gesang des Herzens“ – in der Stiftskirche.
Der Kinderchor Cantus Cordis – »Gesang des Herzens« – in der Stiftskirche.

«Neustadt». Der Kinderchor Cantus Cordis aus Hardegsen, einer Kleinstadt nahe Göttingen, riss in der voll besetzten Stiftskirche das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Etwa 30 Kinder und Jugendliche von sechs bis zu 18 Jahren umfasst der Chor, der von Gerhard Ropeter 1967 gegründet und bis heute geleitet wird. Das Repertoire scheint keine stilistischen Grenzen zu kennen, ob traditionelle Kirchenmusik von Barock bis Romantik, ob Volkslieder, zeitgenössische Musik oder sogar Pop, wie die Zugabe zeigte – nichts, was man mit ihren Stimmlagen singen kann, ist ihnen fremd. So glockenklar und pur dargeboten, gingen die Zuhörer auch bei zeitgenössischer Musik begeistert mit, Volkslieder gab es ohne jede Spur von Verstaubtheit. Gerade vor einer Woche haben sie den Landeschorwettbewerb in Niedersachsen gewonnen, das Siegerprogramm war Teil des Konzerts. Es hatte vier Abteilungen, unter denen mehr oder weniger stilistisch passende Werke zusammengestellt wurden. Das „oder weniger“ bezieht sich auf den Block mit dem Wettbewerbsprogramm – da sollten die Kinder ja gerade zeigen, dass sie ganz unterschiedliche Anforderungen, unterschiedlichen Stile meistern. Sie hatten ein barockes Stück und eines aus der Romantik zu bringen, etwas Modernes und ein Volkslied. Ein Stück, ein zeitgenössisches, war vorgegeben: „The Maiden and the Sea“ des belgischen Komponisten und Chordirigenten Kurt Bikkembergs. Es war ein Stück mit schwierigen lautmalerischen Effekten, eine Zwiesprache zwischen dem Meer und einem Mädchen. Der Wind und die Wellen, die ans Ufer schlugen, waren deutlich zu hören und entwickelten eine eigenartige Sogwirkung, der das Mädchen nicht widerstehen kann. Sie wird am Ende unweigerlich ins Meer gezogen. Die Kinder meisterten die kleine gesungene Geistergeschichte mit Bravour. Das Barockstück aus dem Wettbewerb war die Motette „Cantate Domino“ nach Psalm 98,1 von Daniel Friderici, der 1638 in Rostock an der Pest starb. Spätromantisch war „Eine kleine Wolke“ des russischen Komponisten Nikolai Rimski-Korsakow, dass das Naturerlebnis einer kleinen Wolke, die als letzte noch an einem Felsen fest hängt, während die andern weiter gedriftet sind, beschreibt. Dazu gab es ein deutsches Volkslied von Liebesschmerz, von Johannes Brahms für Chor bearbeitet – „Ich hört ein Sichlein rauschen“. Die zeitgenössische Chormusik war vertreten mit einem „Ave Maria“ des in Finnland lebenden Österreichers Hermann Rechbergers und „Sing Alleluja’s“ wieder des Belgiers Bikkemberg, bei dem der Chor den Rhythmus mit Klatschen und Stampfen akzentuierte. Das Konzert begann mit vier heiteren traditionellen schwedischen Volksliedern, die laut Chorleiter Gerhard Ropeter zu den Favoriten der Kinder zählen. Eine andere Abteilung war dem geistlichen Chorgesang gewidmet mit dem Terzett der Engel „Hebe deine Augen auf“ aus dem Oratorium „Elias“ Felix Mendelssohn Bartholdys, einem heiteren, rhythmischen „Salve Regina“ des Spaniers Javier Busto und „Laudate pueri“ Mendelssohn Bartholdys, zu dem Bezirkskantor Simon Reichert die Orgelbegleitung übernahm. Er spielte auch eine kurze Einleitung zum geistlichen Programmteil. Zuletzt gab es deutsche Volkslieder: Das „Heideröslein“, „Da unten im Tale“ von Johannes Brahms bearbeitet und „Bunt sind schon die Wälder“, bei dem, von der Orgel unterstützt, die Zuhörer mitsangen. Mit dem stimmungsvollen „Dona nobis pacem“ zogen die jungen Sänger aus. Das half ihnen aber nichts, stürmisch wurden weitere Zugaben gefordert. Mit „Mr. Postman“ hielt Popmusik Einzug ins Programm.

x