Neustadt
Elektro Grün: Seit sechs Jahrzehnten im Geschäft
Als Roland Grün vor 60 Jahren einen Elektrobetrieb in Hambach gründete, waren die Anfänge bescheiden. Das kleine Unternehmen startete im eigenen Wohnhaus, wuchs jedoch kontinuierlich, denn die Kunden schätzten Grüns Arbeit. Die Auftragslage war so gut, dass er zunächst einen, dann einen zweiten Gesellen einstellen konnte. Zudem kümmerte sich Grün um die Ausbildung von Nachwuchskräften. Heute kann das Unternehmen auf mehr als 30 Gesellen und Meister zurückschauen, die ihre Ausbildung im Familienunternehmen begonnen und abgeschlossen haben.
Zu den Mitarbeitern der ersten Stunde gehörte Peter Wilhelm, der nach 45 Jahren Betriebszugehörigkeit 2017 in Rente ging. Gerne wäre er trotz Rentenalters weiterhin für die Grüns tätig gewesen, zählte er doch quasi zur Familie. Doch die Gesundheit ging vor.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich im Betrieb einiges gewandelt. Roland Grüns Sohn Jürgen trat 1992 in das Unternehmen ein, übernahm zunehmend Verantwortung und wurde offizieller Nachfolger. 1999 ging Roland Grün in den Ruhestand – zumindest offiziell. Er ließ es sich nicht nehmen, weiter im betriebseigenen Radgeschäft zu arbeiten und Kontakt zu den Hambachern zu halten.
Bindeglied, Schlichter und Organisator
Jürgen Grün engagierte sich in seinem eigenen Elektrobetrieb und baute ihn weiter aus. Dabei behielt er die Arbeitsbedingungen der gesamten Branche im Blick. Als Mitglied der Elektro-Innung sah er, dass der Klein- und Mittelstand mehr erreichen könnte, wenn der Zusammenhalt gestärkt werden würde. Dazu wollte er als Interessenvertreter der Kollegen aktiv beitragen.
Seit dem Jahr 2000 ist Jürgen Grün Obermeister der Elektro-Innung, erhielt 2015 die silberne Ehrenurkunde und wird nun für 25 Jahre mit der goldenen Auszeichnung für das aufwendige Ehrenamt geehrt, das er bis heute mit Leben füllt. Er stellt Verbindungen zwischen Betrieben her, ist Schlichter in Streitfragen und sorgt für einen Informationsfluss, der heute mehr und mehr digitalisiert abläuft. Zudem organisiert er Schulungen und Weiterbildungen. Bei rechtlichen Fragen hilft die Innung den Betrieben weiter. Die Handwerkskammer delegiert die Prüfungen der Auszubildenden an die Innungen. „Wir prüfen an den entsprechenden Terminen täglich zwischen 35 bis 40 Auszubildende“, so Grün. Dazu gehören ihm zufolge die Einladungen zu den Terminen, Sichtung der Berichtshefte, Prüfungen und Nachprüfungen, Korrekturen und Benotung. Auch die Abnahme von neuangemeldeten Betrieben sei Aufgabe der Innung. „Mir hat das Ehrenamt immer sehr viel Freude bereitet, besonders dann, wenn wir Verbindungen zwischen Kollegen schaffen konnten“, bekräftigt er.
Dritte Generation seit 2018 an Bord
Mit Matthias Grün, Enkel des Gründers und Sohn von Jürgen, kam 2018 die nächste Generation in das Unternehmen. Seit Juli 2023 hält er die Geschäftsanteile, Vater Jürgen Grün ist weiterhin Mit-Geschäftsführer. Schwiegertochter Anna-Lena Grün führt seit 2023 das Büro und koordiniert Personalangelegenheiten.
Heute beschäftigt sich der Betrieb mit Aufgaben rund um das Haus bei Umbau und Erweiterungen, ist Ansprechpartner für Smart-Home-Installationen, führt E-Checks durch und prüft auch ältere Anlagen. Das Team betreut hauptsächlich Privatkunden, seltener Großbaustellen und arbeitet an städtischen Projekten.
Kein Problem mit Personalmangel
Das allgegenwärtige Thema des Personalmangels stellt in dem Hambacher Unternehmen kein Problem dar. Laut Anna-Lena Grün haben sich die Anforderungen an das Personalmanagement geändert. Die Mitarbeiterbindung spiele eine bedeutende Rolle. „Wir binden unsere Leute stark in unseren familiären Betrieb ein. Sie fühlen sich gesehen und wertgeschätzt“, sagt sie.
Der jüngste Spross der Grün-Dynastie ist Lino, der seit 2022 eine magische Anziehungskraft auf die Familie ausübt. Noch durchläuft er den Kindergarten – seine berufliche Zukunft ist also noch ungewiss.