Neustadt
Kalmit-Klapprad-Cup: Treffen von Popeye, den Daltons, Lucky Luke und Aquaman
Radsport: Illustre Gestalten haben am Samstag die Kalmit nicht nur bevölkert. Schlümpfe, jede Menge Popeyes mitsamt der Geliebten Olivia, die Biene Maja, Minnie Maus, zahlreiche Panzerknacker, Super-, Bat- und Spidermänner sind auf den höchsten Berg im Pfälzerwald geradelt. Auf Klapprädern. Auf dem Weg zurück zum Start nach dem Rennen hat sich ein Teilnehmer bei einem Sturz verletzt.
Maikammer. Maikammer. Bevor aber der Startschuss zum 28. Kalmit-Klapprad-Cup unter dem Motto „Ich bin de Klapp-Män“ fällt, bevor es auf dem Comicstrip vom Ortsausgang bei Maikammer hinauf zum Parkplatz unterhalb des Kalmitgipfels geht, sind alle Comic-Helden mit letzten Vorbereitungen beschäftigt. Zum Beispiel stellen sie sich den Juroren: Die dreisten Drei sitzen auf einem Lkw hinter einem Sicherheitszaun aus Draht. „Manchmal ist es ein bisschen gefährlich“, erklärt Simone, die dreiste Eins, die Vorkehrung und deutet an, dass es Beschimpfungen oder auch Bestechungen geben könnte. „Aber Geldgeschenke passen immer noch durch das Gitter“, flüstert sie verstohlen.
Währenddessen haben sich ein Popeye und seine Olivia, beide aus Neustadt, vor dem Lkw in Pose gebracht. Die drei Juroren heben anerkennend Schilder hoch: „Wow.“ – „Klapp.“ Aber manchmal, erzählt Christoph, die dreiste Zwei, müsse man auch wegen der Kostümierung nachfragen. Den beiden sonnenbebrillten Männern in bunten Comicanzügen zeigen sie entsprechen ein Schild mit drei Fragezeichen. „Ich bin doch de Klapp-Män“, kommt prompt die empörte Antwort und löst damit auf dem Lkw großes Gelächter aus.
Die vier Männer im mobilen Gefängnis, dem Kalmit-Jailhouse, können sich der Aufmerksamkeit nicht nur der Juroren sicher sein. Joe, Jack, William und Averell werden nicht mehr gesucht. „Lucky Luke hat uns eingebuchtet“, erzählten die Pedaltons, die aus Deidesheim, Neustadt und Frankenthal kommen. Immerhin, sie sind zwar hinter Gittern, doch haben sie ein Dach über dem Kopf.
Das ist beim Regen vor dem Start ein kleiner Vorteil. Fix und Foxi hingegen müssen ihre überdimensionierten Comic-Hefte fix mit Plastikfolie schützen, bevor diese aufweichen. „Wir sind jetzt schon fix und foxi“, verraten sie lachend. Denn das Heftgestell, das Fix alias Tom aus Ludwigshafen, trägt, ist zehn Kilogramm schwer. Foxi beziehungsweise Holger hat es da etwas leichter. Sein 1,60 mal 1,14 Meter großes Comic-Heft hat nicht wie bei Fix einen Holzrahmen, sondern einen aus Kunststoff-Wasserrohren. „Holger ist halt Ingenieur, und ich bin BWLer“, erzählt Fix beziehungsweise Tom schmunzelnd und nimmt sein Schicksal gelassen. Die Hefte, die sie wie einen Rucksack tragen, erzählen übrigens nicht irgendeine Geschichte, sondern „Fix und Foxi, das Radrennen“. Ihre riesigen Fix- und Foxi-Köpfe sind immerhin gleich schwer, bestehen aus Gips und Pappe. Doch sie erweisen sich später auf der Strecke nicht unbedingt als radsporttauglich. Zumindest nicht bei Fix, dem unterwegs die Nase abhandengekommen ist. „Mir ist der Kopf verrutscht, ich habe ihn abnehmen müssen“, erzählt er im Ziel Foxi. Unterwegs hätten sie aber nur mal kurz die Räder schieben müssen.
Aus Aschaffenburg sind Guido als Popeye, Claus als Dose Spinat und ihr Wohnmobilfahrer Dirk angereist. „Was unser Fahrer macht, wissen wir noch nicht“, sagen Guido und Claus und schauen interessiert zu ihrem Kumpel, an dessen Lenker am Fahrrad ein „Pozzblizz“ zu lesen ist. „Ich habe auch meine Frau dabei – sie wird auf meinem Rücken sitzen“, informiert Popeye und holt eine als Olivia verkleidete Gummipuppe aus dem Wohnmobil. „Privat wird sie anders genutzt“, verrät er schmunzelnd.
Die Aschaffenburger sind – wie viele andere auch – Wiederholungstäter beim Kalmit-Klapprad-Cup, sind seit vier Jahren dabei. 2015 seien sie zum Mountainbiken hier gewesen, als sie plötzlich viel Krach mitten im Wald gehört hätten. „Wir haben zugeschaut beim Tanz der Scharniere, und ein Jahr später haben wir schon mitgemacht“, erzählen sie gut gelaunt.
Schnellster Klappradfahrer ist übrigens wie 2018 der Venninger Luca Jabczynski. Er spürt auf dem Weg nach oben allerdings stets den Atem von Piggeldy und Frederick im Nacken. Die zwei Schweine sind auf einem mit Stroh beladenem Tandem unterwegs. Die beiden Brüder Jan (aus Erbes-Büdesheim) und Björn (aus Kaiserslautern) sind früher einzeln gestartet. „Als wir gemerkt haben, dass wir alleine nicht konkurrenzfähig sind, haben wir uns zusammengetan“, berichten sie. Das habe sich bewährt. Doch wie schnell ein jeder hinauf braucht, spielt nicht wirklich eine Rolle. Es gibt seit ein paar Jahren auch keine Zeitnahme mehr beim Kalmit-Klapprad-Cup. „Die Besten kommen zum Schluss ins Ziel“, betont Foxi. „Weil sie die beste Verkleidung haben.“
Ein 48-jähriger Klappradfahrer ist nach dem Rennen auf dem Weg zurück zum Start schwer gestürzt und musste laut Polizei „mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen“ per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Der Mann war auf einen vorausfahrenden Radfahrer aufgefahren. „In der Ausschreibung weisen wir darauf hin, dass jeder zu Fuß zurück zum Start gehen soll“, betont Holger Gockel, stellvertretender Vorsitzender des ausrichtenden Pfälzer Klappvereins. Die Organisatoren nähmen das jetzt zum Anlass zu überlegen, wie der Rückweg nach dem Rennen noch sicherer gemacht werden kann.