Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Garten der Nationen: Warum Unterschiede nicht trennen müssen

Seit seiner Gründung im Jahr 2009 haben Menschen ganz verschiedener Herkunft im Garten der Nationen Wurzeln geschlagen.
Seit seiner Gründung im Jahr 2009 haben Menschen ganz verschiedener Herkunft im Garten der Nationen Wurzeln geschlagen.

Nachklapp: Wo Menschen sich nicht auf Unterschiede, sondern das Verbindende konzentrieren, entstehen Räume für Begegnung. Der Garten der Nationen ist ein Beispiel dafür.

Es gibt Dinge, die haben sich so tief ins Gedächtnis eingeschrieben, dass sie wie Eintrittskarten in die Erinnerung wirken. Ein Geruch, ein Geschmack, ein bestimmter Handgriff, und plötzlich ist wieder da, was vielleicht Tausende Kilometer entfernt liegt. Die Küche der Kindheit, der Garten der Großeltern, ein Sommernachmittag, ein vertrautes Gericht auf dem Tisch.

Gerade für Menschen, die fern ihrer Heimat leben, können solche Dinge wichtig werden. Sie schaffen Vertrautheit, Geborgenheit, ein kleines Stück Heimat in der Ferne. Der Haßlocher Garten der Nationen ist so ein Ort. Dort geht es nicht um das, was trennt, sondern um das, was verbindet. Menschen, die in Haßloch ein Zuhause gefunden haben, gärtnern hier nebeneinander. Jede und jeder auf der eigenen Parzelle, ja. Und was dort wächst, unterscheidet sich: andere Kräuter, andere Blätter, andere Erinnerungen. Aber am Ende tun alle dasselbe. Sie graben, säen, jäten, gießen. Sie hoffen auf Sonne, schimpfen vielleicht über Schnecken und freuen sich, wenn sie die Früchte ihrer Arbeit ernten können.

Welche Nationalität der Parzellennachbar hat, ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist die gemeinsame Tätigkeit. Die Erde unter den Fingernägeln fragt nicht nach Herkunft. Eine Tomatenpflanze wächst nicht besser, weil jemand perfekt Deutsch spricht. Und beim Gießen, Pflanzen und Ernten entsteht oft ganz selbstverständlich das, woran es anderswo so häufig fehlt: Begegnung.

Fokus auf das Verbindende

In diesem Sinn ist der Garten der Nationen eine Blaupause für das, was in anderen Lebensbereichen fehlt. Denn oft verstellt der Blick auf Unterschiede den Blick auf das Verbindende. Natürlich ist ein Mensch, der in Indien, Vietnam oder Bosnien aufgewachsen ist, anders geprägt als jemand aus Haßloch. Es gibt andere Rituale, andere Feste, andere Selbstverständlichkeiten. Doch hinter jeder Herkunft steht zuerst ein Mensch. Menschen, die gerne kochen, Sport treiben, wandern oder eben gärtnern. Menschen, die lachen, erzählen und dazugehören wollen.

Wenn wir den Blick stärker auf das richten, was verbindet, statt auf das, was trennt, merken wir vielleicht, dass wir einander ähnlicher sind, als es auf den ersten Blick scheint. Und wenn diese Grundlage erst einmal da ist, müssen Unterschiede nichts Trennendes sein. Im Gegenteil: Sie können neugierig machen, bereichern und Gespräche eröffnen. Vielleicht beginnt Verständigung manchmal genau so unspektakulär: Mit einer Gießkanne in der Hand und einem Nachbarn, der nicht fragt, woher man kommt, sondern was da eigentlich wächst.

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