Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Jürgen Pelgen geht in den Ruhestand: „Die Metzgerei war mein Leben“

Führten jahrzehntelang den Familienbetrieb in der Kellereistraße: das Ehepaar Ute und Jürgen Pelgen.
Führten jahrzehntelang den Familienbetrieb in der Kellereistraße: das Ehepaar Ute und Jürgen Pelgen.

Ende Juni geht in der Kellereistraße eine Ära zu Ende: Die Traditionsmetzgerei Pelgen schließt. Zum Abschied spricht Inhaber Jürgen Pelgen über seine Leidenschaft fürs Handwerk, gut gehütete Familiengeheimnisse und darüber, was ihm ohne sein Geschäft fehlen wird.

Seit 56 Jahren ist die Metzgerei Pelgen eine feste Größe in der Neustadter Innenstadt. „Meine Eltern hatten schon vorher eine Metzgerei in Frankenthal“, erinnert sich Jürgen Pelgen, der 1993 das Geschäft in der Kellereistraße 9 von seinem Vater übernommen hat und es seither gemeinsam mit seiner Frau Ute Pelgen, seiner Schwester und seinem Sohn als Familienbetrieb führt.

Die Eltern waren Diedesfelder, gläubig und regelmäßig in der Kirche – zumindest wenn der Vater sonntags rechtzeitig wieder zu Hause war. Denn jede Woche fuhr er auf den Lebendviehmarkt, um Großvieh wie Bullen oder Kühe sowie Schweine zu kaufen. „Das war für uns als Kind natürlich viel interessanter als die Messe“, erzählt Pelgen, „das war ein Erlebnis mit den ganzen Tieren.“ Und für den Metzgersohn eine gute Schule. Beim Handeln auf dem Markt lernte er zum Beispiel, wo genau er das Tier anfassen muss, um zu merken, wie viel Fett es hat.

„Würzen ist eine Gabe“

Der Metzgermeister hat das Gefühl, dass das traditionelle Wissen seines Handwerks immer mehr in Vergessenheit gerate, dass es den Jüngeren oft an Geduld fehle. „Man kann einen Schinken in 14 Tagen oder 14 Monaten machen, aber man schmeckt den Unterschied.“ Worauf es als Metzger ankommt, lernte Pelgen von der Pike auf. Dass er, seine Zwillingsschwester und sein älterer Bruder in der Kindheit im elterlichen Metzgereibetrieb mithalfen, sei für ihn selbstverständlich gewesen, sagt Pelgen. „Wir haben zum Beispiel geholfen, das Kühlhaus auszuräumen oder Blut zu rühren, das war für uns nie wie Arbeit.“

Würste herzustellen, das habe ihn schon immer fasziniert. „Es ist meine Leidenschaft“, sagt der 68-Jährige, „ich war schon in der Lehre auf der Überholspur, weil ich den Beruf liebe.“ Nicht jeder könne eine Spitzenwurst machen, man brauche im Metzgerhandwerk Fachwissen, Fingerfertigkeit und Muskelkraft – und sicherlich Talent. „Das Würzen ist eine Gabe, die kann man nicht lernen“, betont Pelgen. Ein paar Grundvoraussetzungen gebe es aber schon: „frisches Ausgangsmaterial von guter Qualität statt Billigfleisch und die richtige Zubereitung“.

Wurst von morgens bis abends

In der Metzgerei Pelgen seien Pfälzer Spezialitäten immer gut nachgefragt worden. Der Trend gehe auch zu magereren Würsten. „In der Pfalz wird generell viel Muskat verwendet“, weiß der Metzgermeister. Und auch, dass man eine echte Pfälzer Bratwurst daran erkennt, dass sie beim Braten auseinanderfällt. „Die wird nämlich ohne Phosphat gemacht.“ Natürlich habe er über die Jahrzehnte immer wieder Augen und Ohren offen gehalten und geschaut, was andere machten. Genau wie er verrate aber niemand seine Erfolgsgeheimnisse. Trotz der wohl gehüteten Familienrezepte müsse man sich als selbstständiger Metzger immer wieder neu erfinden, sagt Pelgen. Seine Devise: ausprobieren. „Ich lasse die Kunden testen, frage nach und weiß dann, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Eine Spitzenwurst kann man nicht im Lehrbuch finden.“

Wer sich als selbstständiger Metzger durchsetzen wolle, müsse „200 Prozent hintendran stehen“, sagt Pelgen. Selbst zu schlachten und Wurst zu machen, koste viel Zeit und Geld. Er könne sich nicht erinnern, mal an einem Feiertag nicht gearbeitet zu haben, viele Tage habe er von halb 5 morgens bis 11 Uhr abends Wurst gemacht. „Mit eigenem Geschäft darf dir nichts zu viel sein.“

Letzter Tag: 30. Juni

Das frühe Aufstehen werde ihm im anstehenden Ruhestand nicht fehlen, er „werde ja auch älter“, sagt der 68-Jährige. Große Pläne für die Rente habe er noch nicht, außer „mal die Seele baumeln zu lassen“. Für Hobbys habe er nie Zeit gehabt, er koche aber jeden Tag für seine Familie. Und er habe sich alles, was er zur Wurstproduktion braucht, bereits in kleinerer Ausführung bestellt, damit er und seine Familie weiter die eigenen Fleischwaren genießen können.

Kunden müssen sich dagegen ranhalten: Am Samstag, 30. Juni, ist die Metzgerei Pelgen zum letzten Mal geöffnet. Bis dahin werden Bestände nach und nach leerverkauft. Und was wird der Chef vermissen, wenn sich die Türen seiner Metzgerei für immer schließen? Pelgen muss auf diese Frage hin mit den Tränen kämpfen und kann sie letztlich doch nicht zurückhalten. „Meine Kunden, ihr Lob, mein Geschäft, die ganze Arbeit“, zählt der 68-Jährige auf, „die Metzgerei war mein Leben.“ Deshalb denke er darüber nach, vielleicht seinen Partyservice wieder aufleben zu lassen. Ganz aufzuhören, das kann sich der Metzger aus Leidenschaft wohl nur schwer vorstellen.

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