Neustadt „Es gibt so viele Schräubchen“
In ihrem betagten, aber fachmännisch aufgemöbelten Häuschen in Erlenbach teilen sie Raum, Güter und vor allem wertvolle Zeit gern mit Nachbarn. Müll fällt in Mikromengen an, ganz groß hingegen ist der Wert, den Leslie Schleese und Lars Müller auf Nachhaltigkeit legen. So trägt das Ehepaar mitsamt seinen drei Söhnen im Alltag seinen Teil dazu bei, die Welt ein bisschen besser zu gestalten. Dies hat der Familie einen Preis beim „Rettbewerb“ der Technischen Universität Kaiserslautern beschert.
Es war zwar „nur“ der dritte Preis, den TU-Präsident Professor Helmut Schmidt der Familie übergab. Die Anerkennung jedoch schmälert das nicht; zumal die ersten beiden Plätze beim „Rettbewerb“ von CampusKultur an Mitbewerber gingen, die ihr ehrenamtliches Tun als Interessenvereinigungen mit größeren Kapazitäten bewältigen. Die Unicef-Hochschulgruppe der TU kümmert sich um viele Facetten des Wohls von Kindern, der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Verein „Teachers on the road“ um Migranten. Wie man im Kleinen umweltbewusst leben kann, das zeigte die aus Hannover stammende, in Kaiserslautern heimisch gewordene Familie auf. Leslie Schleese arbeitet an der TU und managt dort die Familien-Service-Stelle. Nahe dran am Geschehen, hatte sie auch die Idee, beim „Rettbewerb“ mitzumachen. Fernseher gibt’s nicht im gut 90 Jahre alten Eigenheim, das Lars Müller – als Architekt und Zimmermann vom Fach – nach ökologischen Gesichtspunkten saniert. Die Familie hat ihr Konsumverhalten an Kriterien der Nachhaltigkeit orientiert, meidet weitestmöglich Kunststoffe, setzt bei Kleidung und Mobiliar auf Reparatur statt Austausch. „Wir reisen auch nicht mit dem Flugzeug“, sagt Müller. „Es gibt so viele Schräubchen, an denen sich noch drehen lässt“, betont seine Ehefrau, dass sich immer mal wieder neue Aspekte auftun; so hat sie im Februar das Pedelec entdeckt. Fortkommen ohne Abgase. Wobei sich zeigt: Die Familie agiert keinesfalls kompromisslos. „Wir haben zwei Autos; geht nicht anders“, verweisen die Eheleute auf Berufstätigkeit und auf die Mobilität, die auch den Kindern zuliebe gewährleistet sein müsse. Was die drei Jungs betrifft: Von Milo (neun Jahre), dem elfjährigen Béla und dem zwölfjährigen Quinn verlangen die Eltern keinesfalls, auch wie sie selbst auf eine vegane Ernährungsweise umzustellen. Auch Computer ist okay; nur Smartphones im modernsten Sinne gehören zu den Dingen, auf die die Familie verzichten kann. Schräubchen, an denen beide gedreht haben, führten dazu, dass sie Kunden einer „sozialen Bank“ sind, die keine Waffendeals mitfinanziert; dass sie Strom und Gas über Greenpeace Energie beziehen. Den „Rettbewerb“ hatte die einst Studium integrale genannte Institution CampusKultur erstmals ausgeschrieben – passend zum Semestermotto „Nur noch kurz die Welt retten“. „Weltretter“ brauchten lediglich die jeweiligen guten Taten zu dokumentieren, der Wettbewerbszugang war weit offen gestaltet. Fünf Gruppen hätten sich beteiligt, informierte CampusKultur-Mitarbeiter Armin Eichenmüller, der mit seinem Kollegen Lars Kilian die eingereichten Beiträge ausgewertet hatte.