Neustadt
Hans Gareis’ neue Pläne für seinen Verlag
Als Schritt von einem kleinen Hobby-Verlag zu etwas Größerem beschreibt Hans Gareis die neue Ausrichtung selbst – wobei allerdings vollkommen klar sei, dass man vom Bücher-Machen auch weiterhin allein nicht leben könne, so der Ur-Neustadter, der am 18. Januar gerade 64 geworden ist. Seine in einem im Familienbesitz befindlichen Gebäude in der Hambacher Weinstraße beheimatete Firma Gareis Marketing Media verdient ihr Geld vor allem mit der Gestaltung von Internet-Auftritten bis hin zu Corporate-Identity-Komplettlösungen, wie unlängst für die Stadt Deidesheim (Motto: „Deidesheim – da will ich sein“). In seinem Wohnort Maikammer schuf Gareis unter anderem das Design für das Kulturprogramm und die Homepage der Ortsvinothek. Auch das äußere Erscheinungsbild des frisch renovierten Schwimmbads dort geht auf seine Ideen zurück.
Ein entscheidender Impuls durch Bürgermeister Dörr
Der Deidesheimer Stadtbürgermeister Manfred Dörr war es auch, der letztlich nun den Anstoß zur Verlagsexpansion gegeben hat. Gareis war 2021 mit der Idee eines Kinderbuchs zum Thema Città Slow an Dörr herangetreten, und der zeigte sich sofort so begeistert, dass er das Projekt gleich bei der Herbsttagung des Netzwerks lebenswerter Städte vorstellte, wo es dann ebenfalls enthusiastisch aufgenommen wurde. Das Buch, das Kindern Themen wie Nachhaltigkeit, Artenschutz und Regionalität bei der Ernährung nahebringen will, soll in der zweiten Jahreshälfte erscheinen und gab den Impuls, den Auftritt des Verlags zu vergrößern, wie Gareis erklärt.
Michael Wendler als neuer Partner
In den elf Jahren seines bisherigen Bestehens veröffentlichte er in seiner „Edition G****“ genau 20 Bücher. Das soll sich nun steigern, wozu er sich mit dem Mannheimer Kommunikationsdesigner Michael Wendler nun auch einen Partner mit ins Boot geholt hat. Der unlängst erschienene zweite Band von Michael Saengers „Leben und Sterben in Piter“-Trilogie (siehe Artikel hier) war das erste Projekt des neuen Duos. „Ich habe mich gefreut, endlich mal wieder intensiv mit einem Text zu arbeiten“, sagt Wendler, der seinen Lebensunterhalt wie Gareis normalerweise mit Werbung im weitesten Sinne bestreitet.
Der 54-Jährige, der ein wenig damit hadert, dass er derzeit oft mit einem bekannten Schlagersänger und Corona-Leugner gleichen Namens verwechselt wird, betreibt seit 2017 in Mannheim eine Agentur, die künftig als zweiter Standort des Verlags fungieren wird. Hans Gareis kennt er allerdings schon seit dessen Zeit bei Brockhaus-Duden. „Die Chemie stimmt“, sagen beide über ihre bisherige Zusammenarbeit. Dazu gehörte auch die Gestaltung einer eigenen Homepage für die „Edition G“, die ihren Namen behalten, aber künftig auf ihre Sternchen verzichten wird.
„Größer denken“ lautet das neue Motto der „Edition G“
Sie ist just am Dienstag online gegangen und listet alle lieferbaren Bücher des Verlags auf sowie alle Autoren und Künstler, die Gareis im Programm hat – von B wie Benjamin Burkard, einem jungen Maler aus Kandel, der 2014 mit einem Katalog geehrt wurde, bis zu W wie Frank Witzel, einem ziemlich unkonventionellen Pfarrer aus dem Kleinwalsertal, der zwei Bände zur Ratgeber-Reihe „Theologie leben“ beisteuerte. Insgesamt ist das Angebot aber noch überschaubar und umfasst vor allem regionale Autoren wie die Neustadter Schriftstellerin Usch Kiausch und den Maikammerer Mediziner Andreas Hecke. Gareis und Wendler streben deshalb zunächst einmal eine Verdopplung der jährlichen Produktion auf vier Titel an, wollen dazu auf Suche nach neuen Schreibern gehen und auch den Vertrieb professionalisieren. Zwar waren bisher schon alle Bücher der „Edition G“ im Verzeichnis lieferbarer Bücher gelistet, so richtig präsent waren sie aber nur in den Neustadter Buchhandlungen – „und, wenn wir Glück hatten, noch in Edenkoben und Landau“.
An der Buchkunst wollen Gareis und Wendler festhalten
Reichtümer, das ist Gareis und Wendler klar, werden sie damit aber nicht verdienen – schon gar nicht derzeit, wo sie wie alle Verlage unter Preissteigerungen und Lieferengpässen beim Papier zu leiden haben und von einem Buch, für das der Käufer 24 Euro hinblättert, gerade einmal 2 bei ihnen hängen bleiben. Auch weiterhin werden sie ihren Autoren und Autorinnen deshalb ein Honorar nur bei sehr gutem Absatz einräumen können und auf einer Mindestabnahmemenge von 100 bestehen. Nichts ändern soll sich aber an der handwerklich grundsoliden Machart der Bücher, die auch bisher schon das Bild der „Edition G“ bestimmte. Der fühlen sich Gareis und Wendler noch aus alten Design-Studientagen in Vor-Computer-Zeiten verpflichtet.
Im Netz
Die neue Homepage von Hans Gareis’ Verlag findet sich unter www.verlag-edition-g.de.
Zur Sache: Die „Edition G“ und ihr neuestes Buch
Hans Gareis gründete seinen Verlag „Edition G“ 2010 nach seinem Abschied bei Brockhaus-Duden. Das Programm reicht von Lyrik und Romanen bis zu Sachbüchern und Titeln aus Kultur und Kunst. Das jüngste Buch ist „Lost in Babylon City“, eine poetische Bilder-Reise von Gareis selbst, die elf neue Gedichte und Kurzgeschichten mit „Lost Places“-Fotografien aus Italien, Griechenland und England vereint, die alle den Charme des Morbiden ausstrahlen. „Viel zu lesen gibt es nicht, dafür aber viel nachzudenken“, sagt der Autor. Der edel gemachte Band hat 48 Seiten und kostet 24 Euro.