Neustadt Macko, Mönche und viel Musik

Hansel Fingerhut (rechts) aus Forst gratuliert ebenfalls.
Hansel Fingerhut (rechts) aus Forst gratuliert ebenfalls.

Schon ab 12 Uhr steht die Feuerwehr zur Sicherung der Absperrungen bereit, versammeln sich nach und nach die Teilnehmer des Umzugs. Der Löwe Macko, das Meckenheimer Maskottchen, hat es sich probeweise schon einmal auf dem „Macko Mobil“, bequem gemacht, einem Arbeitswagen der Gemeinde. Er darf auf keinen Fall fehlen, soll doch ein Macko dem Ort seinen Namen gegeben haben. An den Straßenrändern sind Bierbänke und Stühle aufgebaut, Zuschauer sitzen auf der Kirchenmauer oder haben sich auf dem Trottoir niedergelassen. Einige haben sich sogar passend zu dem historischen Ereignis gekleidet: Marie-Luise und Jürgen Bried beispielsweise tragen als „arme Meckenheimer, ohne Strümpfe, ohne Schuh“ Gewänder aus weißem Sackleinen. „Sie stammen aus urururaltem Familienbesitz“, und Baby(-Puppe) Melanie trägt das 70 Jahre alte Unterkleid eines Taufgewands. Andere Zuschauer haben, um dem Umzug beizuwohnen, lange Reisen unternommen, sind aus Frankreich, England, und Australien gekommen, um das Ereignis nicht zu verpassen. Ein ganz besonderer Gast ist Dr. Greg Lanius aus St. Louis, Mississippi. Einer seiner Vorfahren, Jacob Lanius, ist 1721 mit seiner Ehefrau Juliana als erster Meckenheimer nach Pennsylvania in die USA ausgewandert. In seiner Begleitung ist Thomas Restoff, auch er ein Nachfahre deutscher Auswanderer aus der Gegend um Osnabrück. Gegen 14 Uhr steigt die Spannung. Als Vorhut machen die Waldseer Gasserassler mit ihrer Guggemusik Stimmung, ein Hund, definitiv kein Freund der Schlagwerke, wird von seinem Herrchen aus der Menge geführt. Bald folgen die Zugnummern Schlag auf Schlag. Die Zuschauer kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da rollt als Erster Macko vorbei, auf der kleinen Ladefläche des Wagens etwas eingeengt zwischen Meckenheims Bürgermeister Heiner Dopp und seinem Grabenstätter Amtskollegen. Ausgerechnet der Freundschaftswagen mit den Bürgermeistern der verschiedenen Gemeinden soll technische Probleme haben, wie Julia Kren, ehemalige Pfälzische Weinkönigin und Conférencière des Umzugs, andeutet. Die Zuschauer merken davon nichts, denn schon geht es in die Vergangenheit. Die Aktiven Meckenheimer, in Mönchskutten gehüllt, präsentieren das Kloster Lorsch. In dessen Codex ist Meckenheim 768 erstmals genannt. Ein paar Zuschauer eilen ihnen hinterher, denn die Mönche führen wohlschmeckenden Wein mit sich. Ein Bindeglied zwischen alt und neu setzen die Freien Wähler. Sie zeigen Weinbaugeräte von anno dazumal und mit der kleinen Marie Wilhelm, jetzt noch im Handwagen sitzend, auch schon die Weinprinzessin 2030. Als Träger der Zukunft kommen auch Kinder der katholischen Kita Arche Noah. Sie nehmen Bezug auf den Reichtum an Obst und Gemüse in ihrem Ort. Die protestantische Kita Regenbogen setzt wenig später ebenso wie die Grundschule das Thema „Kindheit früher und heute“ um. Natürlich spielen beim Jubiläum Erinnerungen eine große Rolle. Da bieten sich vor allem Oldtimer zum wirkungsvollen Transport von Ehrengästen wie Landrat Ulrich-Ihlenfeld und der Pfälzischen Weinprinzessin Alisa Weber an. Auch Tamara Fränzle, Weinprinzessin der Verbandsgemeinde Deidesheim, grüßt neben Verbandsbürgermeister Peter Lubenau aus einem alten Gefährt, ebenso wie ihre Vorgängerin Lena, die Deidesheims Bürgermeister Manfred Dörr begleitet. Mit alten Zweirädern, Lauf- und Hochrad, gratulieren die Haßlocher Radborzler, mit den vielfältigsten Motorengeräuschen und Abgas-Duftnoten die Traktorfreunde Dannstadt. Der Verein für Brauchtum und Dorfverschönerung aus Forst hat Hansel Fingerhut mitgebracht, der freigiebig seine schwarzen Küsse verteilt, die sehr große Historische Gruppe von Edenkoben setzt gleich mehrere Jahrhunderte in Szene, während die Meckenheimer Vereine eher kleinere Epochen darstellen: der Männergesangverein im Biedermeier-Look, der Sportverein in der heute etwas unbequem anmutenden Sportkleidung aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die Dorfplatzhexen glänzen mit Napoleon und Josephine und deren Gefolge. Gäste aus den Partnergemeinden Grabenstätt und Lugny (Frankreich) sind dabei, Vereine aus Nachbarorten ebenfalls. Aber auch ein noch stummer Gast: die am 8. Juni gegossene Jubiläumsglocke (wir berichteten). Sie soll am 3. Oktober auf dem Meckenheimer Friedhof erstmals erklingen.

Fuhren im Oldtimer vor: Weinprinzessin Tamara Fränzle (hinten) und Verbandsgemeinde-Bürgermeister Peter Lubenau.
Fuhren im Oldtimer vor: Weinprinzessin Tamara Fränzle (hinten) und Verbandsgemeinde-Bürgermeister Peter Lubenau.
Napoleons Zeit war Thema der Dorfplatzhexen Meckenheim.
Napoleons Zeit war Thema der Dorfplatzhexen Meckenheim.
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