Neustadt Fachsimpeln macht noch Freude

Heinrich Reemen feiert heute im Seniorenzentrum „Rebental“ seinen 100. Geburtstag. Der Altersjubilar ist geistig und körperlich noch fit. Und sehr charmant und höflich – ganz alte Schule – begegnet er seinem Gegenüber.
1915 wurde Reemen in Tönis-Forst am Niederrhein geboren. Zunächst musste er wie andere junge Männer auch, in den Krieg ziehen, erlebte zum Glück nur eine kurze Gefangenschaft und kehrte bereits im August 1945 nach Hause zurück. Zwei seiner Brüder starben jedoch im Krieg. Vier Jahre nach seiner Rückkehr heiratete er seine Frau Else in Köln. „Unsere Hochzeit war bescheiden, sie fand in den Trümmern von Köln statt. Aber wir gingen Jahrzehnte zusammen durch dick und dünn, überwanden die ersten schwierigen Jahre gemeinsam und waren sehr glücklich“, erinnert sich der Altersjubilar. Leider starb seine Frau vor drei Jahren. Heinrich Reemen hat der Beruf eines Kochs gelernt, war in renommierten Häusern zunächst in Luxemburg, dann in Trier und schließlich in Mannheim beschäftigt, dort war er zehn Jahre lang bis zu seiner Pensionierung als Leiter eines Wirtschaftsbetriebes tätig. „Wir haben uns immer mehr der schönen Pfalz und seinen liebenswerten Menschen genähert“, sagt Reemen. Eine Zeit lang lebte die Familie in Iggelheim, baute dann das Eigenheim in Haßloch in der Rolandstraße. „Ausschlaggebend für unseren Wohnwechsel war unser Enkel Julian, der das Hannah-Arend-Gymnasium besuchte. Ich bin sehr stolz auf ihn, er steht vor dem Abschluss des Studiums der Musik, der Mathematik und der Geologie in Köln“, freut sich der Hundertjährige. Er selbst spricht fließend Französisch und sucht jemandem, mit dem er sich in dieser Sprache unterhalten kann. „Ich bin an allem interessiert, lese jeden Tag die RHEINPFALZ, um über das Dorf, den Umkreis und die Geschehnisse in der Welt informiert zu sein“, sagt er. Gerne schaut er auch mal im Seniorenzentrum „Rebental“ beim Küchenchef herein und gibt ihm dann Tipps für die Zubereitung von Speisen: „Ich stelle aber fest, dass er perfekt in seinem Metier ist. Aber das Fachsimpeln gefällt mir“, sagt der rüstige Rheinländer, der – wenn es das Wetter erlaubt – auf der Terrasse sitzt und ein Sonnenbad genießt. Reemen bedauert, dass er als Zeitzeuge der Nazizeit und des Krieges bei den Veranstaltungen zu diesem Thema im Hannah-Arendt-Gymnasium nicht dabei sein konnte. „Wir waren eine sehr katholische Familie. Ich konnte mich mit dem Regime nicht anfreunden, zog widerwillig in den Krieg und nahm jede Gelegenheit wahr, um Kritik zu üben. Das war natürlich sehr gefährlich, aber ich konnte aus meinem Herzen keine Mördergrube machen“, erzählt Reemen. Im Seniorenzentrum fühlt er sich sehr wohl. „Meine ,gute Fee’ ist die Mitarbeiterin Lisa Augustin, eine Mitarbeiterin im Seniorenzentrum“, sagt Reemen. Daneben kümmern sich die Familie seines Sohnes Siegfried und Enkel Julian – „ein cleveres Bürschchen, das mir viel Freude macht“ – und der Familie Jörg und Wiltrud Füßer um ihn. (my)