Kuhardt
Handball: Frauen der TSG Haßloch besiegen den Vizemeister
Noch zwei Minuten, seine Mannschaft liegt 24:28 hinten. SG-Coach Christoph Morio nimmt eine Auszeit. „Aber klar, vier Tore, da war der Käse gegessen“, räumt Morio später ein. Aus dem schnellen Tor wird nichts, Jessica Glaser blockt den Wurf von Christina Völker. Vizemeister SG Ottersheim/Bellheim/Kuhardt/Zeiskam verliert gegen Aufsteiger TSG Haßloch mit 25:28 (12:13).
Weil Haßloch Lucie Krein hat und die Torhüterin wechseln kann. Und flink im Rückzug ist. Weil die SG direkt nach der Halbzeit mit 14:19 in Rückstand gerät und ihre Linie verliert, viele Angriffe nicht sauber zu Ende spielt, Pech hat. Beim 19:23 (46.) pariert Selina Heinrich im TSG-Tor gegen die freie Laura Klein. Sekunden später trifft Klein den Pfosten. Mit 3:0 waren die Gastgeberinnen in Führung gegangen. Dann kam Krein. Sie erzielte fünf Tore bis zum 4:5. Mit einem Physiotape am Knie, das sie mit zwei Bandagen fixierte. Es diente zur Stabilisierung, ohne die Beweglichkeit einzuschränken.
Krankengeschichten
Das Spiel hatte eine „Krankengeschichte“. Abgesehen davon, dass die Anzeigentafel nach 38 Minuten schlapp machte. Julia Sefrin hätte das Spiel der SG beruhigen können. Die 29-Jährige behält sich offen, ob sie nach ihrem Achillessehnenriss vor sechs Wochen noch einmal zurückkommt. Sie will joggen, Radfahren können. Sie, die schon mehrere Kreuzbandrisse hatte, rechnet mit einem halben Jahr Pause. Neben ihr saß Luisa Jenne. Vor zehn Wochen ist sie am linken Knie operiert worden. Kreuzbandriss. Laura Baldauf und Lynn Marie Bleh fehlten auch. Torhüterin Linda Schmitt ist im vierten Monat schwanger. Deshalb kommt es allein auf Sabrina Schrader im SG-Tor an. Sie hielt bis zur Halbzeit sechs Bälle, rettete ihre Mannschaft nach der Pause aber nicht.
Krein hatte vor sechs Jahren einen Kreuzbandriss. Sie habe wieder Probleme, nicht viel trainiert, sagt die torgefährliche TSG-Spielmacherin. Das Tape ist eine Vorsichtsmaßnahme. Sie war beim selben Arzt in Heidelberg, der sie operiert hatte. Am Montag hat sie eine genaue Untersuchung. Im Spiel spüre sie keine Schmerzen. Zu viel Adrenalin.
Bestes TSG-Team seit 2016
Haßlochs Trainer Peter Motz („Ich kann gut wechseln, wir sind gut aufgestellt“) bezog in seine Spielwertung mit ein, dass der Gegner viele Ausfälle hat, aber: „Hier zu gewinnen, das hat vergangene Saison niemand geschafft.“ Auch sein Team ist noch nicht vollzählig. Motz gibt aber zu: Er habe die beste Mannschaft, seit er 2016 in Haßloch angefangen habe. Nicht er, sondern Torwarttrainer Bruno Spieß entscheide, wer im Tor anfange. Lisa-Marie Herzig begann. Nach der Pause kam Selina Heinrich, die kaum trainiert hatte, aber mehr Bälle parierte. Motz will der Mannschaft alle Zeit geben, sich zu entwickeln. Neben Krein trafen Flora Schilling (5), Marlena Schilling (3), Anouk Liv Hagedorn (3), Imke Paul, Jessica Glaser (je 2) und Julia Spieß.
„Die Souveränität hat gefehlt, die individuellen Fehler waren in der Summe zu viel“, stellte OBK-Trainer Morio fest. Im Angriff seien die Spielerinnen nicht in die Schnittstellen gekommen, in der Abwehr hätten sie keinen Zugriff gehabt. Er probierte es, die überragende Krein aus dem Spiel zu nehmen. Es funktionierte nicht. Krein wiederum störte vorgezogen das Aufbauspiel der Gastgeberinnen, nachdem Motz auf eine 5-1-Abwehr umgestellt hatte. Haßloch war einfach stärker.
Runder Tisch
Unter den 100 Zuschauern war Pfalz-Verbandspräsident Ulf Meyhöfer, der die pfälzischen Frauen-Oberligisten an einem runden Tisch begrüßt hatte. Themen: Talente in der Region binden, stärker miteinander kooperieren. „Der Weg in die Dritte Liga ist nun schwerer“, sagte Meyhöfer. Bald sollen bundesweit nur noch 36 Frauenteams drittklassig spielen.