Die Ortsteile vor der Wahl
Gimmeldingen: Heiße Eisen und frischer Wind
Fünf Parteien stehen für die Gimmeldinger bei den Ortsbeiratswahlen am 9. Juni zur Auswahl. 2019 hatten 76,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, Stärkste Kraft wurde mit 31,7 Prozent (vier Sitze) die CDU, gefolgt von FWG (22,3 Prozent, drei Sitze), SPD (16,6/zwei), Grünen (15,1/zwei) und FDP (14,2/zwei). Im Kampf um Wählerstimmen setzen die Parteien eigene Akzente.
Nahversorgung
Seit vor Kurzem der letzte Bäckerservice weggefallen ist, ist Nahversorgung ein heißes Eisen im Dorf. „Bei uns kann man wenig kaufen bis auf Wein“, sagt Andrea Reh (Grüne), die sich eine Nahversorgung mit Brötchen, Milch, Eier, Käse und Wurst in Gimmeldingen wünscht.
„Früher konnte man im Gimmeldinger Kern alles kaufen, aber die Läden sind ausgestorben“, sagt Rainer Staab (FWG). „Die meisten Leute kaufen alles, was sie brauchen, bei einem großen Einkauf. Und zwar dort, wo sie gut parken können.“ Nur als Notversorgung könnten sich Anbieter nicht halten. „Vielleicht würde es mit einem fahrenden Beschicker gehen.“
Claudia Albrecht (CDU) sagt, sie wisse aus anderen Orten, dass ein fahrender Beschicker Anknüpfungspunkte wie eine Grundschule oder einen Seniorentreff brauche, um auf Dauer zu bestehen. „Man muss es realistisch sehen“, sagt Albrecht. „Eine Bäckerei wäre toll, aber die Räumlichkeiten für Gewerbe fehlen.“
„Es gab mal eine Umfrage, dass sich viele einen Wagen vorstellen können, aber darüber hinaus ist nichts gediehen“, sagt Matthias Frey (FDP). Der Ortsbeirat werde Initiativen „in jeder Hinsicht unterstützen“, der Bedarf sei da, „aber es muss sich jemand finden und das Geschäft sich rechnen“. Im nahen Mußbach sei das Angebot wenigstens „ordentlich“.
Jens Wacker (SPD) sieht den Bedarf im Ort, aber auch, dass „Angebote bisher ehrlicherweise schlecht nachgefragt wurden“. Ohne Räume seien Ideen für einen Nachbarschaftsladen nicht umzusetzen. „Ich würde eher die Verbindung zu den nächstgelegenen Märkten verbessern, ob durch Bürgerbus, Mitfahrerbank und Ähnlichem.“
Straßen und Parkplätze
Für die Landesgartenschau werde die Innenstadt derzeit „extrem beackert und mit Nachdruck aufgehübscht“, sagt Staab. Diesen Nachdruck würde sich die FWG auch für die Sanierung in „den drei H-Straßen“ (Hölzmühl-, Hain, Haberacker-) in Gimmeldingen wünschen. Die Einführung von Wiederkehrenden Beiträgen (WKB) sei eine gute Möglichkeit, die Sanierungen anzugehen, meint Frey.
Zudem müssten mehr Bürger ihr Auto auf eigenem Grund abstellen. „Die Straßen bei uns sind immer mehr zugeparkt“, sagt Frey. Deshalb brauche es ein Parkkonzept für ganz Gimmeldingen, bei dem Parkflächen am Ortsrand ausgewiesen werden. „Am Wochenende bräuchten wir mehr Parkplätze an Sportplatz und Looganlage, aber es gibt keine Flächen.“ Die FWG will Stellplätze für Wohnmobile schaffen. „Wir haben derzeit keine Möglichkeit, auf den Hype zu reagieren“, sagt Staab.
Verkehr
Grüne, CDU und SPD fordern mehr Tempokontrollen in Kurpfalzstraße, Meerspinnstraße und Peter-Koch-Straße. Markierungen und Knöllchen „haben bisher nicht gewirkt“, sagt Albrecht, der Verkehr sei gerade dort, wo es keinen Fußweg gibt, sowie rund um den Kirchplatz „viel zu schnell unterwegs“. Versuche, den Verkehr mit Schwellern und anderen Bauten zu beruhigen, seien nach Lärmbeschwerden von Anwohnern aufgegeben worden.
Fahrbahnverschwenkungen wie am Hildebrandseck brächten zwar eine extreme Verbesserung, sagt Wacker, jedoch seien bauliche Maßnahmen im historisch gewachsenen Dorf nicht überall möglich. Die Bodenwelle in der Meerspinnstraße habe zu Lärmbelästigung geführt, „und die Durchfahrt für den ÖPNV muss auch überall gehen“. In der Peter-Koch-Straße schlägt Wacker eine Erweiterung der Spielstraße vor, letztlich helfe erfahrungsgemäß aber nur aktive Kontrollen.
„Wir können nicht überall eine Spielstraße machen“, mahnt Staab. Die Weindörfer seien historisch eng bebaut worden, meist rase nur, wer sich gut auskenne. „Bei unseren schmalen Gehwegen fühlen sich die Autos im Vorüberfahren schnell an, selbst wenn sie sich an Tempo 30 halten.“ Versetzte Parkflächen hätten aus seiner Sicht bisher am besten geholfen, seien aber auch nicht überall möglich. Frey hält das Thema für „überzogen“: „Es wird nicht im großen Stil gerast.“ Mobile Messtafeln seien ausreichend wirksam. Er will sich eher für E-Ladesäulen einsetzen.
Infrastruktur
Der Fußweg zwischen Kirche und Bushaltestelle müsse für Schulkinder sicher sein, fordert Frey. Daneben brauche es ein wetterfestes Bushäuschen und für junge Leute Versammlungsmöglichkeiten, „da kann man vielleicht etwas mit der Kirche vereinbaren“. Dass es bald einen neuen Spielplatz als Begegnungsstätte im Ort gibt, findet die CDU gut. „Aber der Belag des Kirchplatzes ist nicht geeignet für den Schulverkehr“, sagt Albrecht. Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen würden gefährdet. „Der Spielplatz braucht ein sicheres Umfeld.“
Die Grünen wollen dort und an den Ortseingängen Radständer aufstellen und den Schulhof attraktiver machen. „Die Radwege rund ums Weindorf sollten besser ausgeschildert werden“, sagt Reh, auch ein Bücherschrank im Feld mit Lesebank fände sie gut.
Dorfgemeinschaft
Albrecht fordert, dass Bürgerdienste wie die die Abholung eines Personalausweises über die Ortsverwaltung abgewickelt werden. Zudem sollten aus CDU-Sicht mehr Personal und städtische Mittel für die Dorfbildpflege fließen. „Früher haben zwei Seniorentrupps zweimal pro Woche die Flur aufgeräumt“, lobt die Christdemokratin. Doch insgesamt seien immer weniger Leute bereit, sich zu engagieren, weshalb die CDU das Ehrenamt stärken und Vereine unterstützen wolle. „Wir müssen die Menschen mobilisieren, denn wir können nicht nur im Paradies leben, sondern müssen auch etwas dafür tun.“
Dörfliche Struktur zu fördern und soziales Engagement zu stärken ist auch den Freien Wählern ein Anliegen. Eine Möglichkeit wäre es laut Staab, wenn der „bisweilen stiefmütterlich genutzte Mühlgarten“ wiederbelebt würde. Die FDP will die Feste erhalten und die Kerwe wiederbeleben, „vielleicht auch den Gimmeldinger Herbst“, sagt Frey, der das im neu gewählten Ortsbeirat anbringen will.
Zur Stärkung der Dorfgemeinschaft wollen die Sozialdemokraten die Runden Tische wieder einführen. Diese sollten je nach Bedarf und anlassbezogen, aber regelmäßig und verlässlich stattfinden, meint Wacker, der mit dem Slogan „Einer für alle“ als einziger Ortsvorsteherkandidat in Gimmeldingen antritt, nachdem Claudia Albrecht nach zehn Jahren nicht noch einmal für das Amt antreten wollte. „Ich will nicht warten, bis die Bürger auf mich zukommen, und auch nicht nur den Lauten zuhören.“
Der Ortsvorsteherkandidat
Wacker ist in Gimmeldingen großgeworden, „das ist meine Heimat, hier engagiere ich mich gerne. Als Ortsvorsteher könne er die Auswirkungen von politischen Entscheidungen höheren Ebenen rückmelden und „die Inhalte besser aus dem Beirat zur Verwaltung transportieren. Das ist die beste Feedback-Kulisse. Mir ist wichtig, Politik und ihre Abläufe besser zu erklären und die Rolle des Ehrenamts in unserem demokratischen System herauszustellen“.
Es gebe immer weniger Bereitschaft, sich einzubringen, „und dem möchte ich mich nicht ergeben“. Dennoch müssten auch Grenzen der Entscheidungsgewalt des Ortsbeirats klar benannt werden, „sonst gibt’s Frust“. Wacker will für Ausgleich sorgen sowie Wert auf überparteiliche Arbeit und politische Kompromisse legen. Er sei jemand, der „dabei bleibt, bis alles erledigt ist“.
Die Kandidatenlisten
CDU: Claudia Albrecht, Tobias Bauer, Maximilian Sander, Birgit Müller, Johannes Müller, Heinz Brod, Till Hettinger, Sabine Ohler-Jost, Ralf Schupp, Helen Bauer,
FDP: Matthias Frey, Fenja Neubauer, Kai Hauck, Maximilian Leydecker, Ute Sahler, Karl-Uwe Neubauer, Frederik Sahler, Ingeborg Aßmann, Karl Hauck
Grüne: Andrea Reh, Birgit Eschenlohr, Fabian Forsch, Ernst-Christoph Stolper, Meike Forsch
SPD: Jens Wacker, Jutta Schaper, Michael Jung, Ursula Hüner, Horst Sahler, Wilfried Marggraff, Bernd Götz, Jürgen Hüner
FWG: Martin Ferckel, Rainer Staab, Thomas Steigelmann, Erva Satun, Stefan Brenner, Marion Bauer, Daniel Utech, Andre Frosch, Gerhard Ferckel, Fabio Roth, Reinhard Bischofsberger, Lukas Schäker, Ute Niederhöfer
Der Ortsvorsteherkandidat
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