Flugsport
Flugsportverein Kaiserslautern feiert 100. Geburtstag
Der Flugsportverein Kaiserslautern feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. In seiner Kaiserslauterer Heimat ist der Verein allerdings kaum bekannt. Das hat gute Gründe: der FSVKL hat in Kaiserslautern keinen Flugplatz und muss deshalb seinen Sport schon seit dem Jahr 1961 in Lachen-Speyerdorf bei Neustadt ausüben. Damit sind die Kaiserslauterer der einzige Flugsportverein in Rheinland-Pfalz, der kein eigenes Gelände hat und sich stattdessen bei den Neustadter Kollegen einmieten muss.
Diese Situation wird sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern. Das Fliegen in Kaiserslautern scheitert nicht daran, dass es unmöglich gewesen wäre, in den vergangenen 60 Jahren ein geeignetes Gelände zu finden, sondern an der starken militärischen Nutzung des Luftraums über Kaiserslautern durch die US-amerikanische Armee. Dr. Hermann Bolz, der Vorsitzende des FSVKL sagt: „Die Amerikaner haben in Ramstein die größte Airbase außerhalb der Staaten, und deren Flüge werden von sehr weit her gesteuert, die beginnen zum Beispiel schon in der Nähe von Saarbrücken und decken den ganzen Bereich rund um den Ramsteiner Flugplatz ab.“
Anfänge auf dem Fröhnerhof
Auch das aktuelle Gelände, von dem der Klub aus Kaiserslautern seine Flugzeuge startet, wurde ursprünglich für eine militärische Nutzung geschaffen. Bis Anfang der 90er Jahre teilten sich die Flugsportvereine Kaiserslautern und Neustadt das Gelände in Lachen-Speyerdorf mit der französischen Armee. Unter der Woche nutzten die Franzosen den Flugplatz, am Wochenende die Freizeitflieger. Anfang der neunziger Jahre zog sich die französische Armee aus Deutschland zurück, die Flieger aus Neustadt und Kaiserslautern konnten das Gelände weiter nutzen.
Als der Flugsportverein vor knapp 100 Jahren gegründet wurde, durfte er in Kaiserslautern noch ein Gelände auf dem Fröhnerhof nutzen. Geflogen wurde damals mit selbst gebauten Maschinen. Um den Flugsport bekannter zu machen, veranstaltete der Verein vier Flugtage vor großem Publikum im Kaiserslauterer Volkspark. „Damals war das noch ein Gewerbegebiet“, erzählt Bolz. „Man hat sogar die Telegrafenmasten abgebaut und Bäume gefällt, um starten und landen zu können.“
Hedys Sprünge begeistern
Publikumsliebling war eine Fallschirmspringerin namens Hedy Rensch, die angeblich ihren Fallschirm selbst genäht hatte und das Fallschirmspringen gegen den Willen ihrer Eltern heimlich erlernt hatte. „Sie ist aus 500 Metern Höhe abgesprungen. Ihren Fallschirm konnte sie damals noch nicht steuern und einmal mussten sich die Zuschauer in einen Graben werfen, damit sie da landen konnte, wo gerade eben noch das Publikum stand“, berichtet Bolz, der die Geschichte seines Vereins anhand von Zeitungsberichten von damals rekonstruiert hat.
Nach dem zweiten Weltkrieg dauerte es bis zum Jahr 1951, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Damals begann die Zeit des Exils, zunächst in Göllheim, dann in Grünstadt und schließlich in Lachen-Speyerdorf. Die Kaiserslauterer Sportflieger starten Sonn- und Feiertags zwischen Ostern und Allerheiligen. Aufgrund der relativ großen Entfernung des Flugplatzes von der Kaiserslauterer Heimat gibt es Fahrgemeinschaften für die Piloten, außerdem hat der Verein am Flugplatz auch eine Übernachtungsmöglichkeit.
Breites Angebot
Der FSVKL ist breit aufgestellt und bietet seinen Mitglieder eine großes Angebot: Segelfliegen, Motorsegler oder Ultraleicht fliegen, alle gängigen Variante sind im Angebot. Die Kosten für die Vereinsmitglieder bleiben dabei überschaubar. Zum Jahresbeitrag von 300 Euro erhebt der Flugsportverein noch eine Benutzungspauschale von 200 Euro für die vereinseigenen Flugzeuge. Pro Start muss man, je nach Startsystem, 7,50 Euro bis 18 Euro einplanen. Für Anfänger bietet der Verein ehrenamtliche Fluglehrer, die ihren Schülern alles beibringen, was sie über das Fliegen wissen müssen. Der Klub ist immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern, hat deshalb auch Kooperationen mit der Kaiserslauterer Uni und dem Gymnasium am Rittersberg.
Hermann Bolz kam durch seinen Großvater zum Flugsport. Die Begeisterung dafür gab der mittlerweile 72-jährige auch an seine Kinder weiter. Fünf von sieben seiner Sprösslinge erlernten das Fliegen: „Der Verein ist für mich ein Zuhause gewesen und das Fliegen hat mich sehr geprägt. Beim Fliegen lernen wir die Fordec-Methode zur strukturierten Entscheidungsfindung. Das hat mir auch in meinem Berufsleben als Leiter der Landesforstverwaltung geholfen. Bei Entscheidungen geht es immer nur um Fakten. Wenn ich in einer schwierigen Situation beim Fliegen bin, hilft mir alles andere nicht. Dafür steht das „F“. Das „O“ steht für Optionen, denn man hat fast immer mehr als eine Option. Als nächstes kommt das abwägen, welche Risiken mit den Optionen verbunden sind. Das ist das „R“. Dann folgt die rationale Entscheidung, das „D“ steht für das englische „Decision“. Als nächstes kommt die Umsetzung, das “E“ bedeutet „Execution“, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort und genau so wie ich es entschieden habe. Am Ende folgt das „C“, der Check, ob ich nachjustieren muss und dann funktioniert das.“
Der Flugsportverein Kaiserslautern bietet seinen Mitgliedern also ein attraktives Gesamtpaket: Spaß haben beim Fliegen und durch die Hintertür gibt’s auch noch Lektionen fürs Leben. Für all das sind 40 Kilometer Anfahrt von Kaiserslautern nach Lachen-Speyerdorf kein sonderlich hohes Opfer.