Neustadt Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt

In den Medien können wir den rasanten Aufstieg und tiefen Fall von Personen verfolgen. Zunächst werden Personen auf einen Thron gehoben, von den Massen nahezu vergöttert. Denken wir da an die Fahrradlegenden Jan Ullrich und Lance Armstrong, Politiker wie Theodor zu Guttenberg und viele weitere. Doch dann begehen sie in den Augen der Öffentlichkeit einen Fehler oder haben wirklich etwas Verwerfliches getan, und schon geht der Aufzug mit dem sie eben noch steil nach oben gefahren sind, in den freien Fall über. In diesem Moment fallen die Medien mit Sonderberichten und -sendungen über sie her, und oft bleibt kein gutes Haar mehr an der Person zurück. Vor fast 2000 Jahren durchlitt Jesus etwas ganz ähnliches. Ungefragt wurde er bei seiner Ankunft in Jerusalem als König begrüßt, und die Massen jubelten ihm zu. Und nur wenige Tage später forderte die gleiche Menschenmenge – aufgewiegelt von ein paar wenigen – seinen Tod. Mit dem Unterschied, dass Jesus sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. Was auch seinem Richter Pontius Pilatus damals schon klar war. Dennoch gab er dem öffentlichen Druck nach. Wer von uns kennt nicht diese beiden Gegensätze? Vielleicht nicht durch die Medien, aber im eigenen Umfeld. In dem einen Moment ist man noch oben auf und im nächsten am Boden zerstört. Wenn man selbst, aufgrund eines Versäumnisses, in diese fast automatisierten Mühlen der Meinungsmache gerät, wie gut tut uns da ein aufbauendes Wort von einem Menschen, der uns den Blick wieder weitet und uns ins Leben hilft! An Palmsonntag denkt die Kirche daran, wie Jesus nach oben gejubelt wurde, und an Karfreitag gedenkt sie seines Todes. Vielleicht können uns die zwei Feiertage dabei helfen, aus diesem Schwarz-weiß-Denken heraus zu kommen. In dem wir Menschen, die sich gerade im freien Fall befinden, die Hand reichen, und so versuchen, ihren Fall zu bremsen. Dieses Dasein für andere, die offensichtlich was falsch gemacht haben, nennt die Kirche auch Barmherzigkeit. Und mit dieser Gesinnung hilft man Menschen wieder ins Leben. Das Leben, dass wir an Ostern in besonderer Weise feiern. Der Autor Johannes Müller, Gemeindediakon in der Pfarrei Hl. Klara von Assisi in Haßloch.