Neustadt Kunstmaler und „Aniliner“

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Neustadt-Gimmeldingen. Zusammen mit Peter Koch, Heinrich Deege, Ludwig Fellner und Hans Rolf Peter war der Maler Gustav Rossi einer der großen künstlerischen Chronisten Neustadts im 20. Jahrhundert. Heute vor 40 Jahren, am 12. Juli 1976, ist er in Gimmeldingen gestorben.

Rossi wurde 1898 als Nachfahre einer italienischen Kunsthandwerkerfamilie, die bereits 1723 nach Deutschland gekommen war, in Speyer geboren, verbrachte aber fast sein ganzes Leben in Gimmeldingen, woher seine Mutter stammte. Sein künstlerisches Talent blitzte bereits in der Schule auf. Später nahm ihn der Gimmeldinger Kunstmaler Peter Koch unter seine Fittiche. Die wirtschaftlich schwierigen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg verhinderten allerdings ein Kunststudium. Rossi absolvierte stattdessen eine Zink- und Steindruckerlehre und ging zur BASF, wo er 43 Jahre lang seinen Lebensunterhalt verdiente – zuletzt als Obermeister in der Werkdruckerei. Parallel dazu nahm er in Mannheim Abendkurse in Akt- und Portraitzeichnen. Wie durch ein Wunder überlebte Rossi 1921 nur leichtverletzt die große Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes der BASF. Sein Triptychon mit der Darstellung dieser Katastrophe ist heute im Besitz des Ludwigshafener Hack-Museums. Insgesamt schuf Rossi neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit wohl rund 2000 große Werke, hauptsächlich in Öl und Aquarell, aber auch anderen, teils exotischen Techniken, darunter Stillleben, Landschaften und viele Winzer- und Dorfszenen, die seine Liebe zu Pfalz dokumentieren. Stilistisch ist in seinen grafisch-streng anmutenden Werken eine große Nähe zur Neuen Sachlichkeit erkennbar, jener deutschen Kunstrichtung, die nach dem Ersten Weltkrieg die Welt des Sichtbaren in ihrer ganzen ungeschminkten Realität ins Zentrum rückte. Die große Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle im Jahr 1925, die der Epoche den Namen gab, hat Rossi auch nachweislich besucht. Allerdings fehlt bei ihm die sozialkritische Note. Der Großteil seines Nachlasses befindet sich heute im Besitz der Enkelin Christina Hardt, die ihrem Großvater als Teenager gerne beim Malen, Schnitzen und Zeichnen zugeschaut hat und ihn oft auf Spaziergängen begleitete. „Er war ein lustiger Mensch, der gern gefeiert hat, aber auch streng sein konnte und penibel war“, erinnert sie sich. In der Nachkriegszeit war Rossi, der sich mittlerweile eine Haus im Steinbruchweg gebaut hatte, Mitbegründer der Weinbruderschaft der Pfalz, deren Gästebücher er tatkräftig illustrierte. Zu vielen Künstlerkollegen pflegte er freundschaftliche Kontakte, so zu Ludwig Fellner in Königsbach, mit dem er zum Zelten in die Türkei reiste, oder zur Stammtischrunde im Mußbacher Künstlerlokal „Eselsburg“ mit dem malenden Gastwirt Fritz Wiedemann. Auch mit dem „Winzermaler“ Gustav Ernst und dem Mundartdichter Karl Räder war er verbunden. Ein Buch über Leben und Werk Gustav Rossis will der Verein „Gimmeldinger Künstlernetz“ im kommenden Frühjahr herausbringen, wie der Vorsitzende Karl Hoffmann ankündigt. Es soll die zweite Veröffentlichung der Reihe sein nach dem ersten Band über Peter Koch, der im vergangenen Jahr erschien. |awk

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