Neustadt „Frauen-Wischiwaschi führt zu nichts“
Neustadt-Hambach. Männer brauchen Grenzen - und Erziehung. Das ist die Kernthese, die die mehrfach ausgezeichnete Kabarettistin und Sängerin Tina Teubner am Donnerstag im Hambacher Schloss mit ihrem Bühnenpartner Ben Süverkrüp am Klavier vertrat. Die „alleinerziehende Ehefrau aus Köln“ betonte zwar, dass auch ihr Gatte eine eigene Meinung haben dürfe, allerdings nur, solange es die ihre ist.
Doch so schlimm wurde es an diesem Abend gar nicht für die Herren der Schöpfung. Denn erstens bekamen bei genauer Betrachtung auch die Frauen „ihr Fett ab“, zum anderen folgte nach dem ein oder anderen Biss, der zugegeben etwas öfter und tiefer ins männliche Fleisch als ins weibliche ging, immer eine gute Wegstrecke lang versöhnlich plätscherndes Programm, vergnüglich und unterhaltsam, gerne auch mit dem ein oder anderen Klischee, wie etwa dem vom baumarktverliebten Mann und seinen Unzahl an Bohrmaschinen. Nur, wenn Frauen Grenzen setzten, werde der Mann zum Mann, da er gerne im Kampf wachse. Klare Ansagen und Selbstbewusstsein müssten Frauen lernen und sich nicht mit Kaufrausch und Pröbchen gegen Orangenhaut aufhalten. Männer plagten ihre Unzulänglichkeiten viel seltener, wie schon der antike griechische Philosoph Sokrates bewiesen habe, der frech mit einem „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ Karriere gemacht hat. So ein „Frauen-Wischiwaschi“ voller Zurückhaltung führe nicht zum Ziel. Immer vor Augen halten müsse man sich auch die völlig andere Sichtweise der Geschlechter. Wenn Frauen Probleme durch Gespräche aus der Welt schaffen wollten, hätten sie nicht erkannt, dass für Männer Probleme erst durch Gespräche in der Welt seien. Zwar hatte Teubner keine brandneuen Erkenntnisse im Gepäck, doch waren sie musikalisch und verbal originell und ungewöhnlich verpackt, was im gut besuchten Schloss ankam. Immer wieder sang sie zur Klavierbegleitung, strich die Violine, zupfte Ukulele oder wimmerte am Sägeblatt. Außerdem hatte sie wirklich für jede Situation ihre Tipps. So klärte sie die Frauen auf, wie sie durch rechtzeitige Erziehung verhindern könnten, betrogen zu werden. Man solle da keine Scheu vor energischer Ansprache haben und wenn ein „Nein, lass die Frau mal liegen“ Erfolg gezeigt hätten, auch nicht vergessen, „mal eben so richtig durchzuloben“. Eigenwillige Wortkreationen wie „unterquellende Trockenliebe“ überraschten wie der eingespielte Nachtzug nach Paris. Nicht prollig, sondern durchs Hintertürchen kam so mancher Witz, immer aus dem Leben gegriffen und mit leichter Melancholie unterlegt. Und dann war Ben Süverkrüps großer Moment gekommen. Er, der so lange als williger Stichwortgeber hergehalten hatte, demonstrierte an großen Kompositionen von Chopin, Mozart oder Beethoven, was wohl passiert wäre, wenn die Herren von nervenden Frauen und Kindern bei ihrer Arbeit gestört worden wären. In Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ mischten sich so geschickte Takte aus „The winner takes it all“ von „Abba“. Tosender Applaus war ihm für seinen Tastenritt sicher. Sogar Teubner zollte in aller gebotenen Kürze – der Mann soll ja nicht abheben – Anerkennung. Auch sie erhielt langen Applaus. Ihn honorierten die Künstler mit zwei Zugaben.