Neustadt Knuffiger Kauz und staunende Kinder

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„Die sind aber ruhig!“, wundert sich eine Erzieherin und schaut Falkner Achim Häfner an. Der sitzt vor sechs unterschiedlich großen, braunen Kisten mit Luftlöchern. „Die sind ja auch alle ausgestopft und haben einen Knopf im Ohr!“, sagt er lachend. Keine Sorge! Seine gefiederten Freunde in den Kisten sind alle lebendig und haben keinen Knopf im Ohr. Den Beweis präsentiert er sofort: „Wolke“, den knuffigen Kauz.

„Wolke“ ist noch ganz klein und erst zehn Wochen alt. Der Raufußkauz ist einer der fünf kleineren Greifvögel. Häfner hat außerdem eine Weißgesichtseule, zwei Chacowaldkäuze sowie eine schwarze Schleiereule, die angeblich schönste Eulenart der Welt, mitgebracht. Die Begeisterung der Kinder, Erzieherinnen und einiger Mütter ist an ihren entzückten Ausrufen erkennbar. „Der Raufußkauz lebt in Europa und Amerika, kann zwischen 20 und 25 Zentimeter groß werden und bis zu zwölf Jahre alt. Die Flügelspannweite beträgt rund 50 Zentimeter“, informiert Häfner und führt „Wolke“ auf seiner Hand herum. Die Kinder dürfen streicheln und Häfner lässt einige seiner Tiere flattern, als ob sie abheben wollten. Dafür lässt er sie von oben herabsinken: Das ist seine Weise der Vogelschau. „Boah“ und „Woah“ entfährt es dann allen, als Achim Häfner den Höhepunkt seiner Vogelparade aus einer der großen Kisten holt. „Frodo“, der sibirischer Uhu, ist erst sieben Monate alt und doch der größte unter Achim Häfners Greifen. „60 oder 70 Zentimeter groß kann er werden mit einer Spannweite von ungefähr 160 Zentimeter. Ein Uhu kann so bis zu 25 Jahren alt werden“, erläutert Häfner. Zudem macht „Frodo“ noch ganz schön viel Wind mit seinem kräftigen Flügelschlag, als er sich sträubt, zurück in die Kiste gebracht zu werden. Häfners europäischer Uhu ist dagegen ganz entspannt. Keiner der sieben Greifvögel im Kindergarten Frankeneck ist älter als 20 Monate. Insgesamt 22 verschiedene Greifvögel hat Achim Häfner, darunter auch Adler und Bussarde. Häfner geht mit ihnen nicht auf die Jagd. Das ist ein großer Unterschied zur normalen Falknerei. Nach seiner Lehre als Falkner in Österreich hat er sich durch Weiterbildungen, teils im Ausland, auf den Bereich Therapie spezialisiert. Der gelernte Gipser besucht mit seinen Tieren unter anderem Demenzkranke oder Menschen mit Down-Syndrom. Außerdem ist er in Hospizen unterwegs oder startet Sammelaktionen mit Hilfe der Tiere für Kindergärten. Dies ist alles aber nur möglich durch die enge Bindung zwischen dem Falkner und seinen gefiederten Freunden. „Ich habe einen sehr familiären Bezug zu meinen Tieren“, ergänzt er. Fast alle Greifvögel hat er mit vier oder sieben Tagen aufgenommen und mit Spritze und Pinzette aufgezogen. Zur Vermeidung von Stress führt Häfner die Tiere an ungewöhnliche Situationen und Geräusche auf seiner „Ranch“ heran. Dadurch bleiben sie auch bei lauten Veranstaltungen, wie etwa Mittelaltermärkten, selbst ziemlich ruhig. „Greifvögel fliegen nur, wenn sie Hunger haben und jagen müssen“, weiß Achim Häfner. Das ist allerdings nicht nötig, da sie auf seiner „Ranch“ gefüttert werden. Trotz allem haben seine Tiere die Möglichkeit, sich frei auf dem Gelände zu bewegen und zu fliegen. Aufgrund von Platzmangel auf der „Ranch“ leben einige der 22 Greifvögel bei Freunden des Falkners. Er sucht deswegen gerade ein größeres Grundstück oder einen Sponsor. Die letzten Fotos und Streicheleinheiten der Kinder, dann packt Häfner seine Kauze und Eule wieder ein. „Eine ältere Dame hat meine Art der Falknerei einmal als ,Softfalknerei’ bezeichnet“, erzählt Achim Häfner schmunzelnd. Er möchte schlicht sein Wissen weitergeben und die Falknerei in einem anderen Licht zeigen.

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