Neustadt
Kot vor dem Klo: Ärger über verschmutztes Bahnhofs-WC
An einem Sonntag im Juli macht sich Kirsten Gödeke aus Landau mit ihrem Lebensgefährten zu einer mehrtägigen Radtour auf. Dazu fahren die beiden auch mit dem Zug. Am Vormittag halten sie am Neustadter Hauptbahnhof. „Unglücklicherweise musste ich zur Toilette“, berichtet die Landauerin. Bei den Damentoiletten habe sie zunächst versehentlich das barrierefreie WC geöffnet, nachdem sie einen Euro für den Eintritt bezahlt habe. Unglücklicherweise vor allem deshalb, weil das, was sie dort sehen muss, alles andere als appetitlich ist: Vor dem Klo hat jemand einen Kothaufen hinterlassen. „Ich verließ angewidert die Kabine und löste ein weiteres Ticket für die normale Damentoilette. Sie war schmutzig, stank, es war weder Toilettenpapier vorhanden noch Papierhandtücher“, erinnert sich Gödeke.
Verärgert geht sie zu einem Bediensteten der Deutschen Bahn und spricht ihn darauf an. Er bittet sie, so erzählt sie, sich mit der Beschwerdestelle des „Rail&Fresh“-Anbieters in Verbindung zu setzen. Er habe das Gefühl, wenn er dies tue, zeige es keine Wirkung. „Auf Nachfrage sagte er, es gebe öfter Beschwerden, er habe jedoch nicht den Eindruck, dass seine Anrufe Wirkung zeigen“, so Gödeke.
„Sorgsamer Umgang nicht selbstverständlich“
„Man kennt die Situation, dass Bahnhofstoiletten dreckig sind, aber dann sind sie wenigstens kostenfrei. Wenn Geld verlangt wird, sollten aus meiner Sicht Kräfte vor Ort vorhanden sein, die die Anlage sauber halten“, fordert die Landauerin. Die Bahn entschuldigt sich auf Anfrage für die „negative Erfahrung“. Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt, sei die Nutzung der WCs am Bahnhof schon immer kostenpflichtig gewesen.
Seit 2018 betreibt die Hering Sanikonzept GmbH mit Sitz in Burbach (Siegerland) die WC-Anlage „Rail&Fresh“. Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit, dass der Reinigungszyklus abhängig sei vom Nutzeraufkommen. Daher werde die Anlage in Neustadt täglich „in einen absolut einwandfreien Reinigungszustand gesetzt“, Verbrauchsmaterialien würden aufgefüllt. Zudem kontrolliere die Objektleiterin beziehungsweise ein Servicetechniker der DB Station&Service zweimal wöchentlich stichprobenartig.
Außerplanmäßige Reinigung
„Leider müssen wir jedoch immer wieder feststellen, dass ein sorgsamer Umgang mit den WC-Anlagen nicht selbstverständlich ist“, sagt eine Sprecherin der Betreiberfirma. „Erhalten wir Meldungen über Verunreinigungen beziehungsweise Störungen oder Verstopfungen, erfolgt unverzüglich eine außerplanmäßige Sonderreinigung.“
Dem Unternehmen sei daran gelegen, die Kunden zufrieden zu stellen. Nur „sehr vereinzelt“ kämen Nutzerreklamationen bei Hering an. Die Firma reagiere dann in diesen Fällen spontan. Das bestätigt auch die Bahn. Rufen Mitarbeiter des Reisezentrums am Hauptbahnhof über eine Servicenummer bei der Betreiberfirma an, reagiere diese umgehend und veranlasse eine Zwischenreinigung. Der Neustadter Hauptbahnhof sei in Sachen Beschwerden kein Ausreißer: „Eine überdurchschnittliche Reklamationsquote gegenüber anderen WC-Anlagen ist nicht vorhanden.“