Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Künstlerin verliert bei Brand fast alles Hab und Gut: „Ich stand in den Trümmern meines Lebens“

Die Rückansicht des Hauses zeigt, wie stark es vom Feuer zerstört wurde.
Die Rückansicht des Hauses zeigt, wie stark es vom Feuer zerstört wurde.

Ein Anruf Mitte März änderte das Leben von Dominique Christine Fürst: Das Haus, in dem sie in der Neustadter Siegfriedstraße lebte, stand in Flammen.

Dominique Christine Fürst spielt am Sonntagabend, 16. März, gerade Kontrabass, als ihr Handy klingelt. Die freischaffende Künstlerin probt im südhessischen Groß-Gerau gemeinsam mit ihren zwei Kolleginnen, mit denen sie das Trio „The Rubinettes“ bildet. Am Morgen war sie dafür mit ihrem Hund und ihrem Instrument aus ihrer Wohnung in der Neustadter Siegfriedstraße aufgebrochen. Nun also ein Anruf mit einer Neustadter Vorwahl. „Ich fand das direkt seltsam“, sagt sie in der Rückschau, denn Freunde und Verwandte sind mit Namen eingespeichert. Deshalb unterbrach sie die Probe, rief zurück – und hatte die Polizei Neustadt am anderen Ende. Der Polizist wollte wissen, ob sie oder jemand anderes in ihrer Wohnung sei. Denn das Haus brenne. Wie schlimm, konnte er nicht sagen. Fürst legte auf und sagte zu ihren Kolleginnen: „Bei mir brennt’s!“ Es sei eine völlig absurde Situation gewesen.

Sie rief dann ihre Eltern in Mußbach an, bat sie, sich ein Bild vor Ort zu machen. Die 38-Jährige setzte danach die für sie wichtige Probe fort, das sei auch eine Art Beschäftigungstherapie gewesen, erklärt sie dazu. Effektiv sei es aber nicht gewesen, mit den Gedanken war sie woanders.

Erst vor Ort realisierte Fürst das Ausmaß

In Neustadt bekämpfte derweil die Feuerwehr bis kurz vor Mitternacht das Feuer. Zuvor hatten die Einsatzkräfte zwei junge Männer mit der Drehleiter aus dem Dachgeschoss gerettet, eine ältere Frau konnte sich selbst aus ihrer Wohnung im ersten Stock retten. Als Brandursache hält die Polizei mittlerweile unsachgemäßen Umgang mit Feuer für wahrscheinlich, die Ermittlungen laufen.

 Dominique Christine Fürst (links) und Anne Dorwarth.
Dominique Christine Fürst (links) und Anne Dorwarth.

Fürst verbrachte die erste Nacht auf dem Sofa ihrer Eltern. Diese waren zuvor nicht besonders nahe an die Brandstelle rangekommen, hatten aber die Hoffnung, dass es die Erdgeschosswohnung der Tochter nicht so schlimm erwischt hatte. Montags fuhren sie gemeinsam in die Siegfriedstraße. Von der Straßenseite sah das Gebäude gar nicht so mitgenommen aus. Doch dann entdeckte die Künstlerin, dass vor dem Haus zwei ihrer Schränke lagen, einer davon verkohlt, sowie ihre Wohnzimmerstühle. Die Feuerwehr hatte auf der Suche nach Glutnestern Mobiliar rausräumen müssen. „Das war der Moment, in dem ich realisiert habe: Das sieht gar nicht gut aus.“ Als sie kurz danach die Rückansicht des Hauses sah, bestätigte sich, wie verheerend das Feuer gewütet hat.

Nur wenig ließ sich retten

Ins Gebäude rein konnte sie erst dienstags, und „dann stand ich in den Trümmern meines Lebens, meiner Erinnerungen“, sagt sie. Zwar hatten die Flammen nur einen Teil ihrer Wohnung erreicht, aber das Löschwasser war überall. Aus ihrem Wasserbett war eine Art offenes Wasserbecken geworden. In der trüben Brühe trieb ein Teil ihres Schmucks. Möbelstücke aus den 1950ern, die sie selbst restauriert hatte, waren unrettbar beschädigt. Die studierte Schauspielerin und Jazzsängerin hat zudem viel verloren, was sie für ihren Beruf braucht: Kostüme, Instrumente, Technik. Einiges davon war im Keller gelagert, doch auch dieser wurde in Mitleidenschaft gezogen. Für manches davon besteht Hoffnung: Was dicht verpackt war, konnte sie wieder mitnehmen. „Jetzt muss man sehen, ob man den Geruch rauskriegt“, sagt sie. Ihr Laptop, den sie tropfnass einsteckte, ist nicht mehr zu gebrauchen. Immerhin konnte ein Bekannter die meisten wichtigen Daten retten, etwa Sound-Dateien; Musik, die die Künstlerin geschrieben hat.

Das zerstörte Schlafzimmer von Fürst.
Das zerstörte Schlafzimmer von Fürst.

In der Wohnung stieß sie immer wieder auf Dinge, die einen hohen emotionalen Wert für sie hatten und die nun zerstört sind. Das sei schlimmer als die materiellen Verluste, betont sie. Doch auch die wiegen schwer. Denn Fürst hat keine Hausratversicherung.

Spendenaktion auf Internetplattform

Ihre Freundin Anne Dorwath hat deshalb auf der Plattform gofundme.com eine Spendenaktion gestartet. Innerhalb weniger Tage kamen dort mehrere tausend Euro zusammen.

Deswegen bezeichnet Fürst die zurückliegenden Tage als Achterbahnfahrt. „Da ist einerseits der Schock, die große Traurigkeit, die Hilflosigkeit.“ Andererseits sei die Unterstützung und Anteilnahme, die sie erfahren habe, enorm. Es hätten Menschen gespendet, „von denen ich weiß, dass sie selbst nicht viel haben“. Dorwarth sagt, auch sie sei berührt vom Ausmaß der Unterstützung. So habe es etwa eine Spende von Eltern gegeben, deren Kind in die gleiche Schule wie Fürst gegangen sei, aber vier Jahrgänge drunter war. „Es ist krass, was für ein Rückhalt da ist“, fügt sie an.

Ein Buffet aus den 50ern, das Fürst restauriert hatte, ist unbrauchbar geworden.
Ein Buffet aus den 50ern, das Fürst restauriert hatte, ist unbrauchbar geworden.

Die beiden Frauen sagen, sie kämen kaum damit nach, sich für die Spenden jeweils zu bedanken, aber auch Fragen zu beantworten und über die Verwendung des Geldes zu berichten. Ihnen ist auch wichtig, auf eine Besonderheit der Plattform hinzuweisen: Diese sei so programmiert, dass zunächst ein niedrigeres Spendenziel aufgeführt werde, das dann automatisch höher wird. Es sei also nicht etwa so, dass sie das Spendenziel selbst immer wieder erhöht hätten, weil es gut lief.

Neuer Blick auf viele Dinge

Wie geht es für Fürst jetzt weiter? Nach der Nacht auf dem elterlichen Sofa kam sie zunächst in einem Hotel unter, in dem sie einen Nebenjob hat. Mittlerweile wohnt sie im leerstehenden Haus eines Bekannten, sucht aber eine Wohnung. Von der Stadt sei ihr da auch schnell Hilfe angeboten worden, lobt Fürst. Bürgermeister Stefan Ulrich habe sich gemeldet und ihre Kontaktdaten an die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) weitergeleitet.

Neben der Frage, wo sie eine Wohnung findet und wie sie sich wieder einen Hausstand aufbaut, beschäftigen die Neustadterin auch andere Fragen: „Will ich noch mal Zeit und Energie und Herzblut ins Restaurieren von Möbeln stecken?“, nennt sie ein Beispiel. Das Feuer habe ihren Blick auf sehr viele Dinge verändert.

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