Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kabitz-Ensembles singen Bachs h-Moll-Messe im Weingut Bürklin-Wolf

Mit einem Maximum an nadelscharfer Artikulation und dynamischer Flexibilität agierten Kabitz’ Ensembles auf der Bühne.
Mit einem Maximum an nadelscharfer Artikulation und dynamischer Flexibilität agierten Kabitz’ Ensembles auf der Bühne.

Gleich mehrere Ensembles des Münchener Kirchenmusikdirektors Christian Kabitz trafen sich auf der Bühne der Kulturscheune bei Bürklin-Wolf.

Auch wenn die Bühnenkulisse in der Kulturscheune des Weinguts eher den Charme eines Musikantenstadls verströmte – was sich da auf dem Podium am Sonntagabend für zwei kompakte Stunden an tieflotendem kirchenmusikalischem Kosmos entfaltete, war schlicht überwältigend. Mit der Wiedergabe der h-Moll Messe, dem über fast ein Vierteljahrhundert gereiften Opus Magnum von Johann Sebastian Bach, bereitete sich Christian Kabitz dem Publikum und sich selbst zum 75. Geburtstag ein besonderes Geschenk. Mitwirkende in seinem hochkarätig besetzten Aufführungskader war neben dem Solisten-Quintett und den Münchner Bach-Solisten das Ensemble Amici Cantanti, das sich aus Mitgliedern der Bach-Chöre in Heidelberg und Würzburg sowie des Cäcilienchors Frankfurt rekrutiert.

Kabitz h-Moll Messe dauerte mit kleiner Stimmpause genau zwei Stunden, was ein Licht auf seine durchweg straffen Tempi wirft, die aber niemals exaltiert akrobatisch wirkten, sondern frisch und leidenschaftlich daherkamen. Denn Kabitz achtete bei allem Furor streng auf Transparenz und verordnete seinen Ensembles ein Maximum an nadelscharfer Artikulation und dynamischer Flexibilität. Derart wirkmächtig und unter die Haut greifend hat man etwa den Übergang vom grabestiefen „Crucifixus“ zum explodierenden „Et resurrexit“ kaum je gehört.

Elitäres Level

Überhaupt agierte Kabitz Chorgemeinschaft auf recht elitärem Level. Die Intonation war bestechend, die Außenstimmen pflanzten ihre Eckpfeiler in Höhe und Tiefe mühe- und makellos, die Mittelstimmen bewegten sich klangintensiv und gerundet. Und es wurde durchweg auf dezidiert textbezogene und akzentuierte Weise musiziert. Steigerung und Abschwung, rasantes Tempo und tiefe Innerlichkeit griffen organisch ineinander.

Mit den Münchner Bachsolisten stand den Vokalisten ein Klangkörper zur Seite, der weit mehr als nur solides Fundament für die Vokalisten bot, sondern einen originären Klang zwischen pastoser Rundung und auftrumpfender Brillanz offerierte. Und obendrein mit reichlich solistischer Präsenz aufwartete, etwa in den Flöten, den Oboen und Fagotten. Auch das Quintett der Vokalsolisten war vom Feinsten: Judith Wiesebrock, die nicht allein ihr leuchtendes Höhenregister mit perlend geschmeidigem Sopran offerierte. Louise Lotte Edler, deren charaktervoller, sehr markanter Mezzo nebst ihrer gestalterischen Trittsicherheit nicht zuletzt das „Laudamus“ zum Hochgenuss stilisierte und der Bass Hanno Müller-Brachmann, der sowohl die „Quoniam“-Arie – im Duett mit der fantastischen Solo-Geigerin Olga Pogorelowa – als auch die eher baritonale „Et in spiritum sanctum“-Arie in sattem Klang und mit eindrucksvollem gestalterischem Zugriff meisterte.

Mit lichtem Timbre und geschmeidiger Höhe wartete auch der Tenor Christian Heidecker, wenn auch sein „Benedictus“ etwas buchstabiert und zu wenig inspiriert daherkam. Tobias Hechler, ein junger, überaus trittsicherer Counter mit sicher großartigen Karriereprognosen, bewarb sein Stimmfach prinzipiell famos. Freilich, mit den klanglichen Schärfen, nicht allein der Raumakustik geschuldet, musste man sich anfreunden. Zum nachdrücklich Wärme und Sotto Voce vermittelnden „Agnus Dei“ wollte der nadelscharfe Duktus einfach nicht passen.

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