Neustadt Magische Momente mitten im Wald
Elmstein. Im Rahmen der „Irischen Musik Schule Pat Kelly“ erlebte der winzige Ort Harzofen inmitten des Pfälzer Waldes am Freitagabend ein denkwürdiges Konzert: Sanfte Zinnflöten- und tiefe Dudelsacktöne entrückten das Publikum des Naturfreundehaus aus dem schönen Elmsteiner Tal in die zerklüfteten Berge und an die Steilküsten Westirlands, der Heimat von Paddy Keenan.
Der weltweit bekannte Dudelsackspieler war auf Einladung der seit 2012 jeden August stattfindenden einwöchigen Musikschule in die Pfalz gekommen, ebenso seine Kolleginnen und Kollegen, die ihn begleiteten. Die Namen der erstmals so zusammenspielenden Ensembles lasen sich wie aus dem „Who ’s Who“ der traditionellen irischen Musik: Gesang: Ann Grealy, Dublin, und Noel Lenaghan, Donegal; Knopfakkordeon: Donna Harkin, Donegal; Bodhrán (Trommel): Guido Plüschke; Gitarre: Mark Bloomer; Geige: Sabrina Palm. Doch zunächst richteten sich alle Augen oder eher Ohren auf Paddy Keenan. Er wird als „Paganini“, „Jimmy Hendrix“ oder schlicht „König“ des Dudelsackspiels bezeichnet, der „uilleann pipe“ wie dieses Instrument in Irland genannt wird. In den 70er Jahren gelang es seiner Gruppe „Bothy Band“, erstmals Elemente der uralten keltischen Musik mit ihren treibenden Rhythmen auf geniale Weise mit modernen Rock und Blues zu verbinden und beeinflusste dadurch nachhaltig die Musikgeschichte Irlands. Keenan wurde in eine „Traveller“ Familie im County Meath hineingeboren, seine Vorfahren gehörten also zu jenen ursprünglich in Pferdewagen umherziehenden Musikern und Handwerkern Irlands, die überwiegend erst in den 70er Jahren sesshaft wurden, von denen einige wenige aber noch immer umherziehen. „Wir wurden eingeladen, um auf Festen zu spielen, als Musiker waren wir willkommen“, so Keenan. Bereits Vater und Großvater spielten den Dudelsack. Diese Tradition nahm der junge Paddy mit zehn auf, zuvor hatte er bereits Zinnflöte gelernt. Mit seinen Brüdern spielte er bereits früh in verschiedenen traditionellen Gruppen, ging aber später in London und Neufundland eigene musikalische Wege. Neue Eindrücke integrierte er in sein Spiel von Dudelsack und Zinnflöte, bei deren traditioneller Herstellung er auch mitwirkte. Die Geschichten hinter seinen Liedern enthalten oft eine Mischung aus liebevollem Humor und einer eher unbestimmten Sehnsucht. Beispielsweise wurde Keenan zu einem Stück inspiriert, als sein zu jener Zeit vierjähriger Sohn ausriss. Der Junge versuchte zu einem Ort zu trampen, wo er einen magischen Pfad vermutete, auf dem Silberstücke zu finden sind. Oder das von Noel Lenaghan gesungene Liebeslied über eine Rosie, in dem der Verliebte zunächst glatt den Ehemann und die riesigen Brüder der Angebeteten übersieht. Das über 200 Gäste zählende Publikum, überwiegend ja Musikschülerinnen und Schüler, lauschte zu Beginn beinahe ehrfürchtig; tatsächlich kamen im Wald die durchdringenden, klaren Töne von Keenans furios gespielten Instrumenten voll zur Geltung. Doch dann, bei den schnelleren Rhythmen, waren viele nicht mehr zu halten, begannen stürmisch vor der Bühne zu tanzen und sangen gegen Ende einige bekannte Lieder selig mit. Auch für die Gäste aus Elmstein, Lambrecht und Neustadt war das Konzert ein Erlebnis, das sie so schnell wohl nicht vergessen werden. Termine Die nächsten Veranstaltungen der Irish Music School: Folksounds Summer Workshops 8. bis 11. September; Irischer Herbst Elmstein 18. bis 20. November. Info: www.irishmusicschool-elmstein.eu