Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Flott im Floßbach – oder: In Neustadt sind die Elwetritsche los

Elwetritsche-Regen beim Start.
Elwetritsche-Regen beim Start.

1111 Elwetritsche aus Gummi starteten am Sonntag zum Elwetritsche-Rennen auf dem Floßbach. Mindestens genau so viele Zuschauer kamen zur zweiten Auflage des Gaudi-Rennens. Elwetritsche und Menschen landeten alle heil am Ziel.

Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) war ein bisschen enttäuscht. Er sollte hinter dem Roxy-Kino den Startschuss zum Rennen der Fabelwesen geben und hätte dazu „gern eine Pistole gehabt“, wie er verriet. Die bekam er nicht. Stattdessen musste Weigel auf einen Teleskopbagger klettern, dann wieder herunter und von zehn rückwärts zählen. Dann hieß es „Elwetritsche los“, der Baggerfahrer öffnete die Schaufel und es regnete Elwetritsche in den Floßbach. Die 1111 Rennteilnehmer hatten im Dunkel der Schaufel ausharren müssen, bis sie auf die 600 Meter lange Rennstrecke durften.

Die Elwetritsche waren recht flott unterwegs und an beiden Seiten des Ufers machte sich eine wahre Völkerwanderung mit den schwimmenden Tierchen auf den Weg. Einige rannten los, um vor den Schwimmern am Ziel zu sein, andere ließen es gemächlich angehen, blieben an Stellen mit einem guten Ausblick stehen, schauten zu, wie sich das anfangs dichte Rudel der Rennteilnehmer auflöste, einige Tritsche in Gruppen weiterschwammen, andere als Solisten ihr Rennglück versuchten. Den eindeutig undankbarsten Job des Tages hatten Manolo und Noldi, zwei Helfer des Kulturvereins Soku. Sie wateten durch den Floßbach, brachten Elwetritsche, die zwischen Steinen feststeckten oder sich am Ufer verheddert hatten, wieder auf den rechten Weg. Nur mit viel Glück und Geschick schafften sie es, kein Bad in dem gut mit Wasser gefüllten Bach zu nehmen. Soku ist mit dem Lions-Club, der Tourist, Kongress und Saalbau GmbH (TKS) und der Willkomm Gemeinschaft Veranstalter des Rennens. Die Idee hatte Soku-Vorsitzender Hardy Heller.

Monika Nosbüsch präsentiert die schnellsten Fabelwesen.
Monika Nosbüsch präsentiert die schnellsten Fabelwesen.

Die Besucher sind begeistert

„Das ist ganz toll“, so das Urteil von Thorsten und Claudia Binzer. Das Ehepaar war mit Bekannten eigens aus dem Ludwigshafener Stadtteil Oppau gekommen. „Wir singen in einem Chor, der singt ein Elwetritschelied“, deshalb habe man zum Rennen gewollt. „Das ist einfach klasse“, lobte Matthias Hetzel, Vorsitzender des Chors. Nach dem Rennen wollte man zum verkaufsoffenen Sonntag in die Stadt.

Sechs schwimmende Renn-Tritsche hatte Herbert Urich, ein „geborener Hambacher“, der in Haßloch wohnt, gekauft. „Für meine fünf Enkel und eine für mich.“ Drei der Enkel standen mit dem Opa am Ufer und waren „ein bisschen aufgeregt“, wie der elfjährige Tom und die zehnjährige Viviane verrieten. „Es macht aber Spaß“, sagte der 13-jährige Sean, der schon einmal bei einem Entenrennen in Haßloch mitgemacht hat. „Auch wenn wir nicht gewinnen, gibt es doch für alle einen Trostpreis und ein Fleischkäsebrötchen und der Erlös ist für einen sozialen Zweck, das finde ich gut“, sagte Urich.

Fast beneidet man die Elwetritsche: Sie haben Platz

Am Ziel, am Café Winzig, war so dichtes Gedränge, dass man die Elwetritsche fast um ihren Platz im Wasser beneidete. „Ich will zur Hüpfburg“, quengelte ein Mädchen. Viele drängten zum Stand, an dem Helfer die Trostpreise und Gutscheine für Fleischkäsebrötchen verteilten. „Als Trostpreis bekommt jeder eine Elwetritsche“, sagte Frank Sobirey vom Lions-Club. Mächtig Betrieb war auch am Stand, an dem die Sieger ihre Preise entgegennehmen konnten. Nicht so ganz glücklich war der fünfjährige Jules mit dem Preis für den 79. Platz, den „seine“ Elwetritsche geschafft hat, denn mit einer Waschlotion kann der Knirps nicht allzu viel anfangen. Der achtjährige Janick freute sich dagegen über das Buch über Elwetritsche, das er gewonnen hat. Angelika Damian gefiel nicht nur das Elwetritsche-Rennen sehr gut, sie freute sich auch darüber, dass „ihre“ Tritsche den vierten Platz geschafft und sie so einen Gutschein für zwei Übernachtungen in einem Hotel in Macon gewonnen hat. „Den schenke ich meinem Sohn, der soll sich mit seiner Freundin ein schönes Wochenende machen“, sagte sie.

Martin Franck, Geschäftsführer der TKS, rechnet mit einem Erlös von 6000 bis 8000 Euro, den je zur Hälfte die Lebenshilfe und Soku bekommen.

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