Neustadt Hambach: In Freiheitstraße brodelt es

Die Freiheitstraße 4.
Die Freiheitstraße 4.

In der Freiheitstraße in Hambach brodelt es. Zwei Bauvorhaben, bei denen jeweils mehrere Wohneinheiten entstehen sollen, werden von Anwohnern und dem Ortsbeirat als „Bausünden“ angesehen. Die Investoren versprechen, attraktiven Wohnraum zu schaffen.

Der Bauantrag von „NW Wohnbau“ für ein Grundstück in der Freiheitstraße 89, auf dem ein Einfamilienhaus stand, ist im April genehmigt worden. Nach Angaben der Stadtverwaltung ist eine Wohnanlage mit sechs Einheiten geplant. Im vorderen Bereich des Grundstücks seien vier Wohnungen mit Tiefgarage geplant. Im hinteren Bereich wird derzeit ein dreistöckiges Gebäude gebaut. Hier soll ein Doppelhaus entstehen. In der Freiheitstraße 4 hat die „S.W. Frick GmbH“ die Gaststätte Lindenhof abgerissen. Ein erster Bauantrag wurde abgelehnt. Inzwischen sei ein neuer Bauantrag eingereicht worden, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Wieland. Geplant seien zwei Häuser mit jeweils sechs hochwertigen Eigentumswohnungen sowie einer Tiefgarage. „Ich schließe aus, dass ich keine Baugenehmigung bekomme“, so Wieland. Der Leiter der Abteilung Bauordnung habe ihm gesagt, dass er mit einer Zustimmung rechnen könne. „Die notwendige Beteiligung von Fachbehörden ist noch nicht abschließend beendet“, teilt Heike-Katherina Soffel, Mitarbeiterin der Abteilung Bauordnung, auf Anfrage mit. Für den Abriss des Lindenhofs sei keine Genehmigung erforderlich gewesen. Vor dem Abriss habe es ein Gespräch mit dem Bauträger gegeben, an dem auch die Untere Denkmalschutzbehörde beteiligt gewesen sei. Anwohner der Freiheitstraße und weitere Hambacher Bürger haben sich zu einer Bürgerinitiative gegen beide Bauvorhaben zusammengeschlossen. Bei Vereinen, in Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen liegen Unterschriftenlisten aus. „Was bei uns in Hambach passiert, lässt den Ortsbeirat in Schnappatmung geraten“, sagt Ortsvorsteherin Gerda Bolz (CDU). Die beiden Bauvorhaben seien Teil einer Entwicklung, die das Ortsbild massiv beeinträchtigten und negativ für Hambach seien. „Da entstehen Bausünden“, so Bolz. Schon der Bau eines Mehrfamilienhauses in der Mittelhambacher Straße habe dem Ortsbild nicht gut getan. Jetzt gehe es in der Freiheitstraße weiter. Ortsvorsteherin, Ortsbeirat und Bürgerinitiative haben die gleichen Bedenken. Sie betonen, dass sie nicht grundsätzlich gegen Neubauten seien. Doch die vorgesehenen Gebäude seien zu groß, zu wuchtig und würden nicht in die Umgebung passen. „Die Bauträger wollen möglichst große Gebäude bauen, alles andere interessiert nicht“, sagt Bolz. „Wo der Lindenhof war, wird ein viel zu großer Block draufgestellt, das passt nicht zur Umgebung, da sind lauter Ein- und Zweifamilienhäuser in Hofbauweise“, sagt Sonja Leßlauer, die neben dem Grundstück des ehemaligen Lindenhofs wohnt. Bolz sieht dieses Bauprojekt besonders kritisch: „Das ist ein ganz sensibler Bereich im Ortszentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zur Jakobuskirche.“ Die Optik der geplanten Gebäude werde der Umgebung entsprechen, hält Wieland entgegen. Die Häuser mit zwei Stockwerken und ausgebautem Dachgeschoss sollen ein Satteldach haben, Sockel, Fenstergewände und Türeinfassungen aus Sandstein sein. Der vorhandene Brunnen werde eingefasst und ein Wasserlauf in Richtung Straße geführt. Durch die künftigen Bewohner der Neubauten nehme der Verkehr zu, nennen Leßlauer und Cornelia Plage, eine der Initiatorinnen der Bürgerinitiative, einen weiteren Aspekt. Die sehr enge Freiheitstraße sei jetzt schon überlastet. Zudem werde es weitere Parkprobleme geben. Zwar würden Tiefgaragen gebaut, entsprechend den Vorschriften sind pro Wohnung 1,5 Stellplätze vorgesehen. „Das reicht nicht“, sagt Plage. Auch mit Kanal und Versorgungsleitungen gebe es bereits jetzt immer wieder Probleme, so Plage. Es sei zu befürchten, dass diese Probleme zunehmen, wenn die Wohnanlagen gebaut würden. „Die Kanalisation schafft das nicht“, sagt Irene Lambert, die unmittelbar neben der Freiheitstraße 89 wohnt. „Die ganze Nachbarschaft ist gegen diese Art der Bebauung“, so Lambert. Sie berichtet, dass sie mit dem Bauträger viele Probleme habe, so seien große Mengen Bauaushub auf ihr Grundstück gerutscht, ein Weg und ein Zaun zwischen den Grundstücken massiv beschädigt worden. „Wir wollen schönen Wohnraum für Neustadt schaffen, und wir halten uns an alle Vorgaben“, sagt Lisa Niederhaus, Team-Mitglied von NW Wohnbau und Tochter eines der Gesellschafter. „Wenn Sie heute etwas machen, haben Sie immer Leute, die dagegen sind, das ist modern, die dürfen gern Unterschriften sammeln, ich habe kein Problem damit“, sagt Wieland. Sobald die Baugenehmigung vorliege, werde mit dem Bau begonnen. Vorher solle es eine Informationsveranstaltung für Anwohner geben. Wochenspiegel

Die Freiheitstraße 89.
Die Freiheitstraße 89.
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