Neustadt Guggemol:
Überraschung! Es gibt bald vermutlich wirklich nichts mehr, was der „Aniliner mit Brotsäckel“, dem Bildhauer Mátyás G. Terebesi Gestalt gegeben und ihn auf den Weg durch die „Boohofstrooß“ in Haßloch geschickt hat, nicht mindestens einmal an Kapriolen ausprobiert hätte: Mal mehr, mal weniger lustig waren die Dinge, die dem fleißigen Taglöhner auf seinem längeren Weg in die BASF schon widerfahren sind. Gar nicht gern erinnern wird er sich zum Beispiel daran, als es ihn vor zehn Jahren einmal aus den Latschen gekippt hatte und er sogar in der Werkstatt seines kreativen Schöpfers restauriert werden musste. Sicherlich geschah das mitnichten freiwillig, sondern gemeine, herzlose Zeitgenossen hatten „sellemols“ diese „umwerfende Wirkung“ auf unseren armen Arbeiter ausgeübt. Eher etwas belustigt hatten wir in der Redaktion dagegen manches Mal zur Kenntnis genommen, mit welchen Tricks der „Aniliner“ sich immer mal wieder im Bild auf unsere Seite geschlichen hatte: Eine Girlande hat er einmal getragen, und somit „haute couture“ mit schnellen Laufstegschritten vorgeführt. Passend zum Modethema ebnete ihm vor nicht allzu langer Zeit außerdem eine Herrenhandtasche den Weg in die Zeitung. Zum Blickfang wurde er auch, als er weiß-rot eingekästelter Gegenstand der wohl kleinsten Baustelle im Großdorf gewesen war, weil man ihm sozusagen gerade erst die Lichter ausgepustet hatte und als Verbesserung dann LEDs hermussten. Schließlich muss auch ein „Aniliner“ mit der Zeit gehen, wenn er schon pausenlos in der Gegend herumläuft ... Was wir jetzt wieder über den emsigen Arbeiter zu sagen haben, hat uns jedoch selbst fast die Sprache verschlagen. Er raucht! Kippen vor seinen Arbeitsschuhen zeigen, dass er allem Anschein nach gute Freunde oder Kollegen aus der Frankenthaler Gegend haben muss, die ihn mit Tabakwaren versorgen. Aber – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – muss man den Guten deswegen gleich auch noch mit reichlich Gras dekorieren? Nicht, dass er auf dumme und illegale Ideen kommt, wenn ihm die Kippen mal gänzlich ausgehen. So viel negative Energie trauen wir unserem Lieblingsaniliner aber natürlich auf keinen Fall zu. Leider gibt es einen anderen Grund, dass er irgendwie immer noch nicht am Haßlocher Bahnhof angekommen ist: Er wird doch tatsächlich im Nebenberuf als Fahrradständer benutzt, wie unser drittes Bild beweist. Wie an einen Baum gekettet, steht der Drahtesel samt Riesen-Einkaufskörbchen nun da. Schloss drumrum, fertig, weggehen: Wie soll der Besitzer auch mit so einem „Klotz am Bein“ rechtzeitig die Bahn erreichen? Hier nützt dann auch später das schönste Fahrradabteil in der S-Bahn nichts mehr. Wie wir aus den Fotos schließen können, hätte sich der fleißige Vorzeige-Malocher schon allein so gefreut, wenn wenigstens in der Flasche im Korb sich noch ein erfrischendes Getränk für ihn befunden hätte. Und jetzt? Dumm gelaufen? Nein, dem ist nicht so. Der schlaue Aniliner weiß zwei Dinge ganz genau: Erstens wird er immer wieder wieder befreit werden von einem solchen Fahrrad und unsäglicher Deko-Ideen. Und zweitens: Er hat bis jetzt noch jede sonstige Umdekorierei glänzend überstanden... |Stephanie Becker