Neustadt Gemeinsame Liebe zur Klassik

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Neustadt. Seit Montag treffen sich im Herrenhof Mußbach elf junge Sänger aus aller Welt zum Meistersingerkurs unter der Leitung von Professor Claudia Eder von der Musikhochschule Mainz, Mezzosopranistin mit internationaler Karriere. Der Kurs wird am Freitag, 28. August, mit einem Wettbewerbskonzert um 19 Uhr im Neustadter Saalbau enden.

Die jungen Sänger weisen alle bereits mindestens Bachelor-Abschlüsse oder international vergleichbare Studien-Abschlüsse auf, manche haben sogar schon erste Engagements. Alle sind bei Gasteltern in Neustadt untergebracht. Die aus Seoul stammende koreanische Sopranistin Jiyoung Shin ist 29 Jahre alt, hat in Frankfurt Gesang studiert und mit den Master-Abschluss in Operngesang beendet – was nicht heißt, dass sie damit ihre Ausbildung abgeschlossen hat, denn zum Herbstsemester wird sie an die Musikhochschule Mainz zu Claudia Eder gehen und dort in zwei Jahren noch ihr Konzert-Examen ablegen. Ihr Traum für später: „Ich würde so gerne an einer Opernbühne in Deutschland singen. Deutschland, das ist die Heimat der Musik“. Sie arbeitet in Mußbach an einer Arie aus der Oper „Luise“ von Gustave Charpentier, entstanden 1900. Die zierliche Chinesin Hu Yunqin hat in Shanghai studiert und ist extra wegen des Kurses nach Deutschland gekommen. Sie übt die Arie der aufziehbaren Puppe Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“. Immer wenn der Aufziehmechanismus abgespult ist, stürzt Olympia stimmlich von der höchsten in die tiefste Stimmlage, und das muss geübt werden. „Mach mal so, als ob du in eine Flasche bläst“, sagt Claudia Eder, und die Chinesin gibt Töne von sich wie Hui Bu, das Schlossgespenst: „Huuuh, huuh“, in allen Tonlagen. Aber anschließend wird’s was mit unmerklichem Umschalten im Stimmregister. Countertenor Igor Palmov, 31 Jahre alt, stammt aus St. Petersburg, lebt jedoch mit seiner Familie schon seit 17 Jahren in Wiesbaden, in einer Familie aus lauter Pianisten, der bekannteste ist sein Vater, Konzertpianist Vadim Palmov. Igor ist ebenfalls als Pianist ausgebildet, er spielt Klavier seit seinem sechsten Lebensjahr und tritt auch auf, als Duo mit seinem Vater. Seine Mutter, Korrepetitorin am Staatstheater Wiesbaden, entdeckte seine Stimme: Er sang oft vor sich hin, eine Oktave höher als „normal“, „einfach, weil es so angenehmer für mich war“. Seit fünf Jahren macht er nun einer Gesangsausbildung, seit April an der Musikhochschule Mainz bei Claudia Eder. „Die Umstellung war gar nicht einfach, früher war ich sozusagen die Verlängerung des Klaviers, nun bin ich selbst das Instrument“. „Natürlich will ich als Sänger auftreten“, meint er. Das Repertoire für einen Countertenor ist gar nicht so klein, Barockopern und Opern aus dem 20. Jahrhundert gehören dazu. Tohru Igushi, 29 Jahre, ist zum zweiten Mal dabei, sein Bariton wirkt wesentlich mächtiger als der schmale Japaner selbst. „Meine Stimme ist ein wenig müde, der Riesling gestern Abend...“, meint er. „Die Baritone sind in der Oper entweder sehr lustig oder sehr böse“. Er arbeitet an einer Arie aus dem „Wildschütz“ von Albert Lortzing, und es geht um „Heiterkeit und Fröhlichkeit“, passend zum gestrigen Riesling. Eine der Jüngsten ist Sopranistin Susanne Spahn, 27 Jahre, die aus der Nähe von Darmstadt stammt. „Meine Eltern sind eher für Rockmusik. Die Liebe zur klassischen Musik und die Entdeckung, dass ich Talent zum Singen habe, das lief alles über den Musikunterricht an der Schule.“ Mit 15 Jahren ging sie an ein musisches Internat in Wien, wo sie nach dem Abitur auch Gesang studiert hat. „Was mir viel Spaß gemacht hat, war ein Kurs zur klassischen Operette“, erzählt sie. Tenor Hyosang Lee aus Korea, 32 Jahre, „züchtet“ zur Zeit einen Bart, weil er einen Matrosen im „Fliegenden Holländer“ singt. Seit vier Jahren ist er in Deutschland, hat sein Master-Studium in Frankfurt abgeschlossen und wird im nächsten Semester bei Claudia Eder in Mainz weitermachen. Bass Michael Podkopayev aus der Ukraine ist mit 35 Jahren der Älteste und hat schon eine Stelle als Sänger. Er kam nur wegen des Kurses nach Deutschland. Mit 13 Jahren fing er an, in einer Rockband Gitarre zu spielen. Studiert hat er fürs Lehramt Englisch. Mit 23 Jahren „sah ich zum ersten Mal Noten, als ich ordentlich klassische Gitarre auf dem Konservatorium lernen wollte. Ein Gesangslehrer hörte mich auf dem Gang vor mich hin singen und schickte mich zum Vorsingen. Aus dem klassischen Gitarrenstudium wurde dann nichts“. Er übt im Kurs eine Arie des Basilio aus dem „Barbier von Sevilla“ von Rossini ein.

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