Deidesheim
Intonation: Endlich wieder Keramikkunst hautnah erleben
„Nicht März, nicht Mai, nicht Juni, der Oktober ist es jetzt endlich geworden“, schildert Keramikkünstlerin Friederike Zeit Narum die Odyssee der Planungen zur „17. Intonation“, den Deidesheimer Kunsttagen, nach dem „dramatischen, coronabedingten Abbruch des Symposiums im letzten Jahr“. Durch die anschließenden coronabedingten Absagen sei es eine ganz besondere Herausforderung gewesen, das Künstler-Zusammentreffen gemeinsam mit ihrem Mann, dem Keramikkünstler Svein Narum, zu planen und zu organisieren.
Zehn Tage können nun wieder eingeladene, internationale Keramikkünstler an neuen Werken arbeiten, Objekte ausstellen und sich mit Publikum austauschen. Große Geduld und Optimismus hätten alle beteiligten Künstler gezeigt, ist Zeit Narum dankbar. Umso größer sei jetzt die Freude über die anreisenden Kolleginnen und Kollegen, verbunden mit der Hoffnung „auf zahlreich erscheinende Besucher“. Ihnen wollten sich die Künstler außer bei der Arbeit und mit ihren ausgestellten Werken auch in Vorträgen während des Symposiums vorstellen. „Wir wünschen uns sehr, die Leute nach dieser Kunststille wieder zu motivieren, sich auf den Weg zu uns zu machen“, hofft Zeit Narum.
Interesse für Kunst wecken
„Bei ganz vielen Menschen konnten wir in den zurückliegenden 16 Jahren durch die Intonation schon das Interesse und die Begeisterung für Kunst wecken“, freut sie sich. Denn durch den offenen Austausch entstünde in der sehr persönlichen Atmosphäre viel Verständnis für die Ideen und Arbeitsvorgänge. Die Kunstschaffenden teilten sich auf, um im freundlichen Ambiente in ihrem Deidesheimer Studio „ZeitundNarum“ oder der nahegelegenen, lichtdurchfluteten ehemaligen Synagoge konzentriert und doch entspannt zu arbeiten.
In diesem Jahr reisten hierfür Janina Myronova aus Polen, Kirsten Jäschke und die gebürtige Koreanerin Hyunjin Kim aus Deutschland, Reinhilde van Grieken aus Belgien und Dylan Bowen aus England an. Vervollständigt wird das Team mit den Gastgebern Friederike Zeit Narum und Svein Narum. Über Monate oder Jahre beobachte sie oftmals den Werdegang der Kollegen, bis sie glaube, dass die professionellen Keramikschöpfer in den Rahmen der Intonation passen und sie sich im kleinen, familiären Kreis intensiv auf ihre Arbeit mit dem Material Ton einlassen könnten, schildert Zeit Narum. Unterkunft, Material und Verpflegung würden gestellt. Jeder bringe fertige Arbeiten mit, die vom ersten Tag an in einer Ausstellung präsentiert würden, erklärt sie das bewährte Konzept. 54 Künstler aus 27 Ländern seien so schon in Deidesheim gewesen, mit denen sich teilweise auch langjährige Freundschaften entwickelt hätten. Die Mischung aus Neuzugängen mit bereits bekannten Teilnehmern verbinde Vertrautes mit überraschenden Erfahrungen.
Viele Facetten der Keramik
Myronova fände als Weltreisende mit Fangemeinden in Dänemark, Korea, Spanien und Amerika erstmals den Weg nach Deidesheim, freut sich Zeit Narum. „Ihre pummeligen, anatomisch unkorrekten Figuren haben eine eigene Geschichte, sie nennt sie „graphic novel“, erklärt die Atelierchefin. Hyunjin Kims Plastiken dagegen erzählten von organischen Formen. Gefühle werden als lebende Organismen beschrieben, die sich permanent verändern und über immer wieder verbundene Linien weiterwachsen. „Reinhilde van Griekens keramische Plastiken unterscheiden sich oft sehr voneinander. Sie weigert sich, wiedererkennbar zu sein“, erklärt Zeit Narum. So überrasche Grieken sogar sich selbst, wenn sie ihre Ideen fließen lasse und Gebilde ebenso üppig überladen wie in strengen Formen, schlicht, ganz ohne Ausschmückungen entstünden. Bereits mehrfach dabei gewesen seien Jäschke und Bowen. Jäschke arbeite an ihren „moon jars“, den Mondgefäßen, an denen sie sich auf die Suche nach der idealen Form begebe. Sie reise anstelle des spanischen Keramikkünstlers Julen Ussia Guillén an. Bowen gelte als Meister der gebrannten Tonware, der „Energie und Spontanität auf den Ton bringt“, begeistert sich die Studiochefin über die schwungvollen Ausarbeitungen. Sie selbst arbeite sehr farbig, mit vielen Perspektivwechseln und Dynamik in ihren Keramikwerken. Währenddessen kreiere ihr norwegischer Mann – wie Bowen Meister der „Slipware“ – alltagstaugliche Werke, aber dennoch sinnlich und leidenschaftlich geformt.
Auch dank der zahlreichen Unterstützer hätten sich die Deidesheimer Kunsttage so erfolgreich bis hin zum touristischen Bonus nicht nur für die Stadt entwickelt. So mancher Besucher habe schon die Chance genutzt, die Pfalz etwas besser kennenzulernen und Symposiumsbesuche mit Übernachtungen und Wanderungen zu verbinden. Auch für die internationale Künstlerschar gebe es immer etwas Pfalzprogramm, soweit es die Keramikarbeit zulasse.
Info
Die 17. Intonation, ein internationales Symposium mit Schwerpunkt Keramische Plastik, kann von Gästen vom 15. bis 24. Oktober täglich von 15 bis 18 Uhr sowie nach telefonischer Absprache besucht werden; Vorträge der internationalen Künstler finden am 23. und 24. Oktober ab 13 Uhr und die Finissage am 24. Oktober ab 12 Uhr statt; es gelten die aktuellen Coronavorschriften. www.friederikezeit.de, www.intonation-deidesheim.de.